Doppelt abkassiert:

Osten zahlt höchste Strompreise

Weil in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg besonders viele Windräder stehen, müssen die Stromnetze stark erweitert werden. Auf den Kosten für den Ausbau bleiben die Verbraucher in der Region sitzen.

Monteure im Einsatz: Weil immer mehr Windräder und Solaranlagen ans Netz gehen, müssen die Stromleitungen modernisiert oder erweitert werden.
Jens Büttner Monteure im Einsatz: Weil immer mehr Windräder und Solaranlagen ans Netz gehen, müssen die Stromleitungen modernisiert oder erweitert werden.

Bei der Kaufkraft ganz weit unten, bei den Strompreisen ganz oben: Die privaten Haushalte in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern sowie den anderen neuen Bundesländern zahlen in diesem Jahr bundesweit die höchsten Stromrechnungen. Laut einer Untersuchung des Internet-Vergleichsportals verivox wird ein Drei-Personen-Haushalt in Brandenburg mit durchschnittlich 1187 Euro pro Jahr belastet, die Mecklenburger und Vorpommern sind bei einem Verbrauch von 4000 Kilowattstunden mit 1161 Euro im Jahr dabei. Der Bundesdurchschnitt liegt bei 1133 Euro.

2,2 Milliarden in 15 Jahren investiert

Als wesentlicher Grund für das Preisgefälle von Ost nach West gelten die unterschiedlichen Kosten für die Nutzung der Stromleitungen, die mit knapp einem Viertel des Gesamtpreises zu Buche schlagen. "Vor allem der rasante Ausbau von Windrädern und Solaranlagen hat dazu geführt, dass wir in den Aus- und Umbau der Netze in den vergangenen 15 Jahren 2,2 Milliarden Euro investieren mussten", erklärt Michael Elsholz, Sprecher des Netzbetreibers Edis. Das Unternehmen verfügt im östlichen Mecklenburg-Vorpommern sowie in Brandenburg über das größte Stromnetz. Durch die Netzerweiterung könne überschüssiger Strom in den Süden Deutschlands transportiert werden.

Verbraucher im Nordosten werden doppelt abkassiert: Sie zahlen wie alle Abnehmer in Deutschland die einheitliche Ökostrom-Anlage, die an die Besitzer von Windrädern, Solar- und Biogasanlagen ausgeschüttet wird. Gleichzeitig werden sie allein für die Investitionen in die Netze in ihrem Versorgungsgebiet zu Kasse gebeten. Bisherige Versuche in Schwerin und Potsdam, auch die Kosten für den Ausbau der Stromnetze bundesweit umzulegen, sind bisher am Widerstand der süddeutschen Länder gescheitert.

Netzausbau allein gestemmt

Allerdings zeichnet sich in Mecklenburg-Vorpommern ein Umdenken ab. Auslöser ist laut Energierministerium ein Gutachten der Deutschen Energie-Agentur Dena: Würden die Zusatzkosten für den Netzausbau bundesweit umgelegt, könnten die Nordlichter erneut ins Hintertreffen geraten. Den erledigten Ausbau im eigenen Land hätten sie allein gestemmt, für den Ausbau West "dürften" sie anteilig blechen.

Wegen der regionalen Unterschiede bei den Netzkosten gebe es keinen deutschlandweit einheitlichen Tarif der Stromversorger, erläutert Energieexperte Horst Frank von der Verbraucherzentrale in Neubrandenburg. Deswegen kalkulieren seinen Angaben zufolge auch Billigstromanbieter ihre Angebote nach Postleitzahlbereichen. "Um den hohen Netzkosten zu entgehen, hilft nur Energie sparen", stellt er fest.

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