Guter Wolf – böser Wolf:

Die Furcht vor der Wildnis

Kaum ein Tier polarisiert so stark wie der Wolf. Seit seiner Rückkehr in hiesige Gefilde streiten sich Gegner und Freunde des grauen Jägers bis aufs Blut. Doch wie gefährlich ist der neue Alteinwohner wirklich?

Die Wiederansiedlung des Wolfes ist extrem umstritten.
Uwe Zucchi Die Wiederansiedlung des Wolfes ist extrem umstritten.

In der vergangenen Woche war es soweit. In Brandenburg griffen Wölfe erstmals seit ihrer Wiederansiedlung im Jahr 2007 eine Kuhherde an. Drei Kälber wurden getötet, mehrere verletzt. Reflexartig setzte eine Diskussion ein, die von Emotionen bestimmt wurde. Horror-Visionen von aufgefressenen Kindern auf der einen, Verhätschelungen des Wolfs auf der anderen Seite. Fakten oder sachliche Argumente? Mangelware!

Dabei genügt ein Blick auf die Zahlen, und die „Wolfs-Problematik“ schmilzt zusammen: In Mecklenburg-Vorpommern leben zwei Wolfsrudel und zwei einzelne Wölfe. Die Wolfspaare mit fünf beziehungsweise vier Welpen leben in der Lübtheener und Ueckermünder Heide. Einzeltiere wurden im Naturpark Sternberger Seenland sowie im Grenzgebiet zur Kyritz-Ruppiner-Heide nachgewiesen. Macht zusammen 15 Tiere. Sie durchstreifen, ausgehend vom Kernlebensraum eines Rudels von knapp 300 Quadratkilometern, fünf Prozent der Landesfläche. 

Eine Gefahr für Leib und Leben?

In Brandenburg ist die Wolfs-Population deutlich größer. Nachdem sich das erste Wolfspaar dort im Jahr 2009 fortgepflanzt hatte, leben dort mittlerweile zwölf Rudel, zwei Wolfspaare sowie zwei Einzeltiere. Rechnet man pro Rudel acht Tiere, kommen rund 100 Wölfe zusammen. Besiedelte Landesfläche: etwa 16 Prozent.

Eine Gefahr für Leib und Leben? Stephan Kaasche schüttelt nur den Kopf. Er lebt in Hoyerswerda und damit mitten im sogenannten „Wolfsgebiet“. Sein Urteil über die immer wieder aufkeimende Diskussion: „Sowohl die Vorstellung eines komplett friedlichen Zusammenlebens mit dem Wolf als auch die Furcht vor einer Entsiedlung ganzer Landstriche wegen des Wolfs sind vollkommen illusorisch.“ Mensch und Wolf könnten gut neben- und sogar miteinander leben, solange bestimmte Voraussetzungen erfüllt seien. „Dazu gehört natürlich auch, den Tierhaltern zu helfen, ihr Vieh sinnvoll abzusichern“, erklärt Kaasche. Dank der von den Ländern eingestellten Förderungen sei man auf einem guten Weg. Die Tierhalter nimmt er in die Pflicht, Vorsorge zu treffen. „Das passiert oft erst nach einem Angriff, dann ist es zu spät.“

Unwissenheit ist das größte Problem

Problematisch in Kaasches Augen ist die Unwissenheit vieler, die über den Wolf diskutieren: „Viele haben ein grundfalsches Verständnis von der Biologie des Wolfes. Wo er sich ausbreitet, wird es niemals zu einer Konzentration kommen. Jedes Wolfspaar braucht seine Fläche und siedelt deshalb in ein eigenes Territorium“, erklärt der Fachmann. Vor Wölfen wimmelnde Landstriche wird es allein deshalb nicht geben.

Dass die Öffentlichkeit dennoch gerade beim Wolf sehr genau hinschaut, weiß Volker Spicher. Spicher ist einer von fast 50 Wolfsbetreuern in Mecklenburg-Vorpommern, dazu arbeitet er als sogenannter Rissgutachter. Werden Nutztiere, wie zuletzt mehrere Schafe bei Boizenburg, getötet, macht er sich auf den Weg und erstellt ein Gutachten. Lässt sich nicht ausschließen, dass ein Wolf für den Riss verantwortlich ist, wird der Halter entschädigt.

