Tote Wölfe:

Erschossen, geköpft und überfahren

Der Wolf ist nicht überall willkommen. Es kommt zu Konflikten, die brutale Folgen haben können. Und manchmal haben die Tiere auch einfach nur Pech.

In Brandenburg fielen seit 1991 mindestens 25 Wölfe dem Straßenverkehr zum Opfer. 
Patrick Pleul In Brandenburg fielen seit 1991 mindestens 25 Wölfe dem Straßenverkehr zum Opfer. 

Die Fälle sind grausam und mysteriös: Innerhalb weniger Monate wurden zwei Wölfe in Brandenburg getötet und geköpft. Ob ein Zusammenhang zwischen beiden Vorfällen besteht, wird derzeit von Ermittlern des Landeskriminalamtes geprüft. Aufschluss über den oder die Täter könnten vor allem Munitionsspuren geben, die am Kadaver des kürzlich erschossenen Tieres, eine junge Wölfin, entdeckt worden waren.

Die Ermittler werten die Rückstände noch aus und erhoffen sich davon Hinweise auf die Tatwaffe, teilte eine Sprecherin der Cottbuser Staatsanwaltschaft mit. Die Waffe könne wiederum eine Spur zu dem oder den Tätern sein.

Seit 1991 sieben illegale Wolf-Abschüsse

Die getötete Wölfin war Ende Dezember an der Grenze zu Sachsen entdeckt worden. Ein Artgenosse wurde bereits im August bei Lieberose (Dahme-Spreewald) erschossen und mit abgeschnittenem Kopf gefunden. In den beiden Fällen wird wegen des Verstoßes gegen das Artenschutzgesetz ermittelt.

Sieben Wölfe wurden seit 1991 in Brandenburg erschossen. „Alle illegal“, sagt Wildbiologe Steffen Butzeck vom Landesumweltamt. Die Fälle unmittelbar nach Einheit Wende seien aber nie ernsthaft verfolgt worden. Mittlerweile werde das Recht stärker durchgesetzt.

Wer einen Wolf erlegt handelt aus Butzecks Sicht kriminell. „Das tolerieren wir nicht“, betont er. Auch das Potsdamer Umweltministerium hatte die Tat im Dezember verurteilt. „Das ist ein Verstoß gegen das Artenschutzgesetz“, teilte ein Sprecher mit. Es handele sich um eine Straftat, die mit bis zu 50  000 Euro geahndet werden könne.

Verstoß gegen das Bundesnaturschutzgesetz

Mit einem getöteten Isegrimm befasste sich auch die Justiz in Mecklenburg-Vorpommern. Ein 74-Jähriger Gastjäger aus Osnabrück musste sich 2000 vor Gericht verantworten, weil er auf einer Drückjagd bei Ueckermünde einen zwei Jahre alten Wolf erlegt hatte. Die Staatsanwaltschaft warf ihm einen Verstoß gegen das Bundesnaturschutzgesetz vor.

Sie legte dem Angeklagten zur Last, ein Tier der besonders geschützten Art getötet zu haben. Der Schütze argumentierte dagegen: Das Tier habe gelahmt, er habe es von seinen Leiden erlösen wollen. Zur Aufklärung des Falles erschienen Rechtsmediziner, Ballistiker und zwei Wolfsexperten als Zeugen vor Gericht.

Mindestens 25 Wölfe wurden in den vergangenen Jahren überfahren

Der Jäger kam relativ glimpflich davon: Nach der Beweisaufnahme wurde das Verfahren gegen Zahlung einer Geldsumme von 1500 Mark eingestellt. Weitere Vorfälle, bei denen Wölfe durch Fremdeinwirkung zu Schaden kamen, hat es in MV bislang offensichtlich aber nicht gegeben.

Über weitere illegal getötete Tiere in MV „gibt es keine Informationen“, bestätigt Wildbiologe Norman Stier, der in MV das Wolfs-Monitoring koordiniert. Auch von Verkehrsunfällen mit Wölfen sei ihm nichts bekannt. Da leben die Isegrimme im Nachbarbundesland Brandenburg gefährlicher: Dort wurden seit der 1991 mindestens 25 Tiere überfahren.

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