Radio-Rebellen geben nicht auf:

Fast alle wollen deutsche Musik

Bei unserer Abstimmung über die Titelauswahl im öffentlich-rechtlichen Radio haben mehr als 300 Leser ihre Meinung bekundet. Doch viele haben sich nicht nur mit einem „Ja“ oder „Nein“ beteiligt.

Immer mehr Menschen setzen sich dafür ein, im Radio mehr deutsche Musik hören zu können.
ValentinValkov - Fotolia Immer mehr Menschen setzen sich dafür ein, im Radio mehr deutsche Musik hören zu können.

Nordkurier-Leserin Anneliese Brose bringt ihre Bitte an die Sender-Verantwortlichen auf den Punkt: „Bitte lassen Sie unser wertvolles deutsches Kulturerbe nicht untergehen.“ Mit dieser Meinung unterstützt die Frau aus Plötz bei Demmin die Bürgerinitiative „Für ein besseres NDR 1 Radio MV“ in ihrem Ansinnen für mehr deutschsprachige Musik im öffentlich-rechtlichen Rundfunk.

Innerhalb einer Woche haben 292 Leser bei einer Nordkurier-Abstimmung per Post ihren Wunsch bekräftigt, bei ihrem Heimatsender mehr deutsche Titel hören zu wollen. Lediglich elf Leser waren mit der aktuellen Musikauswahl zufrieden. Müritz-Region, Uecker-Randow, Neubrandenburg, Anklam, Demmin, Wesenberg – die Zuschriften kamen aus dem gesamten Nordkurier-Gebiet. Viele Leser haben ihr Alter angegeben. Es ist vor allem die Generation „60 plus“, die zu Postkarte und Briefmarke greift, um abzustimmen.Gewertet wurden nur die Original-Coupons aus dem Nordkurier, keine Unterschriftenlisten.

Neuer Rückenwind für die Bürgerinitiative

Viele Leser haben aber nicht nur den „Tippschein“ ausgefüllt, sondern ihren Briefwechsel mit Programmverantwortlichen des NDR beigefügt. Darunter Karl-Friedrich Schwenzer aus Sandförde bei Pasewalk oder Familie Heimann aus Rechlin, die ein gleich lautendes Schreiben aus der NDR-Musikredaktion in Schwerin erhalten hatten. Darin wird jeglichen Änderungen der Titel-Auswahl eine klare Absage erteilt. „Es gibt keinen Auftrag, eine bestimmte Musikfarbe anzubieten“, heißt es. Und weiter: Im Staatsvertrag geregelte Programmgrundsätze bezögen sich vor allem auf den Wortanteil.

Im Zentrum steht laut NDR der Musik-Geschmack der 40- bis 60-jährigen Hörer. Der werde durch repräsentative Umfragen in der Altersgruppe ermittelt. Verschiedene Teilnehmer solcher Telefonbefragungen haben dem Nordkurier jedoch berichtet, dass unter der angespielten Musik überhaupt keine Titel waren, die ihnen gefallen hätten. Kurzum: Schon die getroffene Vorauswahl sei eingeschränkt und berücksichtige die deutsche Musik nur unzureichend.

Unterdessen zeichnet sich für das Anliegen der Bürgerinitiative neuer Rückenwind ab. Nachdem bereits Manfred Dachner, Chef des Petitionsausschusses des Landtages, eine gründliche Beschäftigung mit dem Thema angekündigt hatte, signalisiert auch der MV-Bürgerbeauftragte Matthias Crone Unterstützung bei einer Kompromiss-Suche. „Aus meiner Tätigkeit ist mir bekannt, dass es auch andere Bürger gibt, die mit der Situation nicht einverstanden sind“, schreibt er an die Rechliner Familie Heimann. Crone bietet bei Interesse Hilfe an, sich für ein Gespräch mit der NDR-Spitze einzusetzen.

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Kommentare (1)

292 Stimmen gegen 11. Ein überragendes Ergebnis, nur absolut nichtssagend, zumindest im Sinne der Frage. Letztendlich kann man die Zahl 292 für mehr Schlager ins Verhältnis setzen mit den über 100.000 Lesern der Zeitung, die nicht geantwortet haben, das wäre genauso repräsentativ. Diese Zahlen sagen nur aus, dass sich 292 LeserInnen bemüßigt gefühlt haben, ihre Meinung kundzutun, einen Missstand (zumindest aus ihrer Sicht) betreffend. Das macht der Mensch auch lieber als seine Zufriedenheit auszudrücken. Das einzige, was diese Umfrage wirklich aussagt, ist, dass 292 Menschen gern mehr Schlager u.a. bei NDR 1 Radio MV hören wollen. Die anderen über eine halbe Million Hörer, die das Programm auch hören, haben ihre Meinung nicht zu Protokoll gegeben. Und das bei einer Umfrage, deren Verfahren von vornherein keine repräsentativen Ergebnisse liefern kann.