Tabu im Dienstsport:

Die Polizei darf weder baggern noch schießen

Das Innenministerium hat den Ball aus dem Dienstsport gekickt. Zum Leidwesen der Polizeisportler. Sie hoffen auf Einsicht und Veränderung.

Ballsportarten sind für Polizisten tabu.
Marius Graf Ballsportarten sind für Polizisten tabu.

Rote Karte für Volleyball und Co. – das Innenministerium hat der Polizei Enthaltsamkeit verordnet und Ballsport im Dienst untersagt. Darum gärt Unmut in der Truppe, zuletzt machte sich dieser in der aktuellen Ausgabe der Gewerkschaftszeitschrift „Deutsche Polizei“ Luft. Dort heißt es in der Rubrik Mecklenburg-Vorpommern: „Unverständlich bleibt für die meisten Kollegen, dass die Festlegung über das Verbot der Ballsportarten nach wie vor Bestand hat.“ Und das bei einem Minister, dem der Fußball dem Vernehmen nach schon in die Wiege gelegt wurde. Nebst zwei älteren Brüdern.

Im Allgemeinen erntet Lorenz Caffier (CDU) denn auch Lob in Sachen Sport. „Minister Caffier hat das Thema zur Chefsache gemacht“, sagt Christian Schumacher, Landesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP). Speziell beim Ballsport indes, so vermuten Insider, wurde Sportfreund Caffier schlecht beraten. „Ich kenne kein anderes Bundesland mit einem generellen Ballsportverbot“, erklärt Detlev Haupt. Der Sportlehrer, Sportkoordinator und Fachwart für Leichtathletik, Waldlauf und Marathon hat 37 Jahre im Polizeidienst zugebracht. „Das mit dem Ballsport der Polizei von MV ist ein Riesenflop, wir haben ihn wohl nicht umsonst im Landeswappen, den Ossenkopp“, dichtete er bei seinem feierlichen Abschied aus dem Berufsleben in der Hoffnung, dass der Ball schon bald wieder rollen darf.

Vier Stunden Sport pro Monat stehen im Dienstplan

Der „Sport in der Landespolizei Mecklenburg-Vorpommern“ wird per Verwaltungsvorschrift von März 2013 geregelt. Demnach stehen vier Stunden Sport pro Monat im Dienstplan. Bis zum 57. Lebensjahr müssen Polizeikräfte alle drei Jahre das Deutsche Sportabzeichen ablegen. Neben Schwimmen stehen dabei Leichtathletik-Klassiker wie Sprint, Ausdauerlauf, Sprung- und Stoßdisziplinen auf dem Programm, wobei sich der Schwierigkeitsgrad nach Altersklassen richtet. Auch das Rettungsschwimmerzeugnis gilt als Beleg für Fitness. Wem das zu schwer ist, kann ein Sportaufbautraining absolvieren.

„Schwerpunkt des Dienstsports soll der Gesundheits- und Präventionssport sowie der einsatz- und polizeibezogene Sport sein“, heißt es aus dem Ministerium. „Die Gefahr von Verletzungen beim Dienstsport soll minimiert werden. Aus diesen Gründen wird im Dienst grundsätzlich auf Ballsportarten verzichtet.“

Im April wird neu darüber entschieden

Detlev Haupt wertet ein solches „Totschlag-Argument“ als eindeutigen Beleg, dass nur ein sportlicher Amateur die Vorschrift erarbeitet haben kann. „Die Kompetenz der Fachausschüsse wurde ignoriert“, sagt er. Auch beim einsatzbezogenen Training, früher schlicht Selbstverteidigung genannt, gehe es hart zur Sache. „Da droht ebenfalls Verletzungsgefahr.“ Ein umsichtiger Übungsleiter, der den Dienstsport betreut, könne klar unterscheiden, ob Sportler mit dem Ball umgehen können oder nicht. „Darum bin ich gegen ein pauschales Verbot.“

Im April soll das Thema wieder auf die Tagesordnung kommen. Dann liegt der Ball bei der „Lenkungsgruppe Gesundheitsmanagement Polizei“, die sich zu einer Sitzung trifft.

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