Jagd im Nationalpark startet:

Geweihe für die Knopffabrik

Nach den umstrittenen Großjagden gibt es im Müritz-Nationalpark wieder Treibjagden. Ohne sie könnte der Wald nicht wachsen. Mehr als 2000 Tiere sollen geschossen werden. Was ist anders als vorher?

Die Jagdsaison im Müritz-Nationalpark hat wieder begonnen.
Bernd Wüstneck Die Jagdsaison im Müritz-Nationalpark hat wieder begonnen.

„Hoi, hoi, hoi“, ruft Jagdtreiber Siegfried Dobkowitz. Mit einer orangenen Weste läuft er mit Kollegen südlich von Goldenbaum (Kreis Mecklenburgische Seenplatte) durch den Wald. Auf Hochsitzen lauern 45 Jäger, auch Romanus Rensmann. Plötzlich flüchtet eine Rotte Wildschweine. Der Keiler will abseits ins Moor ausscheren. Rensmann zielt – und trifft: 54 Kilogramm bringt der schwarz-graue Keiler auf die Waage. Es ist wieder Jagdsaison im Müritz-Nationalpark.

Ein Jahr nach den umstrittenen Großjagden – Jäger sprachen von einem „blutigen Gemetzel“ – gibt es ein neues Konzept, das Matthias Puchta durchsetzen soll. Der 46-Jährige ist Leiter im Forstamt Neustrelitz und amtierend auch im Nationalpark. Gab es 2012 Jagden mit bis zu 160 Schützen, sind jetzt nur noch 45 Jäger dabei. „Das ist besser händelbar“, erläutert Puchta.

Sicherheit geht vor

Die Jäger tragen aus Sicherheitsgründen auffällig orangene Jacken. Bei einer kurzen Belehrung weist Puchta darauf hin, dass „Sicherheit vor Jagderfolg“ geht, Waffen nur bei der Jagd getragen werden und danach wieder ungeladen zum Auto zu bringen sind. Erst vor wenigen Tagen war bei Rostock ein Jäger verblutet, als er an einem Auto einen Schuss aus der Waffe eines Kollegen abbekommen hatte.

Etwa drei Stunden harren die Waidmänner auf den Hochsitzen aus, dann sammeln sie das erlegte Wild ein. Rensmann fährt mit Auto und Anhänger, auf dem der Keiler und Damwild liegen, zum Streckenplatz. Das Wild wird hier gewogen und dann auf einem Hänger gelagert, wo es kühl bleibt. Der Aufbau wurde extra für die Jagd im Nationalpark entwickelt. Das übliche „Strecke legen“ auf dem Waldboden findet nur noch symbolisch statt. „Wildbret ist auch ein Lebensmittel, und das ist auf den Hänger besser aufgehoben“, heißt es.

Manche Hirsche sind kopflos: „Die Trophäen bleiben hier. Die meisten Geweihe gehen später an Knopffabriken, einige Exemplare bekommen Museen“, erläutert eine Ministeriumsmitarbeiterin.

Nationalparks keine Inseln

Sechs Stunden nach dem Start sind viele Formulare ausgefüllt, alle 25 erlegten Tiere waidgerecht aufgebrochen und aufgehängt. „Knapp die Hälfte aller Jäger hatte Erfolg, ein Jäger ist mit drei erlegten Tieren der Beste“, erläutert Puchta. Vorwürfe, die Jagd sei in einem Nationalpark gar nicht nötig, weist er zurück: „Der Wildverbiss an jungen Bäumen wird zu groß, und die Landwirte im Umfeld des Schutzgebietes haben sonst enorm große Schäden.“

Für den Landesjagdverband ist klar: Die Nationalparks sind keine Inseln, sie liegen innerhalb gewachsener Kulturlandschaften, Landwirte im Umfeld müssen auch damit klarkommen. „Das neue Jagdkonzept ist in Ordnung, man muss aber sehen, ob die Abschusspläne so erfüllt werden“, erklärt Henning Vogt, der den Jägerlehrhof des Verbandes leitet.

Auf den 25 000 Hektar Jagdfläche sollen 215 Rot- und 1099 Damhirsche geschossen werden, dazu 660 Rehe und 335 Wildschweine. 40 Prozent der Tiere sollen bei 16 Drückjagden, die anderen bis Ende Januar bei Einzeljagden erlegt werden. „Und das soll möglichst unspektakulär laufen“, betont Puchta. Vom 21. November an sind wieder Drückjagden bei Langhagen und Babke geplant.

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Kommentare (1)

wie man sieht geht es nicht um den Wald sondern nur ums Geld. Jäger reden von Lebensmitteln und Knöpfe. Wer will sich denn mit einem Stück Kadaver an der Kleidung schmücken ausser Jäger oder ein paar zurückgebliebene Dorftrottel? Der Wald wächst wunderbar ohne Jäger, allerdings vielleicht nicht so wie es Förster gerne hätten. Diese haben gerne gerade Stämme ohne viel Blattwerk. Rehe, Hirsche sorgen dafür das der Wald in die Breite wächst und viel Blattwerk erzeugt. Für den Förster ärgerlich, für die Umwelt aber umso besser. Denn nur Blätter bilden den für die Ozonschicht nötigen Sauerstoff durch Abbau von CO2. Das nennt man übrigens Photosynthese. Jäger als biologische Waldschrate wissen das nicht. Wiki hilft diesen Bildungsmangel zu beseitigen. Das ist demnach kein Nationalpark sondern eine Wildmassentierhaltungsanlage. Wieviele Tiere sind diesmal mit Schussverletzungen verendet? Nur 40% aller Schüsse sind sofort tödlich. Das sollten die Leser wissen. Die zahlen stammen übrigens von den Jägern selbst.