Diskussion um Netzausbau:

Freileitung sorgt für Spannungen

Das Unternehmen 50Hertz plant den Bau einer 380-Kilovolt-Leitung von Bertikow nach Pasewalk. Doch nun muss ein passender Trassenkorridor gefunden werden. Kein einfaches Unterfangen.

Der Netzausbau sorgt bei betroffenen Bürgern und Naturschützern für Bedenken.
Karl-Josef Hildenbrand Der Netzausbau sorgt bei betroffenen Bürgern und Naturschützern für Bedenken.

Es ist ein ehrgeiziges Projekt. Netzbetreiber 50Hertz will eine 380-Kilovolt (kV)-Freileitung vom uckermärkischen Bertikow bis Pasewalk bauen. Mit der 30 Kilometer langen Leitung soll in Zukunft verstärkt Wind- und Solarstrom aus der Region in Richtung Süden transportiert werden. Der Netzausbau sorgt bei betroffenen Bürgern und Naturschützern für Bedenken.

Besonders in Dreesch, das zur Gemeinde Grünow bei Prenzlau gehört, verfolgen die Bürger die Pläne des Netzbetreibers 50Hertz mit Skepsis. „Wenn es um große Energieprojekte geht, sind wir sehr vorsichtig“, sagt Bürgermeister André Cunow. Bei den jüngsten Planungen zum Bau von Windkraftanlagen sei die Gemeinde schon einmal geprellt worden, als Windräder innerhalb der 800 Meter Schutzzone genehmigt worden seien, sagt Cunow.

Damit die Gemeinde bei der Freileitung nicht ähnlich übergangen wird, will der Bürgermeister bei der Suche nach einem geeigneten, einen Kilometer breiten Trassenkorridor mitreden. Das Unternehmen 50Hertz lotet derzeit 13 verschiedene Alternativen aus. Sie stützen sich auf drei Korridor-Varianten, die 50Hertz zur Diskussion stellt.

Strommasten behindern Erntefahrzeuge

Der westliche führt weitgehend über die bestehende 110-kV-Leitung des Unternehmens E.on edis. Die zweite Variante wäre eine Freileitung entlang der Autobahn 20. Die dritte Möglichkeit führt über die alte 220-kV-Leitung aus den 50er-Jahren. Allerdings würde dort eine neue Hochspannungsleitung die Orte Rollwitz und Dreesch queren und sehr nah an Tornow vorbeiführen. In Dreesch favorisieren die Bewohner eine weiträumige Umgehung ihres Ortes.

Doch es gibt noch mehr Bedenken. So fordern Windanlagen-Betreiber, die neue Leitung nicht durch genehmigte und geplante Windeignungsflächen zu legen. Zudem sprechen sich Landwirte dafür aus, die 380-kV-Leitung mit den bestehenden Stromtrassen zu bündeln. Denn für schwere Erntefahrzeuge sind zusätzliche Strommasten ein Hindernis.

Eine gebündelte Leitung hat aus der Sicht von Eric Neuling vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu) einen weiteren Vorteil. Sie verhindere, dass Brut- und Rastgebiete für Vögel nicht extra zerschnitten werden müssen. Doch problematisch sei, dass die derzeitigen Überlegungen die umliegenden Naturschutzgebiete Uckerniedrung, der Randow-Welse Bruch und die Schorfheide kaum berücksichtige, sagt Neuling. Denn für Vögel aus diesen Gebieten besteht mit einer neuen Freileitung erhöhte Kollisionsgefahr.

Am Montag informieren 50Hertz und der Nabu in Prenzlau bei einem zweiten Runden Tisch über den aktuellen Planungsstand der Freileitung Bertikow-Pasewalk und Naturschutzrisiken. Beginn ist um 13 Uhr im Vincentbad, Uckerpromenade 17. Zuvor findet eine Exkursion relevanter Trassenabschnitte statt. Abfahrt ist um 10.30 Uhr am Vincentbad.

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