Verkehrsminister bleibt hart:

Die Südbahn wird stillgelegt

Klagen vor Gericht durch die Landkreise? Gegenwehr der Bürger? Kritik von Unternehmen? All das schert Minister Pegel nicht: Die Teilstrecke rechnet sich einfach nicht. Basta.

Ab dem 14. Dezember fahren zwischen Parchim und Malchow keine Züge mehr. Stattdessen soll es dann mit Bussen übers Land gehen.
Jens Büttner Ab dem 14. Dezember fahren zwischen Parchim und Malchow keine Züge mehr. Stattdessen soll es dann mit Bussen übers Land gehen.

Allen Protesten zum Trotz bleibt Verkehrsminister Christian Pegel (SPD) dabei: Die Teilstrecke der Südbahn zwischen Parchim und Malchow wird zum Fahrplanwechsel am 14. Dezember stillgelegt. Stattdessen sollen dann Busse fahren. Auch die durch die Kreise Mecklenburgische Seenplatte und Ludwigslust-Parchim eingereichten Klagen können Pegel nicht schrecken: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass das Erfolg hat. Wenn doch, müssen wir uns andere Linien ansehen“, drohte er jetzt vor der Presse mit Einstellungen andernorts.

Unbeeindruckt zeigte sich Pegel zudem vom jüngsten Protest von Unternehmen der Region in dieser Woche. Mehr als 30 Betriebe – vor allem Kliniken und Tourismusfirmen aus Plau, Lübz und Malchow – hatten die Landesregierung aufgefordert, die Bahnverbindung zu erhalten und auszubauen. „Ich muss immer schmunzeln, wenn jemand auf den letzten Drücker kommt. Wir warten jetzt mal ein Jahr ab, dann wird es bestimmt deutlich weniger Aufregung geben“, so Pegel. Der Ressortchef macht vor allem finanzielle Gründe für die Stilllegungspläne geltend. Das Passagieraufkommen sei einfach zu gering. Dass müssten gerade auch Unternehmer sehen. „Wenn es aber um die öffentliche Hand geht, heißt es immer ,Holla die Waldfee, raus mit der Kohle‘.“

Pegel: Die Bus-Variante ist ökologisch sinnvoller

Der Minister kündigte an, dass die Landkreise für den Busverkehr mit einer jährlichen Förderung von 650  000 bis 700  000 Euro rechnen könnten. Der Wunsch des Ministeriums an die Kreise sei nun, dass diese auch moderne Fahrzeuge einsetzen, die sowohl behindertengerecht ausgerüstet sind als auch per Anhänger Fahrräder transportieren können. In der Uecker-Randow-Region klappe das hervorragend. Die Busse sollen übrigens dann auch Plau am See ansteuern, das die Bahn nicht erreichte. Dort allerdings müssen die Passagiere umsteigen und etwa
20 Minuten warten.

Die Bus-Variante sei auch ökologisch sinnvoller, hielt Pegel entsprechender Kritik entgegen. Pro Kopf nämlich verbrauche die Bahn beim gegenwertigen Passagieraufkommen viel mehr Diesel. Und: Ein vom Ministerium mit 15  000 Euro bezahltes und von den Kreisen in Auftrag gegebenes Gutachten habe ergeben, dass es keine nennenswerten zusätzlichen Fahrgast-Potenziale gäbe, die sich erschließen lassen können.

Laut dem Minister kostet die Bus-Variante 2,10 Euro – die der Bahn 10 bis 12 Euro pro Kilometer. Hinzu komme, dass der Bund dem Land jährlich rund 242 Millionen Euro für den Regionalverkehr überweise. Die Kosten würden aber auch steigen. Das sei beispielsweise bei den Benutzungsentgelten für Schienen und Bahnhöfe, die MV berappen muss, der Fall. „Deshalb können wir uns diese Verbindung nicht mehr leisten. Das ist wie im Privathaushalt: Wenn ich bisher zwei Autos hatte, das eine aber nur am Wochenende für die Fahrt zum Bäcker nutze, kaufe ich mir im Zweifel lieber ein Fahrrad.“

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