Hobbysportler helfen nach:

Fitness-Wahn: Wenn Manager und Schüler dopen

Experten waren vor Missbrauch von Medikamenten im Freizeitsport und sehen die Gesundheit gefährdet.

Vom Zoll sicher gestellt:  Pillen und Verpackungen mit verschiedenen Anabolika-Präparaten.  Foto: Patrick Lux
PATRICK LUX Vom Zoll sicher gestellt:  Pillen und Verpackungen mit verschiedenen Anabolika-Präparaten.  Foto: Patrick Lux

Um über den eigenen Schatten zu springen, nutzen auch Hobbysportler leistungssteigernde Mittel: Aufputsch- oder schmerzlindernde Präparate, Nahrungsergänzungsstoffe, die ohne Rezept quasi überall zu kaufen sind. „Medikamentenmissbrauch im Breitensport wird anders als verbotenes Doping im Leistungssport kaum diskutiert“, sagte Armin Schlender, Referatsleiter Sport im Schweriner Innenministerium. Allerdings würden nicht nur Freizeitsportler gern Vitamin- und Mineralstoff-Cocktails, Fitness-Pillen, Schmerztabletten oder Muntermacher schlucken. Auch Kraftfahrer, Manager, Berufstätige, sogar Oberschüler nutzten solch legales Doping.

„In der Gesellschaft wird Medikamentenmissbrauch zur Leistungssteigerung ein Stück weit verharmlost“, warnte Schlender. Hinzu käme der Einfluss der Medien und der Werbung für leistungsfördernde Substanzen, die größtenteils ganz einfach in Apotheken erhältlich seien. Mehr psychische Belastungen, Zeitdruck und Stress in Beruf und Schule seien ein Grund für die Zunahme von Medikamentenmissbrauch zur Förderung der eigenen Fitness. „Die Gesellschaft entfacht einen ungeheuren Leistungsdruck, akzeptiert wird nur der Sieger.“

Der Gebrauch von Arzneimitteln habe längst Einzug im Alltag gehalten. „Das ist aber nicht nur eine Frage der Gesundheit, sondern auch eine der Ethik“, meinte Karin Grübler, Sportreferentin im Innenministerium. Marathonläufer, Radfahrer, Kraftsportler stünden symbolisch für Doping. Doch das Problem gehe viel weiter. „Wenn schon Grundschulkinder Vitamintabletten zum Frühstück bekommen, läuft was schief.“ Der Missbrauch gehe durch alle Alters- und Berufsschichten. „Auch bei der Generation 60 plus hat der Körperwahn zugenommen.“

In der laufenden Doping-Debatte hat Innenminister Lorenz Caffier (CDU) jüngst strikte Aufklärung gefordert – aber auch ein Umdenken in der Gesellschaft. „Für mich zeigt die neuerliche Diskussion über Doping auch, dass wir wieder lernen müssen, Grenzen zu akzeptieren. Wenn vierte und fünfte Plätze bei einer Welt- oder Europameisterschaft in der öffentlichen Meinung und den Medien bereits als Niederlage gewertet werden, scheint mir auch hier ein Umdenken erforderlich“, betonte der Minister.

Zur großen Palette legaler Substanzen kämen die illegalen Präparate, erklärte Schlender. Meist unter der Hand würden Pillen und Getränke für Kraft-, Ausdauer- und Extremsportler gehandelt und oft aus dem Ausland geholt, zunehmend auch übers Internet bestellt. Allerdings hätten weder Behörden noch Verbände aussagekräftige Zahlen über Ausmaß und Funktionsweise dieser Beschaffungskanäle. Der Zoll beschlagnahmt regelmäßig gefälschte oder verbotene Medikamente: 2012 waren das für Mecklenburg-Vorpommern laut Hauptzollamt Stralsund rund 6200 Stück eingeführte Arzneimittel.

Auf Prävention gegen Medikamentenmissbrauch im Freizeitsport setzt der Landessportbund Mecklenburg-Vorpommern. Trainer, Übungsleiter und Vereinsmanager würden in Fortbildungsveranstaltungen über gesundheitliche Gefahren dieser Substanzen aufgeklärt, sagte Geschäftsführer Torsten Haverland. „Wir können nur immer wieder darauf hinweisen, nicht aber sanktionieren.“ Doping im Leistungs- und im Breitensport sei nicht nur Betrug an der eigenen Gesundheit, sondern im Wettkampf auch gegenüber anderen, betonte Haverland.

Vermutlich sinke mit steigender Belastung im Freizeitsport auch die Hemmschwelle, mit Arzneimitteln nachzuhelfen, sagte der Verbandschef. Um extreme Leistungen zu bringen, würden mittels Medikamenten Schutzmechanismen wie Schmerzen blockiert.

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