Ralf J. auf dem Weg in die forensische Klinik :

Gefährlicher Mann wieder hinter Gittern

Seine Flucht sorgte für Aufsehen und kritische Debatten über die Sicherheit im Strafvollzug. Jetzt wurde der in Rostock geflüchtete Insasse des Maßregelvollzugs im Berliner Obdachlosen-Milieu gefasst.

Die Polizei sucht am 11.03.2015 in Rostock-Brinckmannsdorf (Mecklenburg-Vorpommern) nach dem als gewalttätig eingeschätzten Straftäter, dem am 09.03.2015 bei einem Aufenthalt in einer Klinik die Flucht gelang. Der Mann ist am Freitag gefasst wurden.
Bernd Wüstneck Die Suche nach dem Rostocker ist beendet. Nun muss der Haftrichter entscheiden, wie die nächsten Schritte aussehen werden.

Keine zwei Wochen nach seiner Flucht bei einem Arztbesuch sitzt der mit großem Aufwand gesuchte Rostocker Gewalttäter wieder hinter Gittern. Der 49-Jährige wurde am Freitagabend vor einer Obdachlosenunterkunft in Berlin festgenommen, sagte der Leiter der Polizeiinspektion Rostock, Michael Ebert. Am Samstag wurde er in der Hauptstadt einem Haftrichter vorgeführt. Im Laufe des Tages sollte er dann wieder in die forensische Fachklinik nach Rostock-Gehlsdorf gebracht werden.

Die Ermittler hatten nach Eberts Angaben schon seit Freitag vergangener Woche Hinweise darauf, dass der am 9. März geflüchtete Insasse der forensischen Psychiatrie sich in Berlin aufhält. Auf der Suche nach ihm hatten die Fahnder auch Geruchsproben für Spürhunde nach Berlin geschickt und Videoaufzeichnungen der Berliner Verkehrsbetriebe ausgewertet.

Zeugen hatten den Gesuchten in Berlin gesehen

"Bei den Ermittlungen haben wir sein gesamtes soziales Umfeld aufgehellt", sagte Ebert. Zeugen, die den geflohenen Straftäter kannten, hatten diesen in Berlin gesehen. Tagelang war er im Obdachlosen-Milieu untergetaucht und schließlich von einer Berliner Spezialeinheit vor einer Unterkunft für Obdachlose festgenommen worden.

Laut Polizei gingen während der Fahndung mehr als 150 Hinweise aus der Bevölkerung ein. An der Suche seien seit der Flucht mehr als 360 Beamte von Schutz- und Kriminalpolizei beteiligt gewesen. Dabei habe die Polizei in Rostock eng mit ihren Kollegen in Berlin zusammengearbeitet.

Europaweiter Haftbefehl ausgestellt

Der Mann hatte am 9. März trotz der Begleitung durch zwei Pfleger aus einer Rostocker HNO-Klinik fliehen können. Daraufhin war ein europaweiter Haftbefehl ausgestellt worden. Nach einer Verurteilung wegen Raubes und Körperverletzung saß er im Maßregelvollzug in der forensischen Fachklinik Rostock-Gehlsdorf. Dort werden schuldunfähige oder vermindert schuldfähige Straftäter mit schweren psychischen Störungen oder Suchtkrankheiten behandelt. Der 49-Jährige gilt als suchtkrank.

Der Fall hatte in Mecklenburg-Vorpommern für eine kritische Debatte über die Sicherheit im Strafvollzug gesorgt. Außerdem hatte zunächst Uneinigkeit darüber geherrscht, ob der Vorfall in die Zuständigkeit des Sozialministeriums von Birgit Hesse (SPD) oder des Justizministeriums von Uta-Maria Kuder (CDU) falle.

Schärfere Sicherheitsmaßnahmen als Folge

Nach der Flucht des als gewalttätig geltenden Mannes hatte Kuder eine grundlegende Überprüfung des Sicherheitsmanagements und schärfere Sicherheitsmaßnahmen in allen drei forensischen Kliniken des Landes angeordnet. Vor allem solle geprüft werden, ob Art und Weise der Fesselung bei sogenannten Ausführungen ausreichend ist. Mit den Kliniken wurde vereinbart, dass die Kontrolle der Patienten vor dem Verlassen der Hochsicherheitskliniken personell verstärkt und technisch verbessert wird. Risikopatienten sollen künftig grundsätzlich drei Begleiter bekommen.

Alle nicht zwingend notwendigen Ausführungen zu medizinischen Terminen außerhalb des geschlossenen Maßregelvollzugs sollten außerdem ausgesetzt werden. Forensische Psychiatrien für psychisch kranke Straftäter gibt es in Rostock, Stralsund und Ueckermünde.

Insgesamt war der 49-Jährige nach Angaben der Staatsanwaltschaft in Schwerin 18 Mal verurteilt worden, mehrfach auch wegen schwerer Gewalttaten. Zuletzt hatte ihn im Juni 2014 das Landgericht Schwerin verurteilt, unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung und versuchter schwerer räuberischer Erpressung.

 

 

Was ein Maßregelvollzug für den Täter bedeutet:

Der am 9. März bei einem Arztbesuch geflüchtete 49-jährige Straftäter saß im Maßregelvollzug in der Fachklinik für Forensische Psychiatrie in Rostsock-Gehlsdorf. Beim Maßregelvollzug geht es um die Unterbringung von psychisch oder suchtkranken Straftätern zum Schutz der Bevölkerung und zur Therapie der Betroffenen. Eine Möglichkeit ist die Unterbringung von Straftätern in einem psychiatrischen Krankenhaus.

Voraussetzung ist, dass jemand bei der Tat nur vermindert oder gar nicht schuldfähig war und für die Allgemeinheit weiterhin gefährlich ist. Der Aufenthalt in der Psychiatrieklinik ist dann - unabhängig von der Höhe der Strafe - zunächst einmal unbefristet. Die zweite Möglichkeit ist die Einweisung in eine Suchtklinik.

Mit einer Entlassung können Betroffene erst rechnen, wenn Gutachter sie als ungefährlich eingestuft haben. Im Extremfall müssen Patienten ihr Leben lang in der geschlossenen Klinik bleiben.

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