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Ein Unternehmen mit vielen Gesichtern

Kaum an die Öffentlichkeit gebracht, scheiden sich an der "Einkaufsgemeinschaft" Lyoness die Geister. Fest steht: Das Unternehmen ist nicht neu in der Region.

Was steckt wirklich hinter Lyoness?
Archiv Was steckt wirklich hinter Lyoness?

"Schleichende Pest" sagen die Kritiker, "ein Rabattsystem, von dem alle profitieren" die Unterstützer. Zugegeben, viel unterschiedlicher könnten die Antworten auf die Frage, was sich denn wirklich hinter der sogenannten Einkaufsgemeinschaft Lyoness verbirgt, wohl nicht sein. Am vergangenen Montag hatte der Nordkurier über die Präsenz des in der Schweiz ansässigen Unternehmens in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg berichtet, seitdem streiten sich die Gemüter über die Seriösität des Unternehmens.

Woran das liegt? Lyoness hat seit der Firmengründung im Jahr 2003 einigen Staub aufgewirbelt. So hat das Rabatt-Unternehmen nicht nur über drei Millionen Mitglieder in ganz Europa und der Welt geworben, sondern auch zahlreiche Klagen ehemaliger Mitglieder und auch das ein oder andere Urteil gegen sich kassiert. Stets drehte es sich dabei um die Frage, ob das Unternehmen ein schneeballähnliches Geschäftsmodell betreibt und inwiefern es seine Mitglieder um ihr Geld beziehungsweise in Aussicht gestellte Gewinne bringt. Davon ausgenommen ist das sogenannte Cashback-System der "Einkaufsgemeinschaft", welches tatsächlich Händlern und Kunden miteinander verbindet und den einen Rabatte, den anderen größere Kundenströme bringt.

Einige sind sehr begeistert

Diskutiert wird jedoch, was sich dahinter, auf der zweiten Lyoness-Ebene abspielt. Dort nämlich werden Mitglieder gewonnen, die "Anzahlungen auf zukünftige Einkäufe" leisten und davon profitieren können, wenn sie andere davon überzeugen es ihnen gleich zu tun. Einer dieser Businesskunden ist André Brecht, Lyoness-Mitglied seit mehreren Jahren. 2000 Euro habe er eingezahlt, "die habe ich aber schon lange wieder drin." Vom Einkaufen mit Lyoness ist er begeistert. "Die Überweisung der Rabattbeträge erfolgt postwendend, außerdem habe ich nie so eine korrekte Abrechnung gesehen", so André Brecht. Zur Businesspartnerschaft, die sich besonders für den lohnt, der wiederum viele Businesspartner wirbt, sagt Brecht nur so viel: "Ich habe zahlreiche Unternehmer geworben, das war ein richtiger Selbstläufer." Gegenüber Kritikern verweist er auf die TÜV- und ISO-Zertifizierung, die Lyoness in den Jahren 2008 und 2009 erworben hat.

"Das ist eine Pest, die schleichend Leichen hinterlässt"

Die kennt auch Anselm Bonies, Betreiber eines Onlineversenders mit angeschlossenem Friseursalon in Greifswald. Dennoch zählt er zu den Kritikern des Unternehmens, mit dem er erstmals im Februar dieses Jahres konfrontiert wurde. "Irgendwann stand da einer in der Tür, wollte uns werben", so der Unternehmer. Daraufhin habe er begonnen zu recherchieren, hat sich "richtig reingehangen". Ergebnis: "Das ist eine Pest, die schleichend Leichen hinterlässt." Zahlreiche Unternehmer in Greifswald hätten sich bereits auf Lyoness eingelassen und kämen nun "aus dem Sumpf nicht mehr heraus. Die sind regelrecht handlungsunfähig, weil sie ihr Geld bei Lyoness abgeparkt haben", erklärt Bonies. Nachdem er eine "Unterwanderung" des eigenen Personals durch Lyoness hatte feststellen müssen, ist die Mitgliedschaft in seinem Unternehmen sofortiger Kündigungsgrund.

Während ein einheitliches Bild über das Unternehmen also nur schwer zu zeichnen ist, kommt aus der Konzernzentrale selbst weiter nur beredtes Schweigen. Eine Anfrage unserer Zeitung blieb weiter unbeantwortet.     

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