Rauchen ohne Tabak:

Ein unterschätzter Modetrend

Schokozigaretten waren gestern. Heute sind elektronische Wasserpfeifen und Glimmstengel der Hit unter Jugendlichen. Experten sehen das kritisch.

Ein modischer Stift und Flüssigkeiten mit Geschmack: Janine Eggert verkauft immer häufiger E-Zigaretten und E-Shishas, die besonders bei Jugendlichen beliebt sind.
Ein modischer Stift und Flüssigkeiten mit Geschmack: Janine Eggert verkauft immer häufiger E-Zigaretten und E-Shishas, die besonders bei Jugendlichen beliebt sind.

Sie sind bunt, sehen aus wie ein Füllfederhalter und schmecken nach Mango oder Schokolade. Elektronische Zigaretten und Shishas werden immer beliebter. „Der Ansturm darauf ist größer geworden“, sagt Janine Eggert. Sie arbeitet in einem Tabakladen in der Neubrandenburger Oststadt. Dort fragen Kunden häufig nach nikotinfreien E-Zigaretten und Flüssigkeiten zum Nachfüllen, weil sie weniger oder ganz mit dem Rauchen aufhören wollen, sagt die Verkäuferin. Vor allem Jugendliche ab 16 Jahren kaufen sich bunte E-Zigarretten und E-Shishas.

Diese Erfahrung macht Enrico Teele beinahe täglich in seinem Headshop in Neubrandenburg, ein Geschäft für Rauchzubehör, Tabak und Wasserpfeifen. Viele junge Leute greifen zur E-Zigarette oder Shisha, damit die Eltern nicht am Tabakgeruch merken, dass sie rauchen, sagt Teele. Seiner Meinung nach sollten Jugendliche das richtige Alter haben. Deshalb hält es Teele für richtig, dass die Bundesregierung E-Zigaretten und E-Shishas für Minderjährige verbieten will. „Auch wenn ich als Verkäufer da im Zwiespalt bin, ist es gut, dass über die E-Zigarette debattiert wird“, sagt er.

"Das wird sich nicht durchsetzen"

Teele hält die elektronischen Wasserpfeifen allerdings nur für einen vorübergehenden Modetrend. „Das wird sich nicht durchsetzen.“ Schließlich könne die E-Shisha nicht das Ritual ersetzen, eine Wasserpfeife aufzubauen und sie ihn Ruhe im Kreis seiner Freunde zu genießen. Selbst zu einer E-Shisha oder E-Zigarette würde er daher nicht greifen. Zumal es aus seiner Sicht auch nicht klar ist, wie schädlich diese Produkte sein können. „Es gibt bisher keine Langzeitstudien.“

Das sieht Horst Gierke ähnlich. Der Leiter der Suchtberatungsstellen in Templin und Angermünde lehnt E-Zigaretten und E-Shishas ab – aber nicht nur weil sie mit ihren giftigen Inhaltsstoffen die Lungen schädigen könnten. Er hält die elektronischen Glimmstengel für bedenklich, weil sie Jugendliche unterschwellig an die Droge Nikotin heranführe. Laut Gierke ist die flüssige Zigarette auch kein unterstützendes Mittel für Raucher, die ihre Sucht loswerden wollen.

Eine E-Zigarette wirke wie alkoholfreies Bier bei einem Alkoholkranken, sagt der Suchtberater. Sie simuliere das Glimmen, indem sie aufleuchtet. An ihr wird wie an einer normalen Zigarette gezogen. „Daher bleibt das Ritual des Rauchens und die Art der ‚oralen Befriedigung‘ bestehen“, sagt Gierke.

Der Suchtberater unterstützt den Plan der Bundesregierung, E-Zigaretten für Jugendliche unter 18 Jahren zu verbieten. Wichtig für ihn sei die Frage, ab wann diese Produkte als Tabakwaren einzustufen sind.