Leben auf ehemaligem Kernkraft-Standort:

Es fließt wieder Strom aus Lubmin

Aus dem geplanten Bau großer Gaskraftwerke am Energieknoten Lubmin ist bislang nichts geworden. Dennoch kommt aus dem Ostseebad wieder Strom.

Am früheren Standort des größten DDR-Atomkraftwerks in Lubmin steht das neue Gaskraftwerk. Foto: Stefan Sauer
Stefan Sauer Am früheren Standort des größten DDR-Atomkraftwerks in Lubmin steht das neue Gaskraftwerk. Foto: Stefan Sauer

Die Energieunternehmen Wingas und Eon Energy Projects haben am Freitag in Lubmin ein Gaskraftwerk in Betrieb genommen. Damit wird am ehemaligen Standort des größten DDR-Atomkraftwerks 23 Jahre nach Abschaltung der Reaktoren wieder Strom produziert. Die Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlage wird mit russischem Gas betrieben, das seit November 2011 durch die in Lubmin anlandende Ostsee-Pipeline nach Deutschland fließt. Nach Angaben der Betreiber soll mit der Abwärme des Kraftwerks das ankommende, auf dem Weg über die Ostsee abgekühlte Gas für den Weitertransport durch die beiden Landleitungen vorgewärmt werden. Dies sei technologisch erforderlich.

Musterbeispiel für dezentrale Anlagen

Das Kraftwerk erreicht den Angaben zufolge durch den Einsatz einer hochmodernen Turbine eine Energieeffizienz von 85 bis 90 Prozent und kann innerhalb von zehn Minuten auf Volllastbetrieb hochgefahren werden. „Die Anlage liefert ein Musterbeispiel für eine innovative, dezentrale Energieproduktion: Strom und Wärme werden dort erzeugt, wo sie gebraucht werden und entlasten somit nachhaltig die Energieversorgungsnetze“, erklärte Wingas-Geschäftsführer Ludwig Möhring.

Strom für 50 000 Haushalte

Das kleine Kraftwerk wurde direkt an der Anlandestation der Ostsee-Pipeline Nord Stream errichtet. Der Brennstoff Gas sei damit vor Ort verlässlich verfügbar. Die Anlage hat den Angaben zufolge eine Nutzwärmeleistung von rund 47 Megawatt sowie eine elektrische Leistung von 39 Megawatt. Damit könnten jährlich bis zu 200 000 Megawattstunden Strom erzeugt werden, genug, um 50 000 Haushalte sicher zu versorgen. Die gleichzeitige Nutzung der Wärme erspare der Atmosphäre rund 40 000 Tonnen Kohlendioxid, hieß es.

Für Lubmin gibt es seit längerem Projekte für den Bau großer Gaskraftwerke, doch scheuen die Energiekonzerne angesichts ungeklärter Fragen noch die Milliarden-Investitionen.

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