Tipps für Autofahrer:

Gleise leer, Straßen voll - Stau-Stress zu Pfingsten

Autofahrer trifft es am Wochenende hart. Wegen des Bahnstreiks dürfte es auf nahezu allen Autobahnen eng werden. Tipps für die Reise.

Wenn die Bahn nicht fährt, kann sich der Verkehr an den neuralgischen Stellen – hier in Wolgast vor der Insel Usedom – auch im Nordosten mal ordentlich stauen.
Stefan Sauer Wenn die Bahn nicht fährt, kann sich der Verkehr an den neuralgischen Stellen – hier in Wolgast vor der Insel Usedom – auch im Nordosten mal ordentlich stauen.

„Die Akzeptanz ist aufgebraucht“, sagt Tobias Woitendorf vom Tourismusverband Meckenburg-Vorpommern angesichts des zu erwartenden Bahnstreiks über die Pfingstfeiertage. Am kommenden, langen Wochenende würden rund 250 000 Gäste erwartet. Der Anteil der Bahnreisenden betrage etwa zehn Prozent, so das sich im Moment rund 25 000 MV-Urlauber Gedanken machen würden, „wie“ oder – im schlimmsten Fall – „ob“ sie überhaupt anreisen können. Woitendorf geht von „handfesten Schäden“ für die hiesige Tourismuswirtschaft aus.

Und das gelte nicht nur für die Pfingstfeiertage. Langfristig befürchtet der Mann vom Tourismusverband, dass das Vertrauen in das Fortbewegungsmittel Bahn so weit schwindet, dass sich potenzielle Urlauber zum Beispiel in Berlin oder Hamburg überlegen, ob sie den Zug zu einem Ziel in Mecklenburg-Vorpommen nehmen oder lieber das Rad in die nähere Umgebung beziehungsweise den Billigflieger nach weiter weg.

Sonne für Urlauber wichtiger als Streik

Im Moment rechnen die Touristiker mit einer Auslastung von etwas über 80 Prozent, und zwar in allen Arten von Quartieren und in allen Regionen, wie Woitendorf betont. Also auf Campingplätzen im Binnenland genau so wie in den Hotels an der Ostseeküste. Spielt das Wetter mit, könnten aus den 250 000 Gästen am Wochenende allerdings auch noch 300 000 werden. Denn nach den Erfahrungen des Fachmannes spielt die Sonne für die Urlauber eine größere Rolle als ein Bahnstreik.

Anet Hoppe von der Tourismus Marketing Uckermark geht davon aus, dass alle Gäste, die gebucht haben, auch erscheinen werden. Zwar würden den Urlaubern die öffentlichen Verkehrsmittel ans Herz gelegt, in der Regel würden die meisten jedoch mit dem eigenen Auto anreisen, um die Region auf eigene Faust erkunden zu können.

Allerdings habe es auch schon Anfragen von Gästen gegeben, die ursprünglich vor hatten, mit der Bahn zu kommen. „Wir können trotzdem allen eine Lösung anbieten“, sagt Anet Hoppe, denn neben der Bahn gebe es ja auch noch andere Optionen.

Im Nordosten vor allem die A 11 und A 19 betroffen

Wer sich dabei für das Auto entscheidet, muss allerdings mit Staus rechnen, die auf Grund des Bahnstreiks vermutlich extra heftig ausfallen werden. „Sicher ist: Die Staus werden früher beginnen und länger dauern“, sagt Katja Legner vom ADAC.

Dabei sei der Verkehr am Freitag und am Samstag am dichtesten. „Wenn es möglich ist, sollten Reisende den Urlaub verlängern und entspannt am Sonntag anreisen“, sagt Legner. Die ADAC-Sprecherin geht davon aus, dass sich die Verkehrslage bis dahin beruhigt hat.

Auf Ausweichrouten neue Orte erkunden

Wer am Freitag und am Sonnabend mit dem Pkw anreist, sei dem Stau nahezu ausgeliefert. Überlastete Autobahnen über Landstraßen zu umfahren oder auf andere Routen auszuweichen, helfe kaum. Laut Katja Legner ist es zwar besser für die Psyche, wenn das Auto in Bewegung ist. Aber eine Umfahrung lohnt sich nicht, weil viele Autofahrer dieselbe Idee haben und Navigationssysteme häufig dieselben Ausweichrouten vorschlagen.

Am entspanntesten kommen Autofahrer durch, wenn sie den Stau nicht als Problem, sondern „als Teil des Urlaubs begreifen“, sagt Legner. Man kann den Stillstand nutzen – etwa, um Pausen auf Rastplätzen zu machen und Zeit mit der Familie zu verbringen. Oder Fahrer weichen auf andere Routen aus, um Orte zu erkunden, die sie nicht kennen.

Mit den größten Staus ist vor allem im Süden zu rechnen, da in Bayern und Baden-Württemberg die zweiwöchigen Pfingstferien beginnen. Behinderungen erwartet der ADAC aber auf fast allen Autobahnen – in einigen Bundesländern ist nach dem Pfingstmontag noch ein Tag schulfrei.
Im Nordosten sind vor allem die A 11 und A 19 betroffen. Am Pfingstmontag sei dann ein „starker Rückreiseverkehr“ zu erwarten. Wer nicht am Sonntag losfahren kann, sollte laut Automobilclub samstags sehr früh oder erst am späten Nachmittag die Reise antreten.