Nach dem Tierhaltungsverbot:

Geht in den Ställen Straathofs alles weiter wie bisher?

Bereits vier Wochen nach dem Tierhaltungsverbot scheint die Ankündigung einer härteren Gangart gegen den umstrittenen Ferkelzüchter verpufft.

Laut Landwirtschaftsministerium würden die Schweinezuchtanlagen des umstrittenen Ferkelzüchters Straathof streng kontrolliert.
Bernd Wüstneck Laut Landwirtschaftsministerium würden die Schweinezuchtanlagen des umstrittenen Ferkelzüchters Straathof streng kontrolliert.

Es waren harsche Worte, die Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) Anfang Dezember wählte: „Ich hoffe, dass sich die Geschäftspraktiken grundlegend ändern werden und nun nicht nur ein Strohmann gefunden wird, der weiter macht, als wäre nichts geschehen.“ Backhaus reagierte damit auf eine Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts in Magdeburg. Das hatte soeben einen Einspruch von Adrianus Straathof gegen das gegen ihn verhängte Tierhaltungsverbot zurückgewiesen, zumindest vorläufig.

Heute, knapp vier Wochen später, ist die von Backhaus befürchtete Situation genau so eingetreten. Zwar ist der umstrittene Ferkelzüchter Adrianus Straathof als Geschäftsführer seiner Holding vorläufig zurückgetreten, von „grundlegenden Änderungen der Geschäftspraktiken“ dagegen ist nichts bekannt. Dennoch schlägt das Landwirtschaftsministerium bereits deutlich leisere Töne an: „Tatsächlich sind die Handlungsoptionen für uns in dieser Sache relativ gering“, erklärt Sprecher Constantin Marquardt. „Wir können schließlich nicht in das Unternehmen hinein regieren.“

Umweltschützer rechnen mit neuen Verstößen

Stattdessen würden die Anlagen Straathofs – also die in Alt Tellin, Medow und Fahrbinde – weiterhin intensiv kontrolliert. „Treten Verstöße auf, müssen und werden wir darauf reagieren“, so Marquardt. Seit 2011 waren Bußgelder in Höhe von rund 163  000 Euro gegen die Straathof Holding verhängt worden, unter anderem auch wegen Verstößen gegen Tierschutzverordnungen.

Dass neuen Verstöße drohen, davon sind Tier- und Umweltschützer überzeugt. Sie fordern ein rigoroses Vorgehen gegen Straathof und werfen dem Niederländer vor, Regeln und Vorgaben systematisch zu verletzen. Eine daran anknüpfende Anfrage der Grünen-Landtagsfraktion liegt derzeit im Ministerium zur Beantwortung. Die Grünen wollen unter anderem wissen, warum tierschutzrechtliche Verstöße eines Tierhalters in anderen Bundesländern nicht auch Einfluss auf das Handeln der zuständigen Behörden in Mecklenburg-Vorpommern hat. Mit einer fristgerechten Beantwortung ist in den kommenden Tagen zu rechnen.

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Schweinefabriken werden in MV gebaut, um das Exportgeschäft am Laufen zu halten. Die drei Anlagen in MV – Medow, Alt Tellin und Fahrbinde – seien Neubauten mit hohen Standards, behauptete Minister Backhaus im Vorjahr. Was hohe Standarts in diesem Sinne bedeuten, kann sich jeder selber denken. „Am Ende muss es sich auch lohnen“ unter diesem Slogan lädt die Friedrich-Ebert-Stiftung am 8.1. in die Güstrower Viehalle ein. Zum Auftakt bekommt der Minister Gelegenheit die aktuelle Wirtschaftlichkeit der Landwirtschaft vorzutragen. Und die sieht nun mal so aus, dass es Sinn macht, Bio-Nutztiere mit dem üblichen pestizidbelasteten Futter zu füttern oder die Maße der Kastenstände für Schweine möglichst unterhalb der Gesetzesvorgaben zuhalten. Auch wenn nur im Centbereich Gewinne zu erzielen sind, in der Masse und gekoppelt mit der nötigen krimminellen Energie, kommt dann doch schon etwas dabei heraus. Und solange die hiesige Agrarwirtschaft sich an Massenproduktion für den Export orientieren kann, wird auch "wir-haben-es-satt"-Demonstranten daran wenig ändern. Wem nutzt es also, wenn eine konsequente Überprüfung der inzwischen auch in Deutschland geltenden Europäischen Schweinehaltungsverordnung in den Straathof-Anlagen MVs nicht konsequent durchgesetzt wird?