Schulgarten als Lebenshilfe:

Fürs Unkrautjäten ist jeder selbst verantwortlich

Lernen außerhalb des Klassenzimmers macht Schülern nicht nur Spaß, sie lernen zudem eine Menge fürs Leben. In Neustrelitz versorgt sich eine besondere Klasse selbst mit Obst und Gemüse.

Gritt Weidemann erklärt ihrem Schüler Christian welche Pflanzen in der Kräuterschnecke wachsen. 
Susann Moll Gritt Weidemann erklärt ihrem Schüler Christian welche Pflanzen in der Kräuterschnecke wachsen. 

Der Himmel ist grau, aus den Wolken rieselt feiner Regen. Die Schüler stehen aufmerksam zwischen den Beeten auf dem Schulhof und hören, was Lehrerin Gritt Weidemann erzählt. „Wer weiß, wo der Fenchel steht?“, fragt sie in die Gruppe hinein. Acht ratlose Gesichter blicken ihr entgegen. „Na, wer von euch holt immer den Fenchel für den Tee?“, fragt Gritt Weidemann ihre Schützlinge erneut. Da fällt Niels ein, wo der Fenchel steht. „Hier“, ruft er und zeigt auf die Pflanzen am Rande des großen Beets. Daraufhin darf er das neue selbst gemachte Hinweisschild aus Ton neben dem Fenchel platzieren. Seit über einem Jahr bewirtschaften die geistig behinderten Mädchen und Jungen der Tom-Mutters-Schule in Neustrelitz den Schulgarten. Mittlerweile wissen sie: wenn man fleißig ist, kann man schon bald leckere Sachen ernten.

Der Garten bereitet auf das Leben vor

Als die Schule nach der Sanierung im vergangenen Sommer wieder eröffnet wurde, haben sich Gritt Weidemann und Karin Wächtler bereit erklärt, den neu entstandenen Schulgarten mit ihrer Klasse zu bepflanzen und zu pflegen. Ein Gewinn, findet Gritt Weidemann. Bei den geistig behinderten Schülern komme es vor allem darauf an, sie gut auf das Leben vorzubereiten. Praktische Tätigkeiten seien da am sinnvollsten. Die Kinder haben sowohl beim Einkaufen der Samen und Setzlinge als auch beim sähen und pflanzen geholfen. Danach hat jeder ein Beet zu geteilt bekommen, auf dem er Unkraut jäten und das er gießen muss. Geerntet haben sie alle gemeinsam.

Keine Statistik zu Schulgärten

Nicht nur Ausbildungsstätten mit dem Schwerpunkt geistige Entwicklung binden einen Garten in ihren Schulalltag ein. Ebenso nutzen Grundschulen sowie Weiterführende Schulen diese Möglichkeit, um den Kindern praktische Tätigkeiten in der Natur näher zu bringen. Die genaue Zahl der Schulgärten im Land kann das Ministerium nicht benennen und auch die Schulämter erheben keine Daten darüber. Das Bildungsministerium Mecklenburg-Vorpommern erklärt, dass das Lernen an Orten außerhalb der Schule, wie in einem Schulgarten, aber als fester Bestandteil in den Sachunterricht integriert ist. Die unmittelbare Begegnung mit der Natur biete den Schülern die Gelegenheit ihre Erfahrungen und Kenntnisse zu erweitern. Beispielsweise lernen sie so, respektvoll und verantwortungsbewusst mit der Natur und ihren Ressourcen umzugehen. Außerdem bieten die Beobachtungen eine Grundlage für anschließende Gespräche und Diskussionen.

Gartenthemen in allen Unterrichtsfächern

Dieses Potenzial wird auch in der Tom-Mutters-Schule genutzt. Ist draußen mal nichts zu tun oder spielt das Wetter nicht mit, nutzen die beiden Lehrerinnen das Thema Garten auch in anderen Fächern. In einem Gartenjahrbuch tragen die Schüler für jeden Monat ein, was sie in ihrem Schulgarten getan haben. Im Matheunterricht werden die geernteten Kürbisse gewogen und das Gewicht der gesamten Ernte errechnet. „So haben die Kinder eine Vorstellung davon, was sie rechnen“, erklärt Lehrerin Gritt Weidemann den Praxisbezug.

Den Mädchen und Jungen macht die Arbeit an der frischen Luft zudem viel Spaß. Sie sind stolz, was sie mit ihren eigenen Händen schaffen können. Alles was in ihrem Garten wächst, wird auch von ihnen verzehrt. „Das ist der große Vorteil bei uns“, stellt Gritt Weidemann heraus. Einmal die Woche haben sie Kochunterricht, bei dem sie ihre Ernte verwenden. Ihre neueste Kreation: eine Fußballpizza. „Spinat als Rasen, Würstchen als Spieler und Mozzarella für die Linien und den Ball“, erklärt die Lehrerin. Die war lecker – da sind sich die Schüler einig.

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