Debatte um Ozeaneum-Anbau:

Größtes Aquarium steht noch auf dem Prüfstand

Mit einem Fassungsvermögen von 15 Millionen Litern Wasser soll der geplante Erweiterungsbau des Stralsunder Ozeaneums Deutschlands größtes Aquarium werden. Doch Kritiker warnen vor den Risiken.

Das Ozeaneum soll einen Anbau erhalten. Noch sind die Pläne aber umstritten.
Stefan Sauer Das Ozeaneum soll einen Anbau erhalten. Noch sind die Pläne aber umstritten.

Der Gast betritt die Hotellobby und blickt in den Atlantik. Hinter einer 40 Zentimeter starken Acrylwand am Empfang ziehen Haie, Rochen und riesige Congeraale ihre Runden. Und sogar im Wohnbereich nobler Hotel-Suiten öffnet sich den Gästen der Blick auf Thunfische und einen großen Makrelenschwarm. Noch ist dies alles nur eine Vision, aber hinter den Kulissen des Stralsunder Ozeaneums wird bereits kräftig spekuliert, geplant und gerechnet. Auf der Suche nach geeigneten Tieren haben Museumsmitarbeiter inzwischen schon Forscher auf den Azoren besucht und gemeinsamen Erkundungstauchgänge unternommen.

Gut 15 Monate nach der Veröffentlichung der spektakulären Pläne für eine mögliche Erweiterung des Ozeaneums könnte in Kürze eine wichtige Vorentscheidung zum Bau des auf 40 Millionen Euro geschätzten Mega-Aquariums fallen. Schon in zwei Wochen soll dem Verwaltungsrat des Meeresmuseums eine mit Spannung erwartete Machbarkeitsstudie vorgelegt werden. Das Papier dürfte ausschlaggebend dafür sein, ob und wenn ja, wie das Projekt Ozeaneum-Erweiterung realisiert wird.

Erstellt wird die 80 000 Euro teure Studie von der Hamburger Agentur Futour Wenzel. Geprüft wurde, inwiefern sich eine weitere maritime Ausstellung dieses Ausmaßes über einen längeren Zeitraum effektiv betreiben lasse. Auf Wunsch von Bundes- und Landesregierung wurde der Bewertungszeitraum von fünf auf 20 Jahre ausgedehnt. Über die Ergebnisse werde vorerst nur der Auftraggeber, also das Meeresmuseum, informiert.

Ein zusätzliches Riesenaquarium, installiert zwischen zwei historischen Speichergebäuden auf der Stralsunder Hafeninsel, dürfte zweifelsfrei einen neuerlichen Gästeboom auslösen und das Deutsche Meeresmuseum möglicherweise in der Liste der meistbesuchten Ausstellungen Deutschlands ganz an die Spitze katapultieren. Allerdings, so warnen Kritiker, würde das ambitionierte Projekt auch enorme Betriebs- und Energiekosten verursachen, die nur über zusätzliche oder erhöhte Eintrittsgelder zu finanzieren seien.