Don King und seine Machtspielchen:

„Geronimos“ List lässt Brähmer kalt

Jürgen Brähmer soll zuerst einlaufen, fordert der US-amerikanische Promoter. Die Antwort auf die Provokation des Mannes mit der Starkstromfrisur gibt der Schweriner Boxer im Ring.

Da halfen auch seine Machtspielchen nichts: Als sein Schützling immer mehr Treffer von Jürgen Brähmer kassiert, bleibt Don King nur der nervöse Griff zur Zigarre.             
Heiko Brosin Da halfen auch seine Machtspielchen nichts: Als sein Schützling immer mehr Treffer von Jürgen Brähmer kassiert, bleibt Don King nur der nervöse Griff zur Zigarre.  

Wo Don King ist – egal ob im Cesars Palace von Las Vegas oder eben in der tiefsten Box-Provinz –, da ist die Show. Der Mann dreht einfach am Zeiger. Immer nach dem Motto: Der „König“ lässt die Puppen tanzen. Der Wahnsinn dabei: Der Mann bekommt seinen Willen. Alles tanzt nach seiner Pfeife!

Am Vorabend des WM-Kampfes zwischen Jürgen Brähmer und seinem Schützling Marcus Oliveira brach King einen Streit über die Handschuh-Marke vom Zaun. Und am Tag der Show im Jahnsportforum schrieb der Mann mit der Starkstromfrisur das Drehbuch des Kampfabends kurzerhand um. Sein Mann – der Menominee-Indianer mit dem Bärentatzen-Tatoo auf dem rechten Oberarm – sollte als Nummer eins der Weltrangliste als Erster in den Ring marschieren, vor Brähmer. Nicht mit Don King! Also, Brähmer vor Oliveira! Kriegslist, Nervenspiel oder Provokation – bei Don King ist von allem etwas dabei.

King spricht, Brähmer schlägt zu

Nur, seinem „Häuptling Geronimo“ (O-Ton King) half der Zirkus nichts – im Ring war es Jürgen Brähmer, der der den Takt angab, nach zwölf Runden einen klaren Punktsieg landete. „Die Spielchen vor dem Kampf – scheißegal. Wir hätten auch noch 45 Minuten warten können. Irgendwann musste er in den Ring kommen, anders geht es nun mal nicht“, scherzte ein gut aufgelegter Brähmer, dem das Comeback eindrucksvoll gelang. Nach zweieinhalb Jahren ist der Schweriner wieder auf dem Box-Thron. Sensationell. Im Kampf gegen den Indianer aus Wisconsin zeigte sich dabei ein gereifter Brähmer. Lange rechte Führhand, schnelle Beine und harte Linke – für Oliveira war das zuviel. „Brähmer war super“, lobte denn auch Box-Urgestein und Promoter Wilfried Sauerland. Und dessen Sohn Kalle, der die Geschäfte im Hause Sauerland weiterführt, wusste: „Das ist das Comeback des Jahres.“

"Ein Typ für die Massen"

Die Fans in Neubrandenburg haben jedenfalls ein neues Idol – Jürgen Brähmer hat sein neues „Wohnzimmer“ bezogen. Und der WBA-Champion im Halbschwergewicht ist ein Typ für die Massen, einer mit Ecken und Kanten, der auch Tiefschläge im Leben kassiert und weggesteckt hat. Für Kalle Sauerland ist der Kämpfer ein Beispiel dafür, wie Familie und Sport auch einen „Jungen Wilden“ wieder erden können. Und in der Stunde des Triumphes dachte der Faustkämpfer an die zwei wichtigsten Menschen in seinem Universum: Freundin Tatjana und Töchterchen Jasmin.

Gegen den Mann aus den USA, dessen indianischer Name mit „Der mit dem Licht geht“ übersetzt wird, trat Brähmer endgültig aus dem Schatten ins Rampenlicht. Mit ihm strahlte dort sein Trainer Karsten Röwer, der ihn perfekt eingestellt hatte und nur in Runde elf „um einige Jahre alterte“.

Gefallen hat das Ganze auch dem Mister Boxsport: „Ich bin ein Neubrandenburger“, ließ Don King verlauten. Und: „Das war die beste Show seit Jahren in Deutschland.“ Auch das kann er: Verlieren und trotzdem die dicke Lippe riskieren. Don King steht eben für Show.

„Wir kommen auf alle Fälle wieder!“

Dieses Versprechen machte Box-Promoter Kalle Sauerland nach einer gelungenen Brähmer-Show. Drei Gründe, warum das richtig ist.

Erstens: Jürgen Brähmer fühlt sich wohl im neuen „Wohnzimmer“, dessen Schlüssel er von Sebastian Sylvester übernommen hat.

Zweitens: Der Sauerland-Boxstall bekommt vom Team des Neubrandenburger Veranstaltungszentrums jede Unterstützung. Die fleißigen Bienen im Hintergrund sind mehr als WM-tauglich.

Drittens: das Publikum. Laut, emotional, schrill – in jedem Fall auch fair und sachkundig. Beispiel gefällig. Als im Vorkampf der Tunesier Soufiene Querghi um den verdienten Sieg gebracht wurde, zeigte die Halle Flagge: Ovationen für den Nordafrikaner.

Respekt! Die nächste Brähmer-Show kann kommen. Vorfreude ist angebracht.

 

Weiterführende Links