Das Phänomen Gregor Gysi:

Die Größe allein ist nicht entscheidend

Phänomen, Politstar, Tausendsassa: Gregor Gysi ist einer der wenigen deutschen Politiker, die auch parteiübergreifend Anhänger haben. Wo liegen die Wurzeln seines Erfolgs?

Gregor Gysi besuchte den Neubrandenburger Güterbahnhof.
Bernd Von Jutrczenka Gregor Gysi besuchte den Neubrandenburger Güterbahnhof.

Ohne die Internetsuchmaschine Google geht für viele heute gar nichts mehr, das weiß auch Gregor Gysi. "Wenn ich etwas im Netz suche, dann über Google. Gibt es überhaupt etwas anderes?", fragt der, der nicht ganz drei Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs geboren wurde. Gysi mag Google. Doch mag Google auch Gysi? Zweifel scheinen angebracht. Tippt man den Namen des Sympathieträgers in die Suchmaske, schlägt diese "Gregor Gysi Größe" vor. Während der Jurist und Berufspolitiker vieles erlebt und vorzuweisen hat, interessieren sich die meisten Google-Nutzer scheinbar für die Größe des doch relativ kleinen Mannes.

Nicht alle kleinen Leute sind kurz

Ein Affront? Gysi lacht. "Natürlich nicht. Ich habe dem dann erstmal erklärt, dass es nicht um Größe, sondern um Länge geht", erinnert er sich an das Gespräch mit einem Journalisten, der es dann doch ganz genau wissen wollte. "Das ist ein beachtlicher Unterschied." Zudem seien zwar viele böse Leute klein, nicht aber kurz, so Gysi weiter. Als er dann auch noch zugibt, die Frage nach der eigenen Größe immer mit "1,64 ein halb" zu beantworten, weil er morgens nach dem Aufstehen nun einmal etwas größer sei, sind alle Fragen beantwortet.

Gysi sagt immer noch Plaste statt Plastik

Doch sind es nur die Fragen nach seiner Größe oder nicht noch viele mehr, die Gysi auf bekannt nonchalante Art und Weise beantwortet? Die nach dem Quell seiner Popularität beispielsweise? Nach dem „Phänomen Gysi“, einem Mann, der statt Plastik noch immer Plaste sagt, und dessen Auftritte auch Leute anziehen, die mit Politik und erst recht mit der Partei Gysis gar nichts zu tun haben? Möglich ist es.

Einen Beweis für seine Beliebtheit lieferte ein Blick in den Neubrandenburger Güterbahnhof an diesem nasskalten Donnerstagabend. Zur Lesung seines Buchs „Nachdenken über Deutschland“ hatten sich dort knapp 300 Menschen versammelt. Mehr wären gekommen, doch der Platz ist begrenzt. Sie alle wollten Gregor Gysi sehen, der laut eigener Auskunft zu Schulzeiten einfach nur "Gogi" gerufen wurde. "Wir sind Fans von ihm, waren aber nie parteigebunden oder so. Er ist halt ein toller Rhetoriker, seine Ansichten gefallen uns, außerdem hat er allen Anfeindungen immer mutig widerstanden", erklärte Sigrun Hetmainczyk. Gemeinsam mit ihrem Mann Jürgen hatte sie sich auf den Weg gemacht, "ihren Gregor" zu sehen.

Verständliche Sprache zeichnet ihn aus

Sympathisanten OK, aber "Fans"? Die wissen normalerweise nur Fußballvereine oder Musiker hinter sich, Politiker aber wohl kaum. Gregor Gysi ist eine Ausnahme. Das dürfte nicht zuletzt auch daran liegen, dass die Menschen ihn verstehen. Wo andere im Bundestag über die "Veräußerungserlösgewinnsteuern" sprechen, die Kapitalgesellschaften in voller Höhe zu bezahlen haben, macht es Gysi griffig. "Dann erkläre ich das Thema eben am Beispiel des Bäckers, so, dass es einer wie ich auch versteht", sagt Gysi nicht frei von Selbstironie. Die Folge: Es habe schon Debatten gegeben, in denen Abgeordnete anderer Fraktionen erst nach Gysis Redebeitrag gewusst hätten, worüber sie da überhaupt entscheiden. "Weil ich übersetze", sagt Gysi.

 

 

 

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