Konsequenzen nach dem tödlichen Sandsturm:

Dieser Massenunfall kann immer wieder passieren

Vier Jahre nach der Massenkarambolage auf der A19 mit acht Toten wehen wieder dunkle Wolken über Straßen in MV. Viel wurde damals über Schutzmaßnahmen diskutiert. Die Umsetzung der Ideen lässt zu wünschen übrig.

Bei einem Sandsturm auf der A19 rasten südlich von Rostock mehr als 80 Autos ineinander. Acht Menschen starben, mehr als 100 wurden verletzt.
Bernd Wüstneck Bei einem Sandsturm auf der A19 rasten südlich von Rostock mehr als 80 Autos ineinander. Acht Menschen starben, mehr als 100 wurden verletzt.

Wieder war da ganz unerwartet eine Wand aus Staub. Kein Durchblick für Autofahrer. Zum Glück ging das in den vergangenen Wochen glimpflich aus. Anders am 8. April 2011 auf der A19 bei Kavelstorf in der Nähe von Rostock. Acht Menschen starben bei der Massenkarambolage mit über 80 Fahrzeugen. 130 Menschen wurden verletzt. Der Auslöser: ein Sandsturm.

Doch Sand, wie man ihn vom Strand kennt, war gar nicht im Spiel. Es war Erde, die der Wind von einem angrenzenden Acker verweht hat. So viel und so dicht, dass die Sicht auf der Autobahn weniger als zehn Meter betragen haben soll. Deswegen spricht Burkhard Roloff von der Umweltschutzorganisation BUND von einem „Humussturm“. Dazu kommt es im Frühjahr immer wieder. Mal stark, mal nur schwach ausgeprägt. Ein Problem, das bereits lange bekannt ist. Wissenschaftler gehen wegen des Klimawandels und längeren Trockenperioden davon aus, dass es in MV zukünftig häufiger auftreten kann.

Wie reagiert man richtig?

Auf Straßen führt das zu lebensbedrohlichen Situationen. „Wir haben deswegen ein massives Verkehrssicherheitsproblem“, sagt Christian Hieff vom ADAC Hansa. Selbst Verkehrsexperten seien sich nicht sicher, wie Autofahrer am besten reagieren sollen, wenn sie in einen Sandsturm geraten. Der ADAC-Sprecher rät zum Bremsen, Nebelschlussleuchte und Warnblinker anschalten, sowie wenn möglich rechts ranfahren. Das garantiere aber keine Sicherheit vor einem Unfall. „Wenn wir nicht wollen, dass sich solche Katastrophen wiederholen, müssen wir jetzt handeln!“

Doch das geschieht aus Sicht des Automobilclubs, Umweltschutzverbänden und Opposition im Landtag nur unzureichend. „Jahr für Jahr werden nun die Warnschilder ausgepackt“, sagt Ursula Karlowski, agrarpolitische Sprecherin der bündnisgrünen Landtagsfraktion. Die Landesregierung müsse endlich handeln und die Neuanlage von Feldhecken sowie eine ganzjährige Bodenbedeckung fördern.

Beim Schutz hat sich wenig getan

Denn die Ursachen für die „Humusstürme“ seien die Landschaften mit nur wenigen Feldhecken, die Bearbeitung der Böden zur falschen Zeit und ihr Zustand, erläutert Burkhard Roloff. Als weiteren Grund sieht er, dass den meisten Betrieben die Ackerflächen nicht gehören, sie gepachtet sind. Ohne Zustimmung der Eigentümer können die Landwirte keine Hecken pflanzen. „Außerdem ist das Selbstverständnis vieler Landwirte, dass sie möglichst viel ernten wollen; Feldhecken nehmen aber Ackerfläche weg und reduzieren so die Ernte“, sagt Umweltschützer Roloff. Dabei sei der Schutz des Ackerbodens – der Produktionsgrundlage der Landwirte – allein aus Eigeninteresse selbstverständlich.

Hat sich in den vergangenen vier Jahren beim Schutz vor Sandstürmen wirklich nur sehr wenig getan? Die Anzahl der Hecken hat sich erhöht, teilt Constantin Marquardt vom Schweriner Landwirtschaftsministerium mit. „Eine konkrete Angabe ist jedoch aufgrund fehlender statistischer Erhebungen nicht möglich“, sagt Marquardt. Es gebe Programme, in denen Bodenschutzmaßnahmen gefördert werden, diese wurden aber kaum in Anspruch genommen. In der neuen Förderperiode sollen Schutzmaßnahmen dennoch einen größeren Stellenwert einnehmen.

Verhindern kann man die Stürme nicht

Alleine mit Hecken können Sandstürme nicht völlig verhindert werden, ist sich Frank Schiffner vom Bauernverband MV sicher. „Wir brauchen ein Bündel von Maßnahmen wie der pfluglosen Bearbeitung von Feldern und Mulchsaaten“, sagt Schiffner. Dadurch könne der Wind deutlich weniger Erde verwehen. Ganz zu verhindern sei es aber nie; das Phänomen der Sandstürme gebe es seit Jahrzehnten.

Doch seitdem hat laut ADAC-Sprecher Christian Hieff der Verkehr stark zugenommen, es gibt mehr Autobahnen und die Autos fahren schneller. Das mache die Situation ohne Gegenmaßnahmen so gefährlich.

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