Neue Anlage in Bützow:

Gefährliche Straftäter mit größtmöglicher Freiheit

Getrennt von anderen Strafgefangenen, aber mit eigenem See, Sportplatz und Grünflächen - so sitzen Sicherungsverwahrte in MV ihre Haft ab. Humaner Vollzug oder zu viel Luxus?

Nach der vom höchsten deutschen Gericht verlangten Gesetzesänderung wohnen zunächst acht Verwahrte seit Juni in einem neuen Gebäude in Bützow.
Joachim Mangler Nach der vom höchsten deutschen Gericht verlangten Gesetzesänderung wohnen zunächst acht Verwahrte seit Juni in einem neuen Gebäude in Bützow.

Im neuen Haus für Sicherungsverwahrte auf dem Gelände der Justizvollzugsanstalt in Bützow hat die erste Phase der Therapiearbeit begonnen. In dem für 20 Männer ausgelegten Haus leben seit Anfang Juni fünf Sexual- und drei Gewaltstraftäter. Sie alle haben langjährige Haftstrafen abgesessen, gelten aber noch als gefährlich und dürfen nicht entlassen werden. „Unsere Klienten richten sich hier gerade ein“, sagte Stefan Brietzke, einer von drei Psychologen, die sich um die Verwahrten kümmern.

Es gehe zunächst darum, ein Klima zu schaffen, in dem die Männer bereit seien, ihre Probleme zu erkennen und etwas verändern zu wollen. Diese erste Phase werde etwa ein halbes Jahr in Anspruch nehmen. Brietzke geht von mindestens sieben Jahren aus, bis Gutachter grünes Licht für die Entlassung eines Verwahrten geben können.

Eigener Garten und See

Der gesamte Komplex, der durch einen fünf Meter hohen Zaun von der übrigen JVA getrennt ist, hat rund elf Millionen Euro gekostet. Neben den 20 geräumigen Appartements gibt es mehrere Bereiche für Freizeit, Sport oder Therapie sowie gemeinsame Aufenthaltsräume. Innerhalb des Komplexes, in dem die Männer laut Brietzke größtmögliche Freiheit genießen können, ist eine große Grünfläche, mit Arealen für eigene Gartenarbeit und ein See.

Justizministerin Uta-Maria Kuder (CDU) zeigte sich zufrieden damit, dass der Bau innerhalb der gesetzlich vorgegebenen Frist fertig geworden ist. Dank der raschen Umsetzung der Vorgaben musste in Mecklenburg-Vorpommern kein Gewalt- oder Sexualstraftäter aus der Sicherungsverwahrung vorzeitig entlassen werden.

Bis 2020, so die Prognose des Justizministeriums, wird die Zahl der Sicherungsverwahrten in Mecklenburg-Vorpommern auf etwa 20 anwachsen. Um die Verwahrten sollen sich neben den drei Psychologen zwei Sozialpädagogen und auch die 17 Mitarbeiter im Allgemeinen Vollzugsdienst kümmern. Jeder Mitarbeiter ist in die Therapie eingebunden, so das Credo der Anstalt. Ein Hafttag in einer normalen Justizvollzugsanstalt kostet pro Gefangenen durchschnittlich 118 Euro, für einen Verwahrten werden derzeit 260 Euro veranschlagt.

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