Von Südeuropa nach MV:

Griechen schnappen sich Ausbildungsplätze

Weg aus der Krise in Südeuropa, rein in eine berufliche Zukunft in Deutschland? 500 Jugendliche aus Südeuropa haben 2014 eine Ausbildung in MV begonnen. Junge Frauen wie etwa Christina aus Korfu sind hochmotiviert.

Azubi Christina Georgota
Stefan Sauer Christina Georgota aus Griechenland ist für ihre Ausbildung weit gereist.

Christina Georgota streift sich die weißen Stoffhandschuhe über. Dann deckt die 19-Jährige unter dem kritischen Blick von Ausbildungsleiter Bodo Zimiak den Hoteltisch ein. Nach einem dreimonatigen Praktikum hat die Griechin Anfang September im Arkona Strandhotel in Binz auf Rügen mit der Ausbildung zur Hotelfachfrau begonnen - rund 1700 Kilometer von ihrer Heimat, der Insel Korfu, entfernt. Leicht fiel ihr dieser Schritt nicht. "Ich habe hier bessere Chancen", sagt die junge Frau. Die Lage in Griechenland sei schwierig. Um nicht arbeitslos zu bleiben, sei sie nach Deutschland gegangen.

Die Lehre wird durch Sonderprogramm finanziert

Wie Christina haben 496 weitere junge Menschen aus Spanien, Griechenland, Portugal oder Kroatien im September eine Berufsausbildung in Mecklenburg-Vorpommern begonnen. Die Lehre wird über das Sonderprogramm "MobiPro EU" finanziert, das die Bundesregierung Anfang 2013 gegen die hohe Jugendarbeitslosigkeit in anderen EU-Staaten und zur Sicherung des Fachkräftebedarfs in Deutschland aufgelegt hatte.

Christina und ihr griechischer Azubi-Kollege Georgius Mavridis gehören zum zweiten Jahrgang ausländischer Azubis in MV. Im Vergleich zu 2013 sind die Zahlen deutlich angestiegen. Vor einem Jahr begannen knapp 300 Südeuropäer. Einige von ihnen haben den Neustart fern der Heimat abgebrochen und sind zurückgekehrt. Das Heimweh sei groß, räumt auch Christina ein. Viele Telefonate mit den Verwandten auf Korfu helfen. Auch das Zusammenleben mit vier anderen griechische Azubis in einer gemeinsamen WG in Sassnitz.

Gaststättenbranche begrüßt das Bundesporgramm

Die Hotel- und Gaststättenbranche in MV sucht händeringend nach Auszubildenden und begrüßt das Bundesprogramm. Es sei ein zusätzlicher Baustein, um die Fachkräftesituation und die Lage auf dem Ausbildungsmarkt zu entspannen, sagt Dehoga-Sprecher Matthias Dettmann.  

Doch lösen werden die ausländischen Jugendlichen das Fachkräfte-Problem der Branche kaum: Allein im Arbeitsagenturbezirk Stralsund konnten in diesem Jahr von den 664 Ausbildungsplätzen in der Hotelbranche bislang nur 363 besetzt werden. "Mehr als jeder zweite Ausbildungsplatz als Koch, Hotelfachmann oder Restaurantfachfrau bleibt damit voraussichtlich zwischen Rügen, Stralsund und Darß leer", sagt Agentursprecher Christian Glaser. Vielen gilt der Beruf inzwischen als unattraktiv: Die Löhne sind trotz zuletzt deutlicher Tarifsteigerungen und des Mindestlohnes ab 2015 gering. Auch die Arbeitszeiten schrecken junge Leute ab.

380 Mitarbeiter aus 14 Nationen

In den drei Rügener Hotels der Private Palace-Gruppe blieben in diesem Jahr von 40 neu zu besetzenden Ausbildungsstellen 29 unbesetzt. Neun der neuen Azubis kommen aus südeuropäischen Ländern, nur zwei aus Deutschland. "Die Situation hat sich in den vergangenen zwei Jahren drastisch verändert", sagt Personalchefin Rachel Armstrong.

Der Ausbildungsmarkt in MV habe sich in den vergangenen Jahren zum Bewerbermarkt gewandelt, sagt Thomas Letixerant von der Bundesagentur für Arbeit in Kiel. Welche Auswirkungen der fehlende Nachwuchs für die Branche in fünf bis zehn Jahren haben wird, ist bislang nicht absehbar. "Wir müssen internationaler werden", sagt Hotelsprecherin Gudrun Benedict. Schon jetzt stammen die 380 Mitarbeiter der Hotelgruppe aus 14 Nationen.

Ausländische Azubis sind motivierter

Ausbildungsleiter Bodo Zimiak ist mit seinen ausländischen Azubis sehr zufrieden. "Sie unterscheiden sich von vielen Deutschen. Man merkt, dass sie die Lehre unbedingt machen wollen", sagt er. Gerne würde die Hotelleitung die jungen Griechen auf der Insel Rügen halten. Doch Christina und Georgius planen, nach der Ausbildung wieder in ihre Heimat zurückzukehren. Vieles werde auch davon abhängen, wie heimisch sie in den nächsten Jahren auf der Insel Rügen werden.

"Wer den kalten Winter übersteht, schafft auch die drei Jahre", sagt Klaus Lehnert von der Deutschen Angestellten-Akademie. Als sogenannte "Kümmerer" betreut das Bildungsinstitut allein auf der Insel Rügen 60 ausländische Azubis. Einmal in der Woche helfen die Betreuer den jungen Leuten bei der Organisation von behördlichen Angelegenheiten. Das Bildungsinstitut sieht sich als Schnittstelle zwischen Arbeitgeber, Azubi und Arbeitsagentur, über die das Programm angeboten wird. Gerade musste Klaus Lehnert "Feuerwehr" spielen - die jungen Griechen hatten sich nichtsahnend drei Tage vor Monatsende eine Monatskarte vom Rügener Nahverkehr für 80 Euro verkaufen lassen. Lehnert konnte das Problem lösen und die Monatskarten zurückgeben.

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