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Droh-SMS nicht beachtet

Hätten die Behörden die NSU-Mörder schneller finden können, wenn sie einer Anregung aus MV gefolgt wären? Der Verfassungsschutz setzte allerdings auf die falsche Spur.

Eine Gedenkstein für das Neonazi-Mordopfer Mehmet Turgut in Rostock.
Bernd Wüstneck Eine Gedenkstein für das Neonazi-Mordopfer Mehmet Turgut in Rostock.

In der Mordserie der rechtsextremistischen Terrorzelle „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) haben Polizeibeamte aus Mecklenburg-Vorpommern Weitsicht bewiesen und offenbar als erste eine zentral beim Bundeskriminalamt (BKA) angesiedelte Ermittlung gefordert. Das geht aus dem Abschlussbericht des NSU-Bundestagsuntersuchungsausschusses hervor. Dort heißt es auf Seite 505 unter Berufung auf die Anhörung eines BKA-Beamten vor dem Gremium: „Nach dem fünften Mord habe es eine weitere Besprechung im Jahre 2004 gegeben, an der das BKA teilgenommen habe, immer noch in seiner Auswertetätigkeit. In dieser Besprechung sei das erste Signal aus Mecklenburg-Vorpommern, dem Tatortland des fünften Mordes, gekommen, dass man daran denke, das BKA mit Ermittlungen zu beauftragen oder zu ersuchen.“ Doch die Beamten aus dem Nordosten stießen mit ihrer Anregung auf wenig Gegenliebe.

Drogengeschäfte als Tatmotiv angenommen

Der Abschlussbericht des Untersuchungsausschusses bestätigt allerdings auch, dass die Ermittler in MV nach dem Mord an Mehmet Turgut in Rostock einer falschen Spur gefolgt sind – und das auf Anraten des Landes-Verfassungsschutzes (LfV). „Im Rahmen einer Besprechung zwischen der in dem Mordfall ermittelnden Polizei und dem LfV Mecklenburg-Vorpommern im Jahr 2004 habe das LfV Informationen übermittelt, dass Rauschgiftschulden und Rauschgiftgeschäfte ursächlich für die Ermordung sein sollten. Anfragen an das LfV über einen möglichen rechtsextremen Hintergrund des Mordes habe der Zeuge D. nicht gestellt. Er sei davon ausgegangen, dass das LfV weitere Informationen mitgeteilt hätte, wenn sie dort vorhanden gewesen wären.“

Beim Zeugen D. handelt es sich um den Leiter der Soko Kormoran, die den Mord an Mehmet Turgut untersuchen sollte. D. sagte dem Untersuchungsausschuss aber auch, dass bei den Ermittlungen die Hypothese eines ausländerfeindlichen Hintergrundes den gleichen Stellenwert wie die der organisierten Kriminalität gehabt habe.

„Ich habe einen Türken getötet ...“

Doch der Untersuchungsausschuss schreibt, dass nicht festgestellt werden konnte, dass zwei Hinweise des Bruders von Mehmet Turgut auf einen rassistischen Hintergrund der Tat bearbeitet wurden. Yunus Turgut hatte in seiner Vernehmung am 30. Juni 2004 den Ermittlern zum einen davon berichtet, dass ein Mitglied der Familie A., bei denen Mehmet Turgut gearbeitet hatte, während der Trauerfeier für seinen ermordeten Bruder eine SMS mit dem deutschen Text: „Ich habe einen Türken getötet und du bist dran!“, erhalten hatte. Weiterhin berichtete Yunus Turgut, dass ihm der erste Anrufer gesagt habe, sein Bruder sei von „Rechtsradikalen“ verprügelt worden und liege im Krankenhaus.