Vogelgrippe H5N8:

Geflügel von Privathaltern im Sperrbezirk wird getötet

Nach dem Ausbruch der Geflügelpest in einem Putenmastbetrieb in Heinrichswalde werden nun in einem Drei-Kilometer-Umkreis bei Tierhaltern alle Hühner, Enten, Gänse und Puten eingesammelt und getötet. Auch andere Privathalter müssen um ihr Geflügel fürchten.

Der Mastputenbetrieb in Heinrichswalde ist hermetisch abgeriegelt.
Bernd Wüstneck Der Mastputenbetrieb in Heinrichswalde ist hermetisch abgeriegelt.

Die Tötung der rund 30 000 Mastputen in Heinrichswalde abgeschlossen. "Ich bin froh, dass das schneller gegangen ist, als erwartet", sagte Kreis-Amtstierarzt Holger Vogel am Freitag. "Der virus-ausscheidende Herd ist ausgetrocknet."

Entwarnung könne aber noch nicht gegeben werden. So wurden Proben in einem Großbetrieb in knapp vier Kilometer Entfernung genommen, wo 115 000 Legehennen stehen. Die Ergebnisse werden frühestens am Wochenende erwartet. Nun müssten zunächst rund 1000 Hühner, Enten und Gänse von Privathaltern in einem Sperrbezirk von drei Kilometern getötet werden.

Großflächige Säuberungsaktion

Dazu sei parallel auch die Bekämpfung von Nagern, wie Ratten und Mäusen in dem Putenmastbetrieb gelaufen, damit sich diese nicht in die Umgebung zurückziehen und so das erstmals in Europa aufgetauchte  Influenzavirus vom Subtyp H5N8 noch verbreiten. Auch der Mist der Puten werde desinfiziert. Der Putenhalter werde wohl 2014 nicht mehr neu einstallen können. "Der Betrieb muss wie neu aussehen."

In dem Mastbetrieb war ein bisher nur aus Asien bekannter und gefährlicher Geflügelpest-Erreger aufgetaucht. Eine akute Gefahr für die Menschen schließen die Behörden bisher aus.  Das Schweriner Agrarministerium hat Geflügelhalter überall, vor allem in der Nähe von Sammel- und Rastgewässern von Wildvögeln, zu erhöhter Wachsamkeit gemahnt.

Puten werden in Malchin entsorgt

Die infizierten Puten werden derzeit im Malchiner Tierverwertungsbetrieb entsorgt. Die Firma Saria holt mit ihren Fahrzeugen die getöteten Tiere aus dem Mastputenbetrieb ab. Es handele sich um etwa 200 Tonnen, sagte Unternehmenssprecher Marcel Derichs. Für die Kapazität des Betriebes stelle diese Menge kein Problem dar. Über verschiedene Verarbeitungsstufen bleibe von den Tierkadavern schließlich Mehl und Fett übrig, was dann verbrannt werde. In der Nacht zu Sonnabend soll die Aktion abgeschlossen sein.

Woher kam der Erreger?

Die Veterinärbehörden suchen mit Hochdruck danach, wie der hochansteckende H5N8-Erreger in die Ställe gelangt ist. Am Freitag habe die Auswertung von Proben begonnen, sagte die Sprecherin des bundesweit zuständigen Friedrich-Loeffler-Instituts, Elke Reinking, auf der Insel Riems. In Südkorea zirkuliert der Erreger zwischen der Wildvogelpopulation und Nutzgeflügel. Dort wurden seit Anfang des Jahres nach Angaben des Instituts bislang zwölf Millionen Tiere getötet.

In Vorpommern würden nun Kotproben und Federn von Wildvögeln auf das Vorhandensein von Erregerspuren getestet. Zudem würden Befragungen von Personen in dem betroffenen Gebiet ausgewertet sowie Futtermittelwege und der Transport von Tieren und Waren geprüft. Auch mögliche Betriebe, die Kontakt zur Anlage in Heinrichswalde hatten, würden identifiziert. Alle 30 000 Mastputen des Bestands in Heinrichswalde wurden mittlerweile getötet.

Ein Übertragung des Erregers durch Wildvögel erscheint den Forschern auf der Insel Riems derzeit nicht schlüssig. Es habe aktuell keine Zugvogelbewegungen zwischen Südkorea und Deutschland gegeben, sagte Reinking. Gegen einen Eintrag durch Zugvögel spreche auch, dass keinerlei Nachweise des Erregers zwischen Asien und Mitteleuropa dokumentiert seien. "Bei dem H5N1-Erreger haben wir damals gesehen, wie er von Asien nach Europa gewandert ist."

 

Drei Sperr- und Beobachtungszonen

- In einem Drei-Kilometer-Umkreis werden bei Tierhaltern alle Hühner, Enten, Gänse und Puten eingesammelt und getötet. Sofern Halter Beiträge für die Tierseuchenkasse bezahlt haben, werden sie entschädigt. Es betrifft nach der Tötung von 31 000 Puten im betroffenen Betrieb noch rund 1000 Tiere bei etwa 80 Tierhaltern.

- In einem Zehn-Kilometer-Umkreis gelten Handelsbeschränkungen für alle Geflügelhalter. In größeren Beständen wird schon auf Virenbefall getestet.

- Im Umkreis von 50 Kilometern um die Putenmastanlage darf Geflügel nicht mehr im Freien gehalten werden. Das heißt Aufstallungsgebot und gilt bis nach Brandenburg und Polen hinein. Auch Geflügelhalter in der Nähe von großen Seen und Flüssen sowie an der Ostsee, wo sich bedeutende Sammel- und Rastgebiete von Wildvögeln befinden, müssen ihre Tiere im Stall halten.

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