Probleme am Bahnhof:

Gehbehinderte klagen über fehlenden Service

Rollstuhlfahrer, die mit der Bahn reisen wollen, müssen sich im Nordosten bereits vor der Abfahrt über das Umsteigen Gedanken machen. Für sie wirbt die Bahn mit einem besonderen Service. Der funktioniert aber längst nicht immer.

So barrierefrei wie auf diesem Bild läuft die Bahnfahrt durch den Nordosten für Rolli-Fahrer nicht immer ab.
Bernd Wüstneck So barrierefrei wie auf diesem Bild läuft die Bahnfahrt durch den Nordosten für Rolli-Fahrer nicht immer ab.

Ralf Behrendt hatte sich darauf gefreut, seine Frau und Tochter wiederzusehen. Die beiden entspannten im Urlaub auf Mallorca, reisten per Flugzeug und schließlich per Bahn von Berlin aus nach Neubrandenburg zurück. Doch kaum hatten sie das sonnige Land verlassen, ging der Stress los.

Ralf Behrendts Tochter sitzt im Rollstuhl. Für den Mobilitätsservice der Bahn sollte das eigentlich kein Problem sein. Wer beim Ein- oder Aussteigen aus dem Zug Hilfe braucht oder beim Überqueren der Gleise – wenn es beispielsweise keinen Aufzug an jedem Gleis gibt – kann das vor der Reise beim Mobilitätsservice anmelden. Per E-Mail oder telefonisch gibt er die Zugdaten durch. Aber Ralf Behrendts Tochter bekam keine Hilfe.

Wenige ausschlaggebende Minuten

Der Vater gab rechtzeitig vor der Reise per E-Mail Bescheid und erhielt auch bald Antwort. Doch die war ernüchternd. Darin heißt es: In Neustrelitz gebe es überhaupt kein Servicepersonal. Weil man dort ohne Treppen umsteigen kann, wäre das noch kein Problem. In der Mail heißt es aber weiter: „Am Bahnhof Neubrandenburg ist das Servicepersonal bis 22.40  Uhr vor Ort.“

Doch der Zug von Behrendts Frau kommt genau sieben Minuten später an. Der Mobilitätsservice empfiehlt eine frühere Verbindung – unmöglich, weil Behrendts Frau an die Ankunftszeiten des Flugzeugs gebunden ist. „Sogar meine Kollegen meinten, das kann doch gar nicht wahr sein“, sagt Ralf Behrendt brüskiert. Er empfand die Reaktion als unverschämt und wenig serviceorientiert.

Ohne Service-Mitarbeiter geht es nicht

Da es in Neubrandenburg keine Aufzüge gibt, mit denen Rollstuhlfahrer von Gleis zu Gleis wechseln können, können sie nur den direkten Weg über die Gleise nehmen. Allerdings muss dazu ein Servicemitarbeiter dabei sein, der die Schranke öffnet. Ralf Behrendt wollte Klarheit. Er wandte sich direkt an die Mitarbeiter auf dem Neubrandenburger Bahnhof.

Doch deren Antwort entsetzte ihn noch mehr. Auch Rollstuhlfahrer müssten sich an die Servicezeiten halten, sagte man ihm. Die Familie könne ja auch in Berlin übernachten. „Ich fahre selbst nach Neustrelitz und hole Frau und Tochter ab“, beschloss Behrendt.

Lösungsvorschlag: Taxifahrt

Auf Nachfrage des Nordkurier versuchten die Servicemitarbeiter der Bahn noch eine andere Lösung zu finden. „Sie boten an, ein Taxi nach Neustrelitz zu schicken“, so Behrendt. Aber da hatte er seiner Frau schon Bescheid gegeben, dass er sie abholen würde – und das Handy war aus.

„Wir bedauern den Vorfall sehr und haben uns auch bei Herrn Behrendt entschuldigt“, so Gisbert Gahler von der Pressestelle der Bahn. Es sei in zukünftigen Fällen besser, direkt die Mobilitätsservice-Zentrale anzurufen (0180 6 51 25 12 (20 ct/Anruf aus dem Festnetz, Tarif bei Mobilfunk max. 60 ct/Anruf), täglich von 6 bis 22 Uhr), wenn man als behinderter Mensch Hilfe beim Umsteigen benötigt, anstatt noch einmal vor Ort nachzufragen. Prinzipiell gibt es ein Flächenpräsenzteam von DB Station&Service, das in der Zeit zwischen 22.40 Uhr und 5.10 Uhr einspringt, wenn Hilfsbedürftige Unterstützung benötigen.

Die gute Nachricht für Gehbehinderten: Ab 2016 soll der Neubrandenburger Bahnhof umgebaut werden. Danach soll es vier Aufzüge geben, mit denen Rollstuhlfahrer die Gleise wechseln können, so Gisbert Gahler.

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