Umstrittene Aktion an Schule:

Eltern sauer über Werbung für Kinderzeitung

Den Bestellschein gab's gleich mit nach Hause: An einer regionalen Schule wird vor der Klasse für eine Zeitschrift geworben. Eine Mutter findet die Aktion "einfach frech".

Mit einem Flyer wirbt der "Tierfreund" bei Schülern um Abos.
Udo Roll Mit einem Flyer wirbt der "Tierfreund" bei Schülern um Abos.

„Noch mehr Reportagen! Noch mehr Schulthemen! Noch mehr tierischer Spaß!“ – Für sein Magazin der Tierfreund wirbt der Sailer-Verlag mit knackigen Sprüchen und schmückt sich mit dem Siegel „Empfohlen von der Stiftung Lesen.“ Das Heft für Kinder ab der dritten Klasse gibt es am Kiosk nicht zu kaufen. Es muss bestellt werden. Um Abonnenten zu gewinnen, ist der Verlag offenbar auch an Schulen aktiv. Doch die Verkaufsstrategie vor jungem Publikum kommt bei Eltern eher weniger gut an.

Wie eine Mutter aus Neubrandenburg berichtet, wurde das Heft in der Regionalschule Nord während der Englischstunde vorgestellt. Etwa eine Viertelstunde lang habe eine Frau vor der sechsten Klasse das Magazin beworben. Ihre Tochter sei mit der Bestellkarte zum Ankreuzen nach Hause gekommen – 12 Hefte zum Jahrespreis von 40,80 Euro. „Das finde ich einfach frech. Das gehört nicht in den Unterricht“, sagt die Mutter, die ihren Namen mit Rücksicht auf ihre Tochter nicht nennen möchte. „Warum werden solche Leute in die Schule vorgelassen, um die Kinder zu belatschern“, ärgert sie sich. Die Schule sei doch kein Basar.

Auch die Bundeswehr wirbt immer wieder

Generell verboten ist Werbung an öffentlichen Schulen nicht, wie ein Blick in eine Verwaltungsvorschrift des Bildungsministerium zeigt. „Werbung an Schulen ist nur zulässig, soweit sie den allgemeinen Bildungs- und Erziehungszielen nicht entgegensteht“, heißt es darin. Durch die Werbung darf keine Beeinträchtigung des Unterrichts und des Schulbetriebes erfolgen.

Eine dehnbare Formulierung. Und so nutzen auch andere Verlage die Möglichkeit, um ihre Produkte direkt dem jungen Zielpublikum vorzustellen. Gern gesehene Gäste an den Schulen in MV sind auch die Jugendoffiziere der Bundeswehr, die für Vorträge Seminare und Ausflüge gebucht werden. Eigentlich dürfen sie nicht für eine Tätigkeit bei der Truppe werben. Aber wo genau ist die Grenze zu ziehen? Die Auftritte der Soldaten haben bereits mehrmals für Wirbel und Kritik gesorgt.

Schulleitung schweigt

Warum nun das Wissensmagazin Tierfreund den Schülern in der Regionalschule Nord vorgestellt wurde, bleibt vorerst offen. Trotz mehrmaliger Nachfrage des Nordkurier äußerte sich die Schulleitung nicht zu der Aktion. Auch nicht dazu, ob auch andere Produkte in den Klassenzimmer beworben werden.

Eine klare Meinung über solche Reklame bei Schulkindern hat dagegen die bildungspolitische Sprecherin der Linksfraktion, Simone Oldenburg: „Werbung gehört nicht in die Schule.“ Alles, was für Schüler im Unterricht erforderlich sei, habe ihnen kostenlos zur Verfügung zu stehen. Gebe es darüber Angebote, die sich als sinnvoll erweisen, könne man dies auf der Elternversammlung besprechen.

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Kommentare (2)

Auch bei uns in Anklam in der Grundschule Villa Kunterbunt werden immer wieder solche Sachen angeboten worden. Ich finde es frech.

Ich glaube fest das die Schulen einen Vertrag mit dem Verlag hat. Bei unserer Tochter wurde das Magazin auf dem Elternabend vorgestellt. In dem Heft wird ja auch mit dem Reklamespruch " Von Schulen empfohlen " geworben. Für mich ist diese aggressive Werbung abstoßend und widerlich.