Ozeaneum :

Eine Reise in die unbekannte Welt der Tiefsee

Fast zwei Jahre lang haben Experten in der Quarantäneabteilung des Ozeaneums seltene Kaltwasserkorallen aus dem norwegischen Atlantik an die Aquarienhaltung gewöhnt. Im Frühsommer werden die bizarren Schönheiten präsentiert.

Diesen Rundnasen-Grenadierfisch bereitet Präparator Martin Jost für eine Tiefsee-Ausstellung vor.
Stefan Sauer Diesen Rundnasen-Grenadierfisch bereitet Präparator Martin Jost für eine Tiefsee-Ausstellung vor.

Mit einer aquaristischen Rarität will das Ozeaneum in diesem Jahr Stammgäste und neue Besucher in seine Unterwasserwelten locken. Zum Saisonstart im Frühsommer werden drei einzigartige Spezialbecken mit weltweit bedrohten Kaltwasserkorallen eingeweiht, wie Museumsdirektor Harald Benke mitteilte. Den natürlichen Bedingungen entsprechend würden die jeweils etwa 500 Liter fassenden Aquarien auf Wassertemperaturen von maximal sechs Grad heruntergekühlt und entsprechend abgedunkelt.

Beleuchtet nur von einem schwachen bläulichen LED-Licht werde sich den Besuchern somit ein Blick in die noch weitgehend unbekannte Unterwasserwelt der Tiefseekorallen erschließen. „Derartige Präsentationen gebe es mit Abstrichen bislang nur im Multimar-Wattforum Tönning sowie in Norwegen und den USA“, sagte Benke.

Stein- und Hornkorallen wiegen 30 Kilo

Für den neuen Ausstellungsabschnitt in der Nordsee-Abteilung hatten Museumstaucher und Wissenschaftler der Organisation Global Underwater Explorers im Juli 2013 mit Genehmigung norwegischer Behörden vor der skandinavischen Atlantikküste aus etwa 45 bis 85 Metern Tiefe etwa 20 filigrane Korallenblöcke geborgen.

Die insgesamt rund 30 Kilogramm schweren Stein- und Hornkorallen waren anschließend mit einem Spezialtransporter nach Stralsund gebracht und dort in einem eigens angedunkelten Raum an die künstliche Halterung gewöhnt worden. Nach Angaben von Aquarianer Alexander von den Driesch musste jedes einzelne Nesseltier per Hand mit einer Pipette gefüttert werden.

"Kein Plastik Meer"

Die spektakuläre Präsentation reiht sich ein in das diesjährige Museumsmotto „Expedition Tiefsee“. Nach dem Jahresthema „Kein Plastik Meer“ wolle man sich 2015 den am wenigsten erforschten Orten der Erde, der dunklen Tiefsee, widmen, kündigte Benke an. Geplant ist unter anderem eine Sonderausstellung über die Nordsee-Expedition 2013.

Darüber hinaus soll in einem gesonderten Raum eine Art Tiefseetunnel mit Ausstellungsvitrinen entstehen, die sich mit Aufnahmen, Computeranimationen und Präparaten den bizarren, nur wenig bekannten Tieren der Tiefsee widmen. „Wir werden zum Beispiel zeigen, dass die zum Grund gesunkenen Kadaver von Walen bis zu 60 Jahre lang Nahrungsquelle für Tiefseetiere sind“, sagte Benke. Auch der ökologisch umstrittenen Tiefsee-Fischerei und dem zunehmenden Tiefsee-Bergbau
wolle man Raum zur Diskussion geben.

Neu ist auch die Einführung eines modernen Audioguide-Systems für Besucher des Meeresmuseums und des Ozeaneums. Damit können sich künftig Erwachsene, Kinder und Sehbehinderte an der Museumskasse entsprechende Geräte ausleihen, die in deutscher, englischer und polnischer Sprache durch die Ausstellungen führen. Das System, das von der Euroregion Pomerania mit 960  000 Euro für Museen in Stralsund, Stettin und Wolin gefördert wurde, gestattet auch das Herunterladen der Anwendung auf private Smartphones.