Beschleunigter Abriss billiger:

EWN wollen baldigen Rückbau von Kernkraftwerk in Lubmin

Schon in 20 Jahren könnte das KKW-Gelände in Lubmin eine grüne Wiese sein. Die EWN sind vom Konzept der Langzeitverwahrung abgerückt. Statt die Gebäude 50 Jahre lang abklingen zu lassen, wird der Beton stückweise dekontaminiert für den zügigen Abriss. Doch wer bezahlt?

In der Konditionierung und Dekontaminationswerkstatt reinigt ein Mitarbeiter ein Bauteil aus dem früheren Atomkraftwerk „VEB Kernkraftwerk Bruno Leuschner" in Lubmin.
Stefan Sauer In der Konditionierung und Dekontaminationswerkstatt reinigt ein Mitarbeiter ein Bauteil aus dem früheren Atomkraftwerk „VEB Kernkraftwerk Bruno Leuschner" in Lubmin.

Die bundeseigenen Energiewerke Nord (EWN) beschleunigen die Demontage der 1990 abgeschalteten Atommeiler in Lubmin sowie im brandenburgischen Rheinsberg und rücken damit vom Konzept der Langzeitverwahrung ab. Bereits im Herbst 2016 soll der erste Schornstein des Reaktorblockes 1 auf dem Kernkraftwerk-Gelände in Lubmin fallen, sagte EWN-Geschäftsführer Henry Cordes.

Der ursprünglichen Strategie zufolge sollten die radioaktiv belasteten Betonhüllen der Reaktoren und Spezialgebäude 50 Jahre stehen bleiben, um natürlich abzuklingen. Dies sollte Kosten sparen und Mitarbeiter vor möglichen radioaktiven Belastungen schützen. Nach aktueller Planung wollen die EWN nun bis 2028 die Dekontamination aller Hauptanlagengebäude abschließen. „Danach kann der konventionelle Abriss der großen Gebäude beginnen", sagte Cordes.

Rückbau wird teurer

Ausgang für die Abkehr von der Langzeitverwahrung war ein Gutachten des TÜV Rheinland im Auftrag der brandenburgischen Landesregierung. Die sei zu dem Ergebnis gekommen, dass die Langzeitverwahrung teurer geworden wäre als der beschleunigte Abriss, sagte Cordes. Zudem wäre laut Gutachten das Konzept auch technisch schwer umsetzbar. So müsse die Standsicherheit der Gebäude über 50 Jahre gewährleistet und sichergestellt sein, dass diese danach tatsächlich frei von Radioaktivität sind. „Weil wir ähnliche Annahmen auch für Lubmin erwartet haben, haben wir den Antrag im Schweriner Innenministerium ebenfalls 2015 zurückgezogen„, sagte Cordes.

Der schnelle Rückbau wird nach Angaben der EWN zunächst einmal teurer. Allein in den kommenden drei Jahren stellt der Bund demnach rund zehn Prozent mehr Geld zur Verfügung. 2015 erhalten die EWN laut Cordes 118 Millionen Euro, 2016 rund 133 Millionen und 2017 rund 150 Millionen Euro. Bis Anfang der 2020er Jahre steige die Zahl der festen EWN-Mitarbeiter um zehn Prozent von derzeit 803 auf rund 890. Dazu kämen über mehrere Jahre mehr „temporär Drittbeschäftigte".

Finanzierung noch unklar

Wer den Abriss der von Radioaktivität befreiten und aus dem Atomgesetz entlassenen Gebäude finanziert, ist allerdings bislang offen. Die EWN wollen darüber mit dem Land verhandeln. Das Land sieht hingegen die Verantwortung für den „konventionellen" Abriss im Rahmen des atomrechtlichen Verfahrens, wie eine Sprecherin des Innenministeriums in Schwerin sagte. Damit wäre der Bund für den Abriss verantwortlich. Kostenschätzungen für den Abriss der riesigen Stahlbetongebäude liegen bislang nicht vor.

Der erste Schornstein im KKW Lubmin ist in den vergangenen Monaten aufwendig dekontaminiert worden. Zwei Jahre nach dessen Abriss im Jahr 2016 soll das erste Spezialgebäude fallen. Die Dekontamination des radioaktiv verseuchten Betons in den Gebäuden habe bereits begonnen, sagte Cordes. Da viele Räume sehr klein seien, könne dort nicht mit Maschinen gearbeitet werden. Unter hohen Sicherheitsstandards müssten Mitarbeiter in Schutzanzügen den belasteten Beton teilweise manuell abschlagen. Dieser Beton werde dann chemisch oder physikalisch gereinigt und je nach Ergebnis der radioaktiven Messungen freigegeben oder zwischengelagert.

Abschaltung nach dem Mauerfall

Cordes schloss nicht aus, dass sich durch diese Strategie die für die Endlagerung vorgesehenen Mengen schwach- und mittelradioaktiv belasteter Mengen im Schacht Konrad erhöhen könnten.

Das Kernkraftwerk am Greifswalder Bodden war zwischen 1973 und 1990 in Betrieb und erbrachte mit einer Gesamtleistung von 1760 Megawatt einen Anteil von elf Prozent des Strombedarfs in der früheren DDR. Wegen Sicherheitsbedenken unmittelbar nach dem Fall der Mauer wurde das Kraftwerk abgeschaltet. Fünf Jahre später begann die Stilllegung.

Seit 2006 lagern alle Brennelemente in Castoren im Zwischenlager. Der letzte Reaktor wurde 2009 ins Zwischenlager transportiert. Der Bund finanziert den Rückbau der beiden DDR-Kernkraftwerke in Lubmin und Rheinsberg mit 4,2 Milliarden Euro. Davon sind bislang rund 3,1 Milliarden Euro verbraucht worden.

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