Kein Durchkommen!:

Experten suchen nach Munition

Im Ostseebad Boltenhagen herrscht Trubel. Während Touristen nach Muscheln suchen, haben es Munitionsexperten auf brandgefährliche Stoffe abgesehen.

Der Strand an der Seebrücke wird für die Suche abschnittsweise gesperrt.
Bernd Wüstneck Der Strand an der Seebrücke wird für die Suche abschnittsweise gesperrt.

Gute Sicht war garantiert: Bei sonnigem Wetter begannen Munitionsexperten am Montag, dem meteorologischen Sommeranfang, den Strand des Ostseebades Boltenhagen (Landkreis Nordwestmecklenburg) nach gefährlichen Überresten aus dem Zweiten Weltkrieg abzusuchen. Dazu sperrten sie zunächst aber nur einen rund 50 Meter breiten Küstenabschnitt nahe der Seebrücke und die Brücke selbst ab, wie Kurdirektorin Claudia Hörl sagte. Fahrgäste der Ausflugsschiffe, die am Brückenkopf festmachen, durften passieren.

Vorerst sollte nur mit Metalldetektoren der Sand gesichtet und nach möglichen Funden später mit einem Mini-Bagger gegraben werden. Sobald ein Abschnitt sondiert und von Munitionsresten beräumt ist, werde dieser wieder freigegeben und der nächste Streifen vorübergehend für Besucher gesperrt, erklärte die Kurdirektorin.

Das Land trägt die Kosten der Suche

Den vier Strandkorbvermietern wurde angeboten, ihre Strandmöbel am Ufer umzusetzen, um keine Einbußen zu erleiden. Ohnehin werde nur am kleineren, rund 500 Meter langen Strand Richtung Redewisch etappenweise gesucht. Völlig unbelastet sei der zwei Kilometer lange Hauptstrand östlich der Seebrücke, meinte Hörl. "Wir sind froh, dass die Munitionssuche vor der Hauptsaison erfolgt."

Für die systematische Sondierung des Strandabschnitts und eventuelle Munitionsbergung hat das Innenministerium drei Wochen veranschlagt. Die Kosten trage das Land, betonte eine Sprecherin. Im Herbst 2014 wurden im Ortsteil Redewisch nahe dem Klützer Bach nach einem Sturm Munitionsreste und eine Granate gefunden. Zuvor war der Strand an dieser Stelle aufgespült worden. Die Kurdirektorin betonte, dass es sich bei der Suche jetzt lediglich um eine Vorsichtsmaßnahme handele.

Vor einem Jahr wurde der Strand von Rerik gesperrt

Das sehen die Gäste des Ostseebads offenbar ähnlich. Zwar habe es besorgte Anrufe und Fragen nach den Absperrmaßnahmen gegeben, sagte Hörl. Doch zum Start der Sondierungen ließen sich Touristen nicht von einem Spaziergang und Sonnenbad direkt neben den Sichtschutzzäunen und Absperrbändern abhalten.

Laut Innenministerium wurde der Zuschlag für die Arbeiten erst nach Sicherstellung der Finanzierung und einer Ausschreibung an eine spezialisierte Firma Mitte Mai erteilt. Aus Sicherheitsgründen konnte die Munitionssuche nicht in den nächsten Winter verschoben werden.

Vor einem Jahr erst musste der Strand von Rerik (Landkreis Rostock) für acht Wochen in der Hauptbadezeit gesperrt werden, weil dort an einem aufgespülten Abschnitt Weltkriegsmunition gefunden worden war. Mit großen Siebanlagen wurde eine Fläche von rund 15 000 Quadratmetern untersucht. Knapp 1700 Kilogramm Gefahrgut, darunter über 300 Granaten, wurden geborgen. Von einem solchem Ausmaß allerdings werde in Boltenhagen nicht ausgegangen, hieß es.