Mehr als 10.000 Schüler getestet:

Drittklässler in MV haben Probleme mit der Rechtschreibung

Bei der Vergleichsarbeit "Vera" erreichte im vergangenen Schuljahr mehr als ein Drittel der Drittklässler im Land nicht einmal den Mindeststandard in der Rechtschreibung. Muss das Grund zur Sorge sein?

In Sachen Rechtschreibung muss sich in MV noch einiges tun.
Daniel Reinhardt In Sachen Rechtschreibung muss sich in MV noch einiges tun.

Viele Drittklässler in Mecklenburg-Vorpommern haben Probleme mit der deutschen Rechtschreibung. Das hat die Vergleichsarbeit "Vera 3" im vergangenen Schuljahr ergeben, an der mehr als 10.000 Schüler der dritten Klassen im Land teilnahmen. Mehr als ein Drittel von ihnen (37,4 Prozent) erreichte nicht einmal den von der Kultusministerkonferenz (KMK) festgelegten Mindeststandard. Die Kompetenzen von weiteren 25,9 Prozent entsprachen zwar dem Mindest-, aber nicht dem Regelstandard. Das geht aus der Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linken im Landtag hervor.

In dieser Antwort hebt das Bildungsministerium allerdings hervor, dass "Vera 3" zwar in der dritten Klasse geschrieben wird, dabei jedoch die Lernziele der vierten Klasse abgefragt werden. "Vera ist somit kein Instrument, mit dem das Erreichen der Lernziele überprüft werden kann", so das Ministerium. Es gebe vielmehr den Lehrern Hinweise, in welchen Bereichen noch eine besondere Förderung erforderlich ist, damit die Schüler die Lernziele im nächsten Jahr erreichen können.

Kein Grund zur Sorge?

Die Bildungsexpertin der Linken im Landtag, Simone Oldenburg, sieht dennoch Anlass zur Sorge. Mehr als der Hälfte der Drittklässler fehlten grundlegende orthografische Kenntnisse, sagte sie. Ein Drittel könne nicht flüssig lesen und sei nicht in der Lage, einen einfachen Text in seiner Gesamtheit zu erfassen. "Sie können lediglich einzelne Wörter richtig verstehen, es gelingt ihnen aber nicht, einem Text mehrere Informationen zu entnehmen." Oldenburg forderte eine zusätzliche Stunde Deutschunterricht pro Woche in der gesamten Grundschulzeit.

Dass die Grundschüler bis zum Ende der vierten Klasse ihre Wissenslücken schließen, sei häufig nicht der Fall, so Oldenburg weiter. "Die gleichen Lücken zeigen sich im gleichen Ausmaß in Klasse acht." Auch dort wurde ein landesweiter Vergleichstest geschrieben. Dabei wurden die Lernziele der neunten Klasse abgefragt.

Das Bildungsministerium räumte ein, dass die Orthografie-Ergebnisse bei "Vera 3" auffällig seien. "Eine Umfrage unter anderen Ländern bestätigte jedoch, dass Mecklenburg-Vorpommern hier keinesfalls eine Sonderposition aufweist", hieß es. Dies erkläre sich vor allem dadurch, dass der Entwicklungssprung in der Rechtschreibung zwischen Klasse drei und vier gewöhnlich besonders groß sei. Die Landesregierung werde den Befund dennoch zum Anlass für weitere Prüfungen nehmen.