Friedliche Märsche und brennende Autos :

Flüchtlingspolitik bringt Menschen in MV auf die Straßen

Pro- und Contra-Demonstrationen, brennende Autos, Hassparolen und Schmierereien - die öffentliche Auseinandersetzung um die Flüchtlingsfrage in MV wird schärfer. Innenminister Caffier warnt potenzielle Gewalttäter.

In Stralsund kam es am Freitag in der Nähe einer Kundgebung von Asylgegnern zu Brandanschlägen auf zehn Autos.
Bernd Wüstneck In Stralsund kam es am Freitag in der Nähe einer Kundgebung von Asylgegnern zu Brandanschlägen auf zehn Autos.

Nach einem Brandanschlag im Umfeld einer Anti-Flüchtlingsdemo in Stralsund hat Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Lorenz Caffier zu Friedfertigkeit aufgerufen. Gewalt sei kein legitimes Mittel, um flüchtlingskritischen Demonstrationen entgegenzutreten, sagte er am Samstag. Am Rande einer Veranstaltung gegen die deutsche Flüchtlingspolitik am Freitagabend waren zehn Autos von Versammlungsteilnehmern in Flammen aufgegangen. "Diese Aktion richtet sich gegen die Grundwerte unseres demokratischen Rechtsstaats, seine Meinung friedlich und ohne Gewalt äußern zu können", sagte Caffier. Es gelte jetzt, alle Fakten zu sammeln und durch eine saubere Ermittlungsarbeit die Täter zu überführen.

Die Veranstaltung "Stralsund wehrt sich - Asylantenwahnsinn stoppen" mit 400 Demonstranten sowie eine gleichzeitig stattfindende Gegenveranstaltung mit 180 Menschen waren am Freitagabend bis auf die Brandstiftung friedlich verlaufen. Ein Sprecher der "MV-Patrioten", die zu der Demonstration gegen die Aufnahme von Flüchtlingen aufgerufen hatten, beschuldigte Gegendemonstranten, die Fahrzeuge in Brand gesetzt zu haben. Die Initiatoren der Gegenkundgebung "Stralsund für alle" verurteilten die Brandlegungen. "Dieses hat nichts mit demokratischer Streitkultur zu tun", schrieb Sprecherin Suse Hawer.

Die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung hat am Freitag und Samstag viele Menschen in Mecklenburg-Vorpommern auf die Straße getrieben. In Stralsund, Greifswald, Wismar, Eggesin und Boizenburg demonstrierten mehr als 1000 Menschen gegen die Asylpolitik, knapp genauso viele gingen dagegen in Stralsund, Greifswald und Neubrandenburg für die Aufnahme der Flüchtlinge auf die Straße.

Die meisten Veranstaltungen verliefen nach Angaben der Polizei störungsfrei. Allerdings ermittelt die Polizei in mehreren Fällen wegen Volksverhetzung und Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen. In Greifswald nahm die Polizei eine Anzeige gegen einen Demonstranten auf, der den Hitlergruß gezeigt hatte. In Wismar ermittelt die Polizei wegen Volksverhetzung gegen einen Redner einer NPD-Demo wegen dessen Äußerungen am Samstagabend.

Außerdem entdeckten Passanten am Sonntagmorgen an einer Brücke an der Landesstraße 321 zwischen Torgelow und Pasewalk ein Plakat mit der Aufschrift "Ausländer raus" sowie mehreren Hakenkreuzen und einer SS-Rune.

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Kommentare (2)

Mit der Meldung über die Brandanschläge hält sich schön bedeckt und diskret zurück beim Nordkurier.Gar nicht auszudenken wenn die Sache anders rum gewesen wäre.Dann hätte man wieder vom rechten Mob gesprochen oder Pack.... Hier sollte man klar gewaltbereite Linke/Antifa beim Namen nennen und diese per Presse in die Schranken weisen wenn diese neutral wäre.

Lieber Leser Otto08, wir halten uns also bedeckt, weil wir prominent das Bild der abgefackelten Autos zeigen und der Text von den Brandanschlägen handelt? Die mutmaßlichen Täter werden im Text der Gruppe der Gegendemonstration zugeordnet. Ich verstehe deswegen Ihr Problem nicht. Mit freundlichen Grüßen, Oliver Wunder, Nordkurier-Redaktion