Sandsturm auf der A 19:

Gutachten soll Klarheit über Massenkarambolage bringen

Mit Spannung wurde auf das Hauptgutachten der Dekra gewartet, das endlich mehr Aufschluss über den Hergang des verheerenden Sandsturm-Unfalls auf der A19 geben sollte. Doch das Urteil der Verteidigung fällt im Anschluss nüchtern aus.

An dem Unfall auf der Autobahn 19 waren mehr als 80 Fahrzeuge beteiligt, acht Menschen starben.
Bernd Wüstneck An dem Unfall auf der Autobahn 19 waren mehr als 80 Fahrzeuge beteiligt, acht Menschen starben.

Im Rostocker Prozess um die Massenkarambolage im Sandsturm auf der Autobahn 19 haben die Dekra-Gutachter mit der Vorstellung des ersten Teils ihres Hauptgutachtens begonnen. Dabei schilderten sie am Mittwoch im Amtsgericht zunächst, wie mehrere Autos zu Beginn der Karambolage ineinander fuhren oder wie eines der beteiligten Wagen unter einen Sattelaufleger geschoben wurde. Eine direkte Aussage zum Unfallgeschehen, in das die 54-jährige angeklagte Brandenburgerin verwickelt ist, ließ sich aus Sicht ihres Verteidigers dem Vortrag nicht entnehmen.

Die Gutachter machten in ihrem Vortrag jedoch klar, wie komplex das Geschehen an diesem 8. April 2011 südlich von Rostock war. Innerhalb kürzester Zeit prallten die Autos teils mehrmals aufeinander. An dem Unfall waren mehr als 80 Fahrzeuge beteiligt, acht Menschen starben. Am kommenden Mittwoch soll nun im Gericht die Zeit des Unfalls aufgearbeitet werden, in der die Angeklagte in den Sandsturm hineinfuhr. Dabei ist sie laut Anklage auf ein Auto aufgefahren, in dem ein Ehepaar starb.

Angeklagte hatte selbst schwerste Verletzungen erlitten

Die Frau soll bei der Annäherung ihr Tempo nicht angepasst haben, obwohl die Wolke bereits aus einer Distanz aus mindestens 650 Metern zu sehen gewesen sei. Die Brandenburgerin bestreitet dies, die Wolke war nach ihrer Aussage urplötzlich aufgetaucht.

Sie hatte einen Strafbefehl über neun Monate Haft erhalten und war dagegen vorgegangen. Wie der Verteidiger am Mittwoch sagte, kam vom Gericht zwischenzeitlich das Angebot, den seit Januar laufenden Prozess gegen die Zahlung einer Geldbuße von maximal 3000 Euro einzustellen. Die Angeklagte hätte dem zugestimmt. Das hätte ihre Lebenssituation erheblich verbessert, da sie bei dem Unfall selbst schwerste Verletzungen erlitten hatte und noch darunter leide.

Allerdings hatte die Staatsanwältin die Einstellung abgelehnt. Wie sie am Mittwoch sagte, ist dies bei dem jetzigen Stand des Verfahrens nicht angezeigt. Die Einstellung setze eine geringe Schuld voraus. „Die vermag ich hier nicht zu erkennen“, sagte sie. Sie verwies auch auf ihrer Meinung nach vergleichbare Fälle, bei denen die Beschuldigten die Strafen akzeptierten.

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