Sanddorn-Ernte:

Fiese Fliege bedroht "Zitrone des Nordens"

Herbstzeit ist Sanddorn-Zeit. Die Erträge fallen dieses Jahr allerdings unterschiedlich aus. Sorgen bereitet den Anbauern jetzt ein neuer Schädling.

Siegfried Gwildies von der Firma Rügen direkt koordiniert in diesem Herbst die Sanddorn-Ernte am Kap Arkona.
Ralph Sommer Siegfried Gwildies von der Firma Rügen direkt koordiniert in diesem Herbst die Sanddorn-Ernte am Kap Arkona.

Mit kräftigen Schnitten trennt Ernst Heinemann auf der kleinen Sanddorn-Plantage an Rügens Kap Arkona die beerenreichen Zweige aus dem dornigen Busch. Auch mehrere Urlauber beteiligen sich in diesem Herbst an der Ernte der vitaminreichen Früchte. „Wir geben unseren Gästen die Möglichkeit, mehr über die Zitrone des Nordens zu erfahren“, sagt Putgartens Bürgermeister. Wer wolle, könne sich am Nachmittag auf dem Rügenhof seinen Sanddornsaft sogar selbst pressen.

Die Ernte am Kap fällt in diesem Jahr gut aus. Täglich werden derzeit mindestens sechs Kisten mit 25 Kilogramm Beeren verarbeitet. Die Qualität der Beeren, die nach der Ernte zunächst schockgefrostet, später von den Zweigen geschlagen, in einer Art Fleischwolf zermust und schließlich zu Saft gepresst werden, ist besonders gut. „Das mag an den vielen warmen Sonnenstunden in diesem Sommer liegen“, mutmaßt Heinemann.

Bei Deutschlands größtem Sanddorn-Anbauer fällt die Bilanz deutlich dagegen nüchterner aus. In der Sanddorn Storchennest GmbH bei Ludwigslust ist die Ernte bereits abgeschlossen. „Wir haben in diesem Jahr auf 100 Hektar nur etwa 25 bis 30 Tonnen Beeren eingefahren“, sagt Geschäftsführerin Silvia Hinrichs. Deutlich weniger als vor einem Jahr, als der sogar nach Japan exportierende Betrieb etwa 55 Tonnen der vitaminreichen Früchte pflücken ließ. Im Supersommer 2011 waren sogar rund 100 Tonnen Sanddornbeeren in die Verarbeitung gegangen. „Diesmal aber hat wohl das kalte Frühjahr die Bilanz vermiest, als viele männliche Blüten erfroren sind“, sagt die Firmen-Chefin.

Mittel gegen den Schädling gibt es noch nicht

Richtig Sorge bereitet den Sanddorn-Landwirten in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Sachsen-Anhalt aber ein ganz anderes Problem. In Norddeutschland scheint sich ein neuer Schädling auszubreiten, der in der Lage ist, ganze Jahresernten zu vernichten. Schon im September hatten Wissenschaftler der Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei Mecklenburg-Vorpommern vor einem massiven Auftreten der Sanddornfliege gewarnt. Am Forschungsstandort Gülzow im Landkreis Rostock und auf dem Gut Schwechow im Landkreis Ludwigslust-Parchim sei der Schädling in diesem Jahr gesichtet worden, bestätigt Obstbau-Experte Dr. Friedrich Höhne.

Noch halten sich die Schäden in Mecklenburg-Vorpommern in Grenzen. Die Ludwigsluster Profis haben bislang noch keinen Befall ausmachen können, und auch an der Küste wurden noch keine Schäden durch die Sanddornfliege festgestellt. Derzeit gehen die Experten davon aus, dass in Deutschland nur Wildbestände betroffen sind. Richtig schlimme Schäden mussten dagegen schon Sanddorn-Anbauer in östlichen Regionen von Lettland und Osteuropa bis Sibirien hinnehmen. In Weißrussland hat sich der Befall seit 2010 sogar schon verdoppelt.

Ein Mittel gegen den Schädling gibt es bislang noch nicht. „Wir arbeiten an einer Strategie, wie man den Fliegen über den Winter an den Kragen gehen kann“, sagt Höhne. Es müsse aber nicht gleich die chemische Keule her, um die Schädlinge zu bekämpfen. „Vielleicht finden wir ja auch einen biologischen Gegenspieler der Sanddornfliege. Und manchmal hilft es ja vielleicht auch schon, wenn man den Boden abdeckt.“

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