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Die Landeschefin der Grünen bringt Islamkritiker gegen sich auf

Weil sie Anhänger von MVgida rüde beschimpft hat, wird Grünen-Vorsitzende Claudia Müller hart attackiert. Sie steht zu ihrer Wortwahl.

Landesvorsitzende der Grünen Claudia Müller
Jens Büttner Landesvorsitzende der Grünen Claudia Müller

Die Luft war eigentlich schon raus, nun bekommt die gegen die „Islamisierung des Abendlandes“ gerichtete Gruppe MVgida unerwarteten Aufwind. Den Anlass dafür liefert mit der Grünen-Landeschefin Claudia Müller ausgerechnet eine erklärte Gegnerin der laut Experteneinschätzung von Rechtsextremen dominierten Gruppe. Sie hatte die gut 250 Teilnehmer der MVgida-Demonstration vom Montag in Stralsund über den Internet-Nachrichtendienst Twitter als „Spacken“ und „Idioten“ bezeichnet. Im Netz und damit auch in zahlreichen Kommentarspalten ließ die Reaktion nicht lange auf sich warten.

Am Dienstagvormittag veröffentlichten die Verantwortlichen von MVgida einen der Beiträge Müllers auf ihrer Facebook-Seite. Daraufhin machte der Vorfall rasch die Runde. „Claudia Müller, Landesvorsitzende der Grünen MV, lässt bei Twitter die Maske fallen“, war der Beitrag überschrieben. Er endete auf der Frage: „Wie seriös kann eine Partei sein, die solche Leute an ihrer Spitze duldet?“

Die Kommentatoren waren sich einig. „Die „Grünen“ sollten ihre Personalpolitik überdenken. Als Politiker ist das nicht mehr tragbar“, kommentierte einer der Nutzer und hob sich damit recht deutlich vom Inhalt vieler anderer Beiträge ab. Darin wurde Müller wahlweise als „dummen Schnalle“, „Lumpenpack“ oder „Schnepfe“ bezeichnet. Die Forderung „Hängt die Grünen, solange es noch Bäume gibt!“ blieb stehen, auch nachdem die Moderatoren von MVgida ihre Anhänger zur sachlichen Argumentation aufgerufen hatten. Insgesamt dürfte der Beitrag mehrere Zehntausend Facebook-Nutzer erreicht haben.

Die Politikerin hält an ihren Worten fest

Claudia Müller wiederum nahm im Gespräch mit dem Nordkurier zum Vorwurf der Beleidigung Stellung. Mit Verweis auf die Unterwanderung der Gruppe MVgida durch Rechtsextreme sagte sie: „Für Fremdenfeindlichkeit und Chauvinismus habe ich kein Verständnis. Gerade als Landesvorsitzende einer demokratischen Partei finde ich in einer solchen Situation klare Worte.“ Zwar räumte sie ein, „als Politikerin sollte man solche Worte eigentlich nicht nutzen“, verwies aber auf die „Emotionalität der Situation“. „In dem Moment bin ich ganz Mensch und habe dazu eine Meinung“, so Müller.

Laut Polizei war die Demonstration von MVgida am Montag friedlich verlaufen. Sitzblockaden seitens der Gegendemonstranten seien diesmal ausgeblieben. Augenzeugen berichteten aber davon, dass MVgida-Anhänger Pappplakate mit der Aufschrift „Nazis raus“ zerrissen hätten. Außerdem seien Gegendemonstranten und Journalisten bedroht worden.