Elternrat fühlt sich ungenügend einbezogen:

Vollverpflegung in Kitas sorgt für Ärger und Diskussionen

Der Teufel steckt im Detail. Das trifft auch auf die Vollverpflegung in den Kitas zu, die ab 1. Januar per Gesetz in Kraft tritt. Eine Mutter aus Teterow hat noch Fragen, genauso wie ein Eltern-Vertreter von der Seenplatte.

Ab 1. Januar kommenden Jahres müssen alle Kitas in Mecklenburg-Vorpommern den Kindern auch Frühstück anbieten. Das bringt natürlich höhere Kosten für die Eltern mit sich. Foto: Jens Büttner
Foto: Jens Büttner Ab 1. Januar kommenden Jahres müssen alle Kitas in Mecklenburg-Vorpommern den Kindern auch Frühstück anbieten. Das bringt natürlich höhere Kosten für die Eltern mit sich.

Verwirrung um die Abrechnung der Verpflegung in der Kita „Nordlichter“ in Teterow. Bis Ende der vergangenen Woche hatte eine Mutter, deren Sohn einen Halbtagsplatz in der Einrichtung belegt, noch keinen schriftlichen Bescheid über die Kosten der Versorgung. Hintergrund des Anrufs der Mutter beim Nordkurier: Ab 1. Januar 2015 müssen alle Kitas in Mecklenburg-Vorpommern eine Vollversorgung anbieten – also neben Mittagessen auch Frühstück und Vesper. Kritiker hatten jüngst in bemängelt, dass die Landkreise und das Land viel zu spät die konkrete Umsetzung in den Kitas angegangen seien.

Der Teterower Frau, die ihren Namen mit Rücksicht auf ihren Sohn nicht lesen möchte, hat unterschiedliche Informationen zur Abrechnung des Essens erhalten: Ihr sei mündlich versichert worden, dass nur das Essen abgerechnet wird, das ihr Sohn isst. Einer anderen Mutter wiederum sei erklärt worden, dass pauschal abgerechnet wird. Damit würden für jedes Kind 17 Tage Verpflegung angerechnet, egal, wie oft in dem jeweiligen Monat gespeist wird. „Ich will aber nur das bezahlen, was mein Kind auch wirklich isst“, erklärte die Mutter.

Zusätzliches Geld im Haushalt eingeplant

Aufgrund des Verwaltungsaufwandes habe man sich in Abstimmung mit dem „Nordlichter“-Elternrat für die pauschale Abrechnung entschieden, sagte Frauke Martens, Vize-Bürgermeisterin Teterows. Der Landkreis Rostock subventioniere das Essen für Kinder bedürftiger Eltern für alle Kitas im Kreis entsprechend der 17-Tage-Regelung. „Wenn wir in unserer Kita mit 270 Kindern zwei Abrechnungssysteme hätten, wäre das ein viel zu großer Aufwand“, sagte Frauke Marten. Bei einem Halbtagsplatz würde den Eltern aber selbstverständlich nur Frühstück oder aber Vesper jeweils mit dem Mittagessen in Rechnung gestellt. Das Sozialministerium lässt sowohl die Pauschal- als die Einzelabrechnung zu.

Während der Landkreis Mecklenburgische Seenplatte mit Blick auf die Einführung des Mindestlohnes und die Kita-Vollversorgung 700  000 Euro zusätzlich in den Haushaltsplan 2015 eingestellt hat, geht Rainer Boldt (SPD), zuständiger Beigeordneter im Kreis Rostock, von sinkenden Kita-Aufwendungen aus, die an bedürftige Eltern gezahlt werden müssen. Da sich der Arbeitsmarkt in Rostock und Umgebung sehr gut entwickelt habe, gebe es insgesamt weniger Bedürftige, für die der Steuerzahler einspringen müsse. Dadurch könnten mögliche Mehrkosten durch die Vollverpflegung sowie den Mindestlohn für Kita-Personal mehr als aufgefangen werden, sagte Boldt.

Eltern wurden nur ungenügend einbezogen

Indes wies Annett Thurm, Sprecherin des Landkreises Mecklenburgische Seenplatte, die Kritik des Vorsitzenden des Kreiselternrates Monty Schädel an der Kostenverteilung zwischen Eltern, Land und Kreisen zurück. Nach einer Informationsveranstaltung mit dem Sozialministerium MV Ende November sei festgelegt worden, was zu den Verpflegungskosten zählt. Demnach müssen nicht alle im Zusammenhang mit der Vollversorgung erforderlichen Mehrkosten allein von den Eltern geschultert werden. Im August hatte das Landratsamt den Trägern noch mitgeteilt, dass die Eltern „alleinig die Kosten der Verpflegung zu tragen haben“.

Indes blieb Monty Schädel bei seiner Kritik an der ungenügenden Einbeziehung der Eltern bei der Umstellung auf die Vollverpflegung. „Das Problem ist, dass Eltern belastet werden sollen und weder gehört noch befragt werden.“ „Nimm es an oder nimm das Kind aus der Kita!“ vor Tatsachen gestellt werden“, dies seien die Alternativen für die Eltern, erklärte Schädel. 

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