Ehemaliges jüdisches Gotteshaus:

Gerettete Synagoge soll Kulturzentrum werden

Einst Treffpunkt einer lebhaften jüdischen Gemeinde, stand die Synagoge in Stavenhagen lange Jahre leer. Nun soll sie zu einem Ort der Kultur und der Begegnung werden - und des Erinnerns.

Die Synagoge in Stavenhagen: Am Freitag findet hier zum ersten Mal ein Konzert statt.
Bernd Wüstneck Die Synagoge in Stavenhagen: Am Freitag findet hier zum ersten Mal ein Konzert statt.

In Mecklenburg-Vorpommern ist eine weitere jüdische Synagoge vor dem Verfall bewahrt und weitgehend restauriert worden. Kurz vor dem Bauende findet an diesem Freitag (19.30 Uhr) in Stavenhagen das erste Konzert in dem ehemaligen Gotteshaus statt. Acht Musiker des Projekts Mekomot wurden mit zeitgenössische Kompositionen und auch alte jüdische Gesängen erwartet. "Die alte Synagoge soll ein Ort der Begegnung und der Kultur werden", sagte die Vorsitzende des Vereins "Alte Synagoge" Heike Radvan.

Seit 2012 sind rund 240 000 Euro in die Restaurierung des Gebäudes geflossen, darunter 90 000 Euro von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Derzeit liefen noch Restarbeiten. "Es fehlen noch Bodenplatten und die Bestuhlung", erläuterte Radvan. Die Fertigstellung und Eröffnung sei für 2016 geplant.

Stavenhagen hatte eine große jüdische Gemeinde

Die Stavenhagener Synagoge hat eine wechselvolle Geschichte und die NS-Zeit durch Zufall überstanden. Der Fachwerkbau wurde um 1820 aus Eichenholz errichtet. In der Kleinstadt gab es damals mit bis zu 150 Mitgliedern die fünftgrößte jüdische Gemeinde im Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin. Größer waren nur Schwerin, Güstrow, Parchim und Waren. Nachdem es gesetzlich erlaubt wurde, wanderten aber jüdische Familien aus Stavenhagen später in größere Städte ab. Gottesdienste wurden mangels männlicher Gläubiger ab 1935 eingestellt.

Im November 1938 wurde auch in der Synagoge Feuer gelegt, aber ein Nachbar löschte den Brand, wie der Verein erforscht hat. Die Gemeinde verkaufte das Gotteshaus an einen Tischler, der Werkstatt und Lager dort einrichtete, aber später starb. Ab 1986 stand die Synagoge leer, wurde jedoch zu einem Denkmal erklärt. Nach 1990 fiel das Gebäude an die Enkelin des Tischlers als Erbin, die im Westen Deutschlands lebte.

Demokratische Alltagskultur durch Erinnerung fördern

Die Enkelin gehörte 2011 zu den Gründungsmitgliedern des Vereins "Alte Synagoge". Ihm überließ die Frau es über einen Erbpachtvertrag. "Wir wollen unter anderem eine Ausstellung erarbeiten, wie das jüdische Leben in der Region damals aussah", sagte Radvan, die in Berlin bei einer Stiftung arbeitet.

Durch solche und andere Ausstellungen, durch Vorträge, Filme und Konzerte soll an das vielfältige jüdische Leben in Stavenhagen und Mecklenburg erinnert und die Auseinandersetzung mit Antisemitismus und Nationalsozialismus gefördert werden. Der Verein will so auch eine demokratische Alltagskultur fördern.

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