Keine Angriffe auf Menschen

Spichers Eindruck: „In letzter Zeit mehren sich die Meldungen von Sichtungen“, alle zwei bis drei Wochen rufe jemand bei ihm an. Die Anrufer seien dem Wolf gegenüber in der Regel neutral bis positiv eingestellt. Einzelne meldeten sich aber auch bei ihm, weil sie sich Sorgen um ihre Haustiere machten. Ihnen sagt Spicher: „Im Prinzip kann in unserem Land zu jeder Zeit und an jedem Ort ein Wolf auftauchen.“ Im Jahr 2014 habe Spicher acht bis zehn Gutachten anfertigen müssen. Angriffe auf Menschen gab es nicht, auch nicht in anderen Ländern.

Dass die Diskussionen um den Wolf abnehmen würden, glaubt Norman Stier nicht. Im Gegenteil. „Der Bestand im Land wird definitiv schneller steigen als zuvor“, erklärt der Forstwissenschaftler. Stier ist verantwortlich für das Wolfs-Monitoring in Mecklenburg-Vorpommern. Um eine zuverlässige Dokumentation des Bestandes gewährleisten zu können, ist er auf die Zuarbeit aller angewiesen, die Wölfe oder ihre Fährten sichten. „Oft wird uns vorgeworfen zu wenig Daten herauszugeben, wir bekommen aber zu wenig Informationen, um Daten liefern zu können. Statt immer nur über den Wolf zu reden, sollten die Menschen hinschauen und dann, im Fall der Fälle, auch ein Zeichen geben.

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Kommentare (2)

Unsere Vorfahren haben diesen Räuber mit Fug und Recht aus der Kulturlandschaft verdrängt. Der "wolfsfreie" Zustand wurde insbesondere durch die Schäfer und die Bauern begrüßt und hat diesen Berufsständen eine erhebliche Bedrohung ihrer Existenz genommen. Durchaus vergleichbar mit der erfolgreichen Ausrottung von Wegelagerern und Mordgesindel, welche dem Landvolk und den Handlungsreisenden eine Geißel waren. Und nun kommt eine völlig irrational denkende und handelnde Öko-Klientel daher, welche das Existenzrisiko der Landbevölkerung um der "Wiedereinbürgerung" eines Schädlings Willen wieder erhöhen will. Es handelt sich ja nicht mal um eine bedrohte Tierart - Wölfe gibt es auf der nördlichen Erdhalbkugel wohl mehr als genug! Leute, sowas geht doch garnicht! Demnächst kommt noch irgendeine Radikalen-Klicke des BUND daher, die hier wieder Bären und Aucherochsen ansiedeln will. Wehret den Anfängen - in Hohenbollentin brauchen wir jedenfalls keine Wölfe. Und wir wollen sie her auch nicht haben! Hans Schommer Hohenbollentin

........mit welchem Recht wollen Sie beurteilen, bzw. feststellen, wer oder was in dieser "Gesellschaft" gebraucht wird. Wölfe haben das gleiche Recht auf diesem Planeten zu leben. Wenn Sie persönlich Angst vor Wölfen haben ist das Ihr persönliches Problem mit dem Sie fertig werden müssen, doch sollten Sie Anderen nicht suggerieren wollen, dass Wölfe ein Sicherheitsrisiko darstellen. Woher nehmen Sie denn diese Erkenntnis? Haben Sie schon mal Wölfen in freier Wildbahn begegnet? Ich rede hier nicht von Wildparks und Co. Um die sog. "Nutztiere" vor Wölfen zu schützen, gibt es einfache und sogar preiswerte Möglichkeiten, doch dazu sollte man sich erst einmal mit dem ursprünglichen Verhalten von Wölfen vertraut machen. Aus eigener Erfahrung mit wild lebenden Wölfen darf ich mit Fug un Recht feststellen, dass wilde Wölfe neugierige, friedliche Lebewesen sind, die mit dem menschen absolut nichts am Hut haben, solange man deren Lebensweise respecktiert. Ohne Respekt geht es eben nicht. Jedoch wie mit allen Lebewesen, die man in die Enge treibt, muss man mit allem rechnen, doch wer will das schon. Eines möchte ich Ihnen noch auf den Weg geben. Der sog. mensch ist nicht das Maß aller Dinge. Dies werden Sie, wohl oder Übel noch begreifen.