Nur etwa 1700 Anträge im ganzen Land :

Ein Jahr Betreuungsgeld - in MV kaum gefragt

Ernüchternde Bilanz ein Jahr nach der Einführung: Nur etwa zehn Prozent der Eltern in Mecklenburg-Vorpommern entscheiden sich fürs Betreuungsgeld. Die Landesregierung in Schwerin sähe die Bundesmittel besser für den Kita-Ausbau verwendet.

Wäsche auf der Leine und der Nachwuchs ist in der Kita: In MV beantragen nur wenige Eltern bislang das Betreuungsgeld.Story Fotograf
Jan Woitas/dpa Wäsche auf der Leine und der Nachwuchs ist in der Kita: In MV beantragen nur wenige Eltern bislang das Betreuungsgeld.Story Fotograf

Das staatliche Betreuungsgeld wird von Eltern in Mecklenburg-Vorpommern eher zögerlich in Anspruch genommen. Nach Angaben des Sozialministeriums in Schwerin wurden seit Inkrafttreten des Gesetzes im August 2013 bis Ende Juni dieses Jahres landesweit 1711 Anträge gestellt. Davon wurden 1377 bewilligt. Bei durchschnittlich 13 000 Geburten im Jahr nutzen somit etwa zehn Prozent der grundsätzlich Berechtigten die staatliche Unterstützungsleistung für Eltern, die ihre Kinder zwischen ein und drei Jahren ausschließlich zu Hause betreuen.

Sozialministerin Birgit Hesse (SPD) zeigte sich nicht überrascht von der Entwicklung im Land. "Ich war immer der Meinung, dass die Mittel, die für das Betreuungsgeld ausgegeben werden, in der Verbesserung der Kita- und Krippenlandschaft besser aufgehoben wären. Die geringe Zahl der Anträge auf Betreuungsgeld in Mecklenburg-Vorpommern belegen das", sagte sie.

Traditionell vertrauen Eltern in Ostdeutschland ihre Kinder schon relativ frühzeitig Kitas oder Tagesmüttern an. Mit einer Betreuungsquote für unter Dreijährige von rund 55 Prozent liegt Mecklenburg-Vorpommern bundesweit mit an der Spitze. Nach jüngsten Angaben des Statistischen Bundesamtes besuchten im Nordosten zum 1. März 21 563 Kleinkinder eine staatlich geförderte Betreuungseinrichtung. Im Bundesdurchschnitt liegt die Betreuungsquote für unter Dreijährige bei 32,5 Prozent. Der Bedarf ist jedoch deutlich höher und kann vor allem in den westdeutschen Bundesländern bislang nicht gedeckt werden.

Das Betreuungsgeld war auf Betreiben der CSU nach langem politischen Streit zum 1. August 2013 eingeführt worden. Den Zuschuss von derzeit 100 Euro monatlich können Eltern für ihre ab August 2012 geborenen Kinder erhalten, wenn diese nicht in einer staatlich geförderten Kindertagesstätte oder von einer Tagesmutter betreut werden. Von August dieses Jahres an beträgt die Zuwendung 150 Euro. Sie wird als Folgeleistung des Elterngeldes maximal 22 Monate lang gezahlt.

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