Geflohener Patient aus der Psychiatrie:

Flüchtiger Ralf J. wurde bereits 18 Mal verurteilt

Der geflohene Straftäter aus der Rostocker Psychiatrie landete immer wieder wegen schwerer Gewalttaten vor Gericht. Besonders brutal ging er auch bei seinem letzten Überfall vor. Der Mann beschäftigt nun sogar die Politik.

Wo steckt Ralf J.? Die Polizei sucht seit Montagvormittag nach dem geflohenen Straftäter.
Bernd Wüstneck Wo steckt Ralf J.? Die Polizei sucht seit Montagvormittag nach dem geflohenen Straftäter.

Nach der Flucht des als gewalttätig eingeschätzten Straftäters Ralf J. aus einer forensischen Klinik in Rostock hat der Fall nun auch die Landespolitik erreicht. Politiker der Oppositionsfraktionen von Grünen und Linken forderten am Mittwoch, dass der Vorfall im Rechtsausschuss des Landtags thematisiert werden müsse. Barbara Borchardt, rechtspolitische Sprecherin der Linkspartei, kündigte an, ihre Fraktion wolle Justizministerin Uta-Maria Kuder (CDU) in den Ausschuss laden, um über den Fall zu beraten.

In einer gemeinsamen Erklärung der Fraktionen von SPD und CDU hieß es, Sozial- und Justizministerium sowie die zuständigen Parlamentsausschüsse müssten den Vorfall gemeinsam aufklären. Außerdem teilten die Fraktionen mit, es müssten nicht nur die Umstände der Flucht, sondern auch die bestehenden Sicherheitsvorkehrungen überprüft und gegebenenfalls verbessert werden.

Sicherheitsmaßnahmen seien auf neustem Stand

Nach Angaben des Justizministeriums werden derzeit in den drei Maßregelvollzugsanstalten des Landes 224 Patienten behandelt. Die Sicherheitsmaßnahmen in den geschlossenen Abteilungen entsprechen den Standards von Justizvollzugsanstalten, teilte ein Justizsprecher dem Nordkurier mit. Die Sicherheitsvorkehrungen für einzelne Patienten richteten sich nach deren Gefährlichkeit und würden von den Kliniken entschieden. Im vergangenen Jahr habe es eine sogenannte Entweichung eines Forensik-Patienten gegeben. In Ueckermünde war ein Patient während eines begleiteten Freigangs seinem Begleiter davongelaufen. Der Klinik-Insasse konnte nach anderthalb Stunden wieder ergriffen werden.

Der 49-jährige Ralf J. ist seit Montagvormittag auf der Flucht. Der wegen zahlreicher Gewalttaten verurteilte Mann hatte während einer Behandlung in einer HNO-Klinik in Rostock zwei Pfleger, die ihn begleiteten, mit einer Schere bedroht und so zum Lösen seiner Fußfesseln gezwungen. Die Handfesseln waren ihm zuvor für einen Toilettenbesuch abgenommen worden. Seitdem fahndet die Polizei intensiv nach dem Mann, der als gefährlich gilt. Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Schwerin bestätigte, dass der 49-Jährige insgesamt 18 Mal verurteilt worden sei – mehrfach auch wegen schwerer Gewalttaten.

Pfleger vom Dienst freigestellt

Zuletzt hatte ihn das Landgericht Schwerin im Juni 2014 zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von 8 Jahren verurteilt, unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung und versuchter schwerer räuberischer Erpressung. Ralf J. hatte einen Rentner in dessen Wohnung überfallen und mit einer Eisenstange geschlagen. In der forensischen Klinik war er wegen einer Suchterkrankung untergebracht.

Die beiden Pfleger sind nach dem Zwischenfall mit dem Gewalttäter vom Dienst freigestellt worden. „Aber nicht aus disziplinarischen Gründen“, betonte eine Kliniksprecherin. Ihnen sei eine psychologische Betreuung angeboten worden, die sie bislang aber nicht in Anspruch genommen haben.

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