Größte deutsche Garnelen-Aquaanlage:

Frische Garnelen kommen jetzt aus Meckpomm

Gourmets und Sterneköche müssen bald nicht mehr auf Tiefkühl-Shrimps aus Fernost zurückgreifen. In Grevesmühlen nahm Deutschlands größte Garnelenfarm den Betrieb auf. Die Nachfrage nach den Meeresdelikatessen scheint groß zu sein.

Die Landrätin des Kreises Nordwestmecklenburg, Kerstin Weiss (SPD, mitte) durfte die ersten etwas zwei Millimeter kleinen Garnelen ins Becken setzen.
Jens Büttner Die Landrätin des Kreises Nordwestmecklenburg, Kerstin Weiss (SPD, mitte) durfte die ersten etwas zwei Millimeter kleinen Garnelen ins Becken setzen.

Noch sind sie Winzlinge. Kaum ein halbes Gramm wiegen die zwei Millimeter großen Baby-Garnelen. Rund eine halbe Million Larven wuseln durch das 30 Grad warme Wasser der Isolierbox, die vor wenigen Tagen aus Amerika nach Grevesmühlen kam. Mit wenigen Wasserkrügen setzt York Dyckerhoff, Chef der Green Aqua Farming GmbH & Co. KG aus Wismar, den ersten Besatz in die Aufzuchtbecken der neuen Garnelenfarm.

„In etwa einem halben Jahr werden die White-Tiger-Shrimps das küchenfertige Schlachtgewicht von 30 Gramm erreicht haben“, sagt er. Gourmet-Restaurants in Hamburg, Schwerin und Rostock sollen schon Interesse an den frischen Tieren bekundet haben.

Insgesamt rund 1,7 Millionen Euro, darunter 850 000 Euro aus dem Europäischen Fischereifonds, investierte das Unternehmen in die neuartige Anlage. Sie ist neben ersten Pilotanlagen bei Bremen und Kiel Deutschlands dritte Garnelenfarm und nach Betreiberangaben in ihrer Art auch die größte. Für 28 Grad Wassertemperatur und 30-prozentige Luftfeuchtigkeit sorgt Restwärme aus einem Klärwerk gleich nebenan. Betreut von fünf Mitarbeitern sollen in der neuen Aquakultur jährlich in 24 Ernten etwa 15 Tonnen Garnelen produziert werden.

Das Salzwasser wird selbst hergestellt

„Pro Woche wollen wir 320 Kilogramm in die regionale Vermarktung geben“, kündigt Dyckerhoff an. Im Frühjahr soll auch ein Werkverkauf im Grevesmühlener Gewerbegebiet Nordwest eröffnet werden. Im Unterschied zu den riesigen Garnelenfarmen zum Beispiel in Asien und Lateinamerika will man in der deutschen Anlage gänzlich auf Pestizide, Antibiotika und Wachstumshormone verzichten.

Die vier doppelstöckigen und jeweils 35 Meter langen Aufzuchtbecken werden über ein Kreislaufsystem mit 400  000 Litern selbst hergestelltem Salzwasser betrieben. Für die Konstruktion der neuartigen Anlagen bediente man sich auch des Know-hows aus Mecklenburg-Vorpommern. Die gesamte Anlagen-Steuerung und -Programmierung zum Beispiel übernahm die Neubrandenburger Firma Automation und Software. Bislang einzigartig ist auch die Verwendung eines hochdichten Spezialbetons aus Siegen, und für die Kreislaufanlage zeichnete die Kunststofffirma Spranger aus Plauen im Vogtland verantwortlich.

Alle sechs Wochen kommen Larven ins Becken

Aufgepäppelt werden die Shrimps mit einem Spezialfutter. Wichtig sei die richtige Dosierung, sagt Dyckerhoff. „Fütterst du zu viel könnte das Wasser verschmutzen, bei zu wenig Futter würden die Garnelen zu Kannibalen.“ Alle sechs Wochen kämen neue Larven in die Becken, so dass ganzjährig produziert werde.

Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) bezeichnet die Anlage als zukunftsweisend, nicht nur, weil sie die Abwärme aus dem regionalen Klärwerk nutzt, sondern auch, weil die enormen Klima- und Umweltbelastungen bei Produktion und Transport aus Fernost auf Null gefahren würden. Nach Angaben von Gerhard Martin, zuständiger Referatsleiter im Ministerium, sind in MV mittlerweile 18 Aquakulturanlagen in Betrieb. In ihnen werden unter anderem Zander, Afrikanische Welse, Störe, Flussbarsche, Ostseeschnäpel und Europäische Edelkrebse aufgezogen. Hinzu kämen Anlagen für die Karpfen- und Forellenmast. Und noch in diesem Herbst will
das Familienunternehmen Fluxx in Grevesmühlen eine zweite Garnelenfarm einweihen.

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