NDR hat einen Fanclub:

Es müssen nicht die Herzbuben sein

Während eine Bürgerinitiative lautstark für mehr deutsche Musik im Radio trommelt, sieht der Fanclub des NDR keinen Grund zur Veränderung. Allerdings verfolgen die Unterstützer des Senders die Debatte aufmerksam.

Der NDR hat einen eigen Fanclub - und deren Mitglieder sind mit der Musikmischung zufrieden. Es müssen nicht mehr Schlager sein.
Archiv Der NDR hat einen eigen Fanclub - und deren Mitglieder sind mit der Musikmischung zufrieden. Es müssen nicht mehr Schlager sein.

„Manche mögen Udo Lindenberg, andere überhaupt nicht. Ich stehe auch auf Beatles und Rolling Stones“, grenzt Jürgen Heinze sich ab. Was jemand für gute Musik halte, sei eine Frage des persönlichen Geschmacks. „Ich höre gern deutsche Schlager, aber nicht die Wildecker Herzbuben“, stellt er klar. Der 65-Jährige hat eine Funktion inne, die es deutschlandweit nicht noch einmal gibt. Heinze ist Vorsitzender des einzigen Fanclubs eines öffentlich-rechtlichen Senders. „Freunde von Radio MV“ nennen sich die momentan 23 Mitglieder – im Alter von 46 bis 82 Jahren. Darunter sind auch Mitarbeiter des Landesfunkhauses, wie Heinze einräumt.

Heinze zählt zu dem Mitbegründern des Vereins, der seinen 15. Geburtstag im vergangenen Jahr gefeiert hat. Die Idee war bei einem Segeltörn mit der „Greif“ bei der Warnemünder Woche entstanden, erinnert sich Heinze. Der Norddeutsche Rundfunk habe die Plätze ausgelost. „Dabei haben wir uns  kennengelernt und beschlossen, in Kontakt zu bleiben“, berichtet er. Bald darauf sei der Verein mit Sitz in Güstrow gegründet worden – mit monatlichen Treffen im Sommerhalbjahr.

Der ehemalige Lehrer in der Erwachsenenbildung kennt die Aufregung um das Musikprogramm von NDR. Seit gut einem Jahr setzt sich von Neubrandenburg aus eine Bürgerinitiative nach ihrem Neustart mit Nachdruck dafür ein, dass mehr deutsche Musik im Tagesprogramm läuft – bisher vergeblich. „Natürlich nehmen wir im Verein die Diskussion zur Kenntnis“, meint Heinze, der Sendungen in plattdeutscher Mundart liebt und sich für alles begeistert, was mit Angeln zu tun hat.

Der Verein trifft sich mit Verantwortlichen des NDR

„Man sollte dem Sender die Freiheit lassen, die Musik zu spielen, die den größten Erfolg bei den Hörern bringt“, hält Heinze mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg. Der Rundfunkstaatsvertrag sichere den Öffentlich-Rechtlichen ihre Unabhängigkeit. „Der NDR ist kein Musiksender, sondern ein Informationsprogramm“, sagt er. Deswegen gehe es im Kern um schnelle und sachliche Nachrichten aus MV. Das gelinge dank der Regionalstudios sehr gut.

Zum Vereinsleben gehören laut Vorsitzendem unter anderem Treffen mit Verantwortlichen und Moderatoren vom NDR oder Führungen im Landesfunkhaus. Zu den Vereinszielen gehört laut Satzung die Unterstützung des Senders mit dem Ziel, für eine „ausgeprägtere Vertretung“ der Interessen der Einwohner im Nordosten durch den NDR zu sorgen. Heinze nennt ein Beispiel: „Wir haben uns dafür eingesetzt, dass die Melder von Staus oder Unfällen auf Straßen nicht noch dafür bezahlen müssen, dass sie wichtige Information an den Sender geben.“ Inzwischen werde eine solche gebührenfreie Rufnummer tatsächlich genutzt.

Während die „NDR-Freunde“ vor allem an der Küste und in Westmecklenburg beheimatet sind, hält in der Region Neubrandenburg die Bürgerinitiative für mehr deutsche Titel im Radio das Terrain besetzt. In dieser Woche stehen die Schlagerfans  am Donnerstag vor ihrem nächsten Etappenziel: Ihre Forderung nach einem eingedeutschten NDR-Musikprogramm beschäftigt den Petitionsausschuss des Landtages. Die öffentliche Sitzung beginnt laut Einladung um
13 Uhr im Plenarsaal des Schweriner Schlosses.

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