Fehlender Respekt:

Gewalt gegen Uniformierte nimmt zu

Beschimpfungen, Drohungen, tätliche Angriffe - einige Berufsgruppen sind im Dienst erheblichen zusätzlichen Belastungen ausgesetzt. Nicht nur Polizisten sind betroffen.

Polizisten tragen einen verletzten Kollegen fort. Auf Demonstrationen werden die Beamten immer häufiger angegriffen.
Malte Christians Polizisten tragen einen verletzten Kollegen fort. Auf Demonstrationen werden die Beamten immer häufiger angegriffen.

Von Respekt keine Spur: Uniformträger sehen sich nach Beobachtungen des Deutschen Beamtenbundes immer häufiger Attacken ausgesetzt. «Gewalttätigkeiten gegen sie nehmen eindeutig zu», sagte der dbb-Landesvorsitzende Dietmar Knecht. An erster Stelle richteten sie sich gegen Polizisten, aber auch Eisenbahner, Feuerwehrleute, Mitarbeiter von Ordnungsämtern und Jobcentern sowie Gerichtsvollzieher seien Gewalt ausgesetzt. "Wir haben erschreckenderweise eine Häufung bei Berufsgruppen, die helfen wollen, wie Feuerwehrleute und Rettungsdienste", sagte Knecht.

Die Betroffenen würden von Pöbeleien, aber auch von physischen Attacken berichten. Einen Dammbruch habe es offensichtlich beim G8-Gipfel 2007 in Heiligendamm gegeben, wo ein Löschzug mit Steinen beworfen wurde. Im September flogen in Parchim bei einem Löscheinsatz Eier auf Feuerwehrleute.

Beschimpfungen gehören fast zum Alltag

Auch die Gewerkschaft der Polizei (GdP) registriert immer wieder Angriffe auf Beamte. Beschimpfungen auf Streifengängen gehören schon fast zum Alltag, sagte der GdP-Landesvorsitzende Christian Schumacher. Einer Statistik des Landeskriminalamtes zufolge wurden im vergangenen Jahr 38 Fälle von Bedrohung erfasst, 76 Fälle von leichter und 30 Fälle von schwerer Körperverletzung. Zwei Mal lautete der Vorwurf auf versuchten Totschlag. In diesem Frühjahr schoss ein Mann in Rostock mit einer Gaspistole auf eine Polizeibeamtin. Im Grenzgebiet zu Polen schlug ein Mann 2012 zwei Polizisten nieder, stahl eine Dienstwaffe und ihren Streifenwagen.  

Auch in Ämtern sind Staatsbedienstete Gewaltdelikten ausgesetzt, etwa die Mitarbeiter von Jobcentern oder Sozialämtern sowie Gerichtsvollzieher. Nach dbb-Umfragen haben die Gewalttaten seit 2005 gegen Polizisten um etwa 5 Prozent, in Ämtern und bei Gerichtsvollziehern um 10 bis 12 Prozent zugenommen. Karina Arndt, Vorsitzende des Gerichtsvollzieherbunds Mecklenburg-Vorpommern, hat selbst schon Gewalt zu spüren bekommen. «Ich stand wegen einer Wohnungsräumung vor der Tür eines Schuldners, zusammen mit vier Männern. Die Tür ging auf, eine Faust flog raus, landete auf meinem Jochbein und die Tür ging zu», berichtete sie.

Forderung nach härteren Strafen

Eine Statistik über Gewalt gegen Staatsbedienstete wird nur für die Polizei geführt, nicht für andere Berufsgruppen. Vollständig ist sie zumindest bei verbaler Gewalt nicht. "Da wird nicht alles angezeigt", sagte Schumacher von der GdP. Auch bei der Regionaldirektion Nord der Bundesarbeitsagentur hieß es, es würden wohl nur Körperverletzungen und massive Drohungen angezeigt.

Die GdP fordere einen neuen Paragrafen 115 im Strafgesetzbuch, sagte Schumacher. Danach sollen Angriffe gegen Vollstreckungsbeamte - dazu zählen auch Richter und Gerichtsvollzieher - mit einer Freiheitsstrafe von mindestens drei Monaten geahndet werden. Bisher würden sie häufig als Bagatelldelikte abgetan.