Nach Wahl-Niederlage:

Grüne schließen ihre Wahlkreisbüros auf dem Land

Bei der Landtagswahl rutschte die Partei unter die Fünf-Prozent-Hürde. Nun werden erste Konsequenzen gezogen, angefangen in Anklam.

Silke Gajek, Spitzenkandidatin der Grünen
Michael Kappeler Silke Gajek, Spitzenkandidatin der Grünen

Nach dem Ausscheiden aus dem Landtag schließen die Grünen landesweit mehrere Wahlkreisbüros. Als erstes macht am Mittwoch das Büro in Anklam dicht. Auch Büros in Güstrow und Ludwigslust sollen nach Angaben des Grünen-Landesverbandes aufgegeben werden. Unklar ist bislang auch, wie es für die Büros in Schwerin, Wismar, Rostock, Neubrandenburg, Stralsund und Greifswald weitergeht. Für diese würden bis Ende des Monats Finanzierungskonzepte erarbeitet, sagte Landesgeschäftsführer Ole Krüger. Ein Weiterbetrieb der Büros werde als realistisch eingeschätzt – teilweise jedoch in kleinerer Form und mit verringerter Besetzung.

Mit dem Landtags-Aus fallen neben den Fraktionszuschüssen auch die Diäten und Kostenpauschalen der Abgeordneten weg. Aus den Kostenpauschalen von rund 1300 Euro haben die Abgeordneten die Arbeit der Wahlkreisbüros finanziert.

Die frühere vorpommersche Grünen-Abgeordnete Ulrike Berger bedauerte die Schließung ihres Wahlkreisbüros in Anklam. "Wir haben mit viel Engagement und Herzblut den "Grünen Freiraum" aufgebaut und betrieben und blicken darum auch sehr wehmütig auf die vergangenen vier Jahre zurück." Das hohe Wahlergebnis von AfD und NPD in Anklam sei ihr unverständlich. In der Peenestadt entfielen 26,2 Prozent der Zweitstimmen auf die AfD, 9,3 Prozent auf die NPD. Die Grünen kamen in Anklam auf 1,7 Prozent.

Kämpferisch trotz Schlappe

Dennoch gibt sich die Partei nach der Wahlschlappe kämpferisch. Die Schließung von Wahlkreisbüros bedeute nicht, dass sich die Grünen aus den ländlichen Regionen zurückziehen, sagte Landesgeschäftsführer Ole Krüger. Die Partei wolle mit den Menschen vor Ort im Gespräch bleiben und sich dort noch stärker für grüne Konzepte einsetzen.

Die Grünen verpassten mit 4,8 Prozent den Wiedereinzug in den Landtag. Schuld daran sei unter anderem die Politik der im Land regierenden großen Koalition aus SPD und CDU, die Stillstand bedeute und die ländlichen Räume vernachlässige, sagte die Grünen-Spitzenkandidatin Silke Gajek kurz nach der Wahl. "Gerade die Menschen in der Fläche haben Protest gewählt." Dort fühlten die Menschen sich abgehängt.

Weitere Gründe sieht Gajek in einem wenig inhaltlichen "Ferienwahlkampf" und der Abwanderung von Grünen-Wählern zur SPD, die einen Wahlsieg der AfD hätten verhindern wollen.