Ein Greifswalder ist dabei:

Forscher bohren die Ostsee an

Vor 12000 Jahren war die Ostsee noch ein Süßwassersee. Doch was geschah, als die Gletscher schmolzen? Was sagt die Vergangenheit darüber aus, wie sich unser Klima künftig entwickeln wird? Bohrungen, die ein Schiff in den Meeresgrund der Ostsee trieb, sollen Auskunft geben. An Bord war auch der Greifswalder Geologe Michael Kenzler.

Das Forschungsschiff "Great Manisha" mit seinem 27 Meter hohen Bohrturm.             
David Mcinroy Das Forschungsschiff "Great Manisha" mit seinem 27 Meter hohen Bohrturm.  

Das Projekt ist vergleichbar mit dem NASA-Forschungsprogramm. Doch nicht die Weiten des Universums, sondern die Tiefen der Ozeanböden, stehen im Mittelpunkt dieses Wissenschaftsprogramms. Mittlerweile haben Forscherteams aus 26 Nationen im Rahmen des internationalen Forschungsbohrprogramms IODP (Integrated Ocean Discovery Program) weltweit fast 1500 Bohrungen in den Grund der meisten Weltmeere getrieben. Die dabei gezogenen Bohrkerne lieferten der Wissenschaft spannende Erkenntnisse über geologische Ablagerungen.

Zum ersten Mal sind im Herbst auch Bohrungen tief in den Grund der noch relativ jungen Ostsee angelegt worden. Dazu war im September von Kiel aus das Spezialschiff „Greatship Manisha“ zu einer fast achtwöchigen Expedition ausgelaufen. Zum Team mit Forschern und Technikern gehörte auch Michael Kenzler, Doktorand am Greifswalder Institut für Geographie und Geologie.

Schiffe müssen genau auf ihrer Position bleiben

Die Ostsee habe lange als zu kompliziertes Gebiet für derartige Erkundungen gegolten, sagt der 32-Jährige. Im Unterschied zu tieferen Meereszonen, seien Bohrungen in flacheren Gewässern technisch schwieriger. Erst präzise Technologien, Computersteuerung und Satellitennavigation ermöglichten es, dass die Bohrschiffe auch bei Sturm metergenau auf Position blieben, so dass in den Flachwassergebieten das vergleichsweise kurze Bohrgestänge nicht verkante.

Gleich an neun, geologisch interessanten Positionen ließen die Experten die Bohrköpfe in den Meeresboden fressen. „Im 40-Minuten-Takt holten wir jeweils 3,3 Meter lange Bohrkerne aus der Tiefe, die dann in durchsichtigen beschrifteten Plastikrohren verschlossen wurden“, sagt Kenzler. „Ich hatte schon an Bord zu bestimmen, um welche Sedimente es sich handelte.“

Aus den Proben hoffen die Wissenschaftler mehr zu erfahren über die Geschichte der rund 12000 Jahre alten Ostsee. Denn die Sedimentablagerungen unter dem relativ jungen Meer seien ein einzigartiges Klimaarchiv, sagt Kenzler. Aus ihnen könnte man die Ereignisse der letzten großen Klimaerwärmung ablesen und möglicherweise Rückschlüsse über den sich abzeichnenden aktuellen Klimawandel ziehen.

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