In Vogel-Schwarm gerast:

Fast wie bei Hitchcock

Das Geheimnis um die mysteriöse Masse toter Stare auf der A 20 scheint gelöst: Mandy Haedke erzählt dem Nordkurier, wie die Vögel sie regelrecht attackieren.

Die Vogelkrallen und -schnäbel haben tiefe Spuren hinterlassen.
Marcel May Die Vogelkrallen und -schnäbel haben tiefe Spuren hinterlassen.

Entspannt fährt die 32-jährige Köchin Mandy Haaedke am Donnerstagnachmittag von einem Ausflug zurück nach Neubrandenburg. Auf der A 20, circa zehn Kilometer von Pasewalk entfernt, fällt ihr ein seltsames Gewusel am Himmel auf. „In großer Höhe flog ein Schwarm Vögel über der Autobahn. 300, vielleicht 400 Stück. Da dachte ich mir aber noch nichts dabei“, so Mandy Haedke.

Plötzlich dann, wortwörtlich aus heiterem Himmel, schießen die Vögel nach unten. „Alles wurde schwarz,“ erinnert sich die geschockte Frau. Hunderte von Vogelkörpern landen auf Mandy Haedkes schwarzem Hyundai Kombi, verdunkeln die Windschutzscheibe und rauben ihr die Sicht. „Es hat wahnsinnig geknallt.“

„Ich hatte das Gefühl, die Vögel wollten mich angreifen“

Das alles geht so schnell, dass ihr kaum Zeit zum Überlegen bleibt. Binnen Sekunden muss sie trotz Schock die Kontrolle über ihr Fahrzeug behalten, langsam abbremsen. Denn hinter ihr fahren schon weitere Autos. Schließlich kommt die Neubrandenburgerin auf dem Standstreifen zum Stehen und atmet erst einmal tief durch. Was gerade passiert ist, kann sie kaum fassen. „Dass einem mal ein Spatz gegen die Scheibe fliegt, kommt vor. Aber doch kein Schwarm von Hunderten!“

Auch ihre Mitfahrer – die Mutter und deren Lebensgefährte – können sich den Vorfall nicht erklären. Ihre Mutter, die auf dem Rücksitz saß, konnte die Vögel noch dazu gar nicht sehen. Der laute Aufprall der Tierleiber kommt für sie doppelt überraschend. Mandy Haedke ist immer noch fassungslos. „Es war wie im Horrorfilm! Ich hatte das Gefühl, die Vögel wollten mich angreifen. Sie flogen erst eine Welle am Himmel, als würde sie ein Luftzug erfassen. Dann krachten sie im Sturzflug genau auf mein Auto.“ Haedkes Erlebnis klingt so unheimlich, dass es den Vergleich mit Hitchcocks Film „Die Vögel“ nicht zu scheuen braucht. Eine Erklärung, warum die Vögel gerade sie aussuchten, hat die 32-Jährige nicht. Ob es an der Farbe des Autos lag?

Naturschützer: „Vögel attackieren Autos nicht gezielt“

Joachim Stapel, langjähriger Mitarbeiter der Naturschutzbehörde, kann sich das nicht vorstellen. „Vögel attackieren Autos nicht gezielt.“ Ihm scheint die Theorie plausibel, ein Greifvogel habe die Vogelmenge durcheinander gebracht. Sonst flögen die Tiere nicht in derartig geringer Bodennähe. Keinesfalls hätten sie sich absichtlich zum Massenselbstmord auf dem Autolack entschlossen. Die Schwarmformation der Stare erklärt Stapel mit der Tageszeit (17.15 Uhr), zu der Haedke den „Angriff“ erlebte. In den frühen Abendstunden sammeln sich die Tiere, fliegen eine Weile zusammen, ruhen sich wieder aus, um dann ihre Schlafplätze aufzusuchen. „Die Schwenkmanöver, wie Mandy Haedke sie beschreibt, vollführen die Stare, um Feinde abzulenken.“ Dass die Tiere derart massiv und zu Hunderten aufs Autodach prasseln, findet aber auch Stapel kurios.  

Zum Teil stecken noch Vogelkrallen im Wagen

300 Vögel im Sturzflug hinterlassen natürlich erkennbare Schäden. Mandy Haedke erinnert sich: „Die Windschutzscheibe schillerte in allen erdenklichen Farben...“ Vom Blut und den Kadaverresten der Tiere. Die Neubrandenburgerin telefonierte sofort mit ihrer Versicherung, die sie beruhigt. Sie solle weiterfahren, der Schaden durch Vogelzug werde übernommen. „Ich hatte Schwierigkeiten, denen zu erklären, dass mir nicht ein einzelner Vogel, sondern eine ganze Horde aufs Auto gedonnert ist.“ Die Höhe des Schadens ahnt noch niemand. Auch die Polizei, bei der sie den Wildunfall zu Protokoll gibt, geht von geringer Beschädigung aus.

Erst als Haedke den Schmutz abwischt, kommt das Ausmaß des Vogelterrors zum Vorschein: Die Frontscheibe ist voller Kratzer, der Kühlergrill kaputt, die Scheinwerfer müssen ausgetauscht werden. Teilweise stecken noch Krallen der Vögel fest. Insgesamt kommt für den Neuwagen eine Reparatursumme von
4000 Euro zusammen. „Ich hoffe, dass die Versicherung auch das bezahlt“, bangt Mandy Haedke. Schließlich kann sie wirklich nichts dafür, wenn sich Stare in Horden auf ihr Auto stürzen.

Weiterführende Links

Nordkurier: Samsung Galaxy Tablet ohne Anzahlung