Großjagd hat ein Nachspiel:

Gericht verhängt Bußgeld gegen Ex-Jagdchef des Müritz-Nationalparks

Der Verurteilte sei unter anderem dafür verantwortlich, dass bei einer Großjagd statt geplanter 160 mehr als 230 Stück Damwild geschossen wurden, urteilte die Richterin.

Ein ehemaliger Jagdchef im Müritz-Nationalpark muss wegen Verstößen gegen das Bundesjagdgesetz 1450 Euro Bußgeld zahlen. Das Amtsgericht Neubrandenburg sprach den 38-Jährigen am Dienstag in einem Zivilprozess des vorsätzlichen Verstoßes gegen Abschussregelungen schuldig. Er sei unter anderem dafür verantwortlich, dass bei einer umstrittenen Großjagd am Ostufer der Müritz 2012 statt geplanter 160 mehr als 230 Stück Damwild geschossen worden waren, erklärte Richterin Birgit Hensellek. Zudem seien bei Jagden im Nationalpark deutlich mehr Rehe erlegt worden als vorgegeben. «Sie waren als Jagdleiter eingesetzt und damit für die Einhaltung des Jagdrechts verantwortlich», sagte Hensellek.

Der 38-Jährige erklärte, dass die Rot- und Damwildbestände trotz Jagd im Schutzgebiet wieder gestiegen seien. Dies sei schlecht für junge Bäume. Er hatte deshalb 2012 Großjagden mit bis zu 160 Schützen organisiert, die von Jägern als «blutiges Gemetzel» beschrieben wurden.

Nach Bekanntwerden von Vorwürfen hatte das Landesagrarministerium den Jagdchef von seinem Amt beurlaubt und versetzt. In der Folge wurde laut Ministerium zwar ein Großteil der Vorwürfe entkräftet. Trotzdem hatte das Kreisordnungsamt noch für sieben Verstöße insgesamt 5000 Euro Bußgeld verhängt. Dagegen hatte der Mann Widerspruch eingelegt, so dass es zum Zivilprozess kam.

Richterin Hensellek sprach den 38-Jährigen in vier von sieben Punkten schuldig. Der Verurteilte wertete die Vorwürfe als «Kampagne gegen meine Person». Er müsse nun damit leben, dass sein fachlicher Ruf beschädigt sei.

Im Prozess wurde deutlich, dass es seit Jahren immer wieder zu deutlichen Überschreitungen der geplanten Abschusszahlen im Nationalpark gekommen war, die durch nachträgliche Anträge des Amtes vom Ministerium genehmigt wurden. «Das ist gesetzwidrig», sagte Hensellek der zuständigen Ministeriumsmitarbeiterin.

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