Gefangen im Kreislauf:

Hartz IV zu entkommen ist schwer

Knapp 40 000 Menschen 
in MV beziehen Arbeitslosengeld II. Längst nicht alle sind arbeitslos. Ein Job allein hilft aber nicht weiter.

Trotz eines Jobs kommt bei vielen einfach nicht genug Geld herum.
dpa Trotz eines Jobs kommt bei vielen einfach nicht genug Geld herum.

In knapp zwei Wochen geht es wieder los. Dann packt Thomas Müller* seine Sachen, setzt sich in sein Auto, fährt Hunderte Kilometer „in den Westen“. Eine in Bayern sitzende Spedition hat sich die Dienste des über 50-jährigen gesichert – zumindest vorläufig. „Der Vertrag läuft bis zum Ende des Jahres, immerhin. Wird er nicht verlängert, sitze ich danach aber wieder voll drin in der Falle“, so Müller. Die „Falle“ meint Hartz IV. Seit Anfang der der 2000er-Jahre rudert Müller im Strudel jener Arbeitsmarktreform, die ihre Macher bis heute als großen Erfolg verbuchen. Einen Ausweg hat er bislang nicht gefunden.

Mehr als 1000 Euro brutto waren selten

Gearbeitet aber schon. Immer wieder setzte sich der ehemalig selbstständige KFZ-Meister auf „den Bock“, fuhr für Speditionen im nationalen und internationalen Warenverkehr. „Mehr als 1000 Euro Brutto bei bis zu 250 Arbeitsstunden ist aber selten bei rumgekommen“, so Müller. Der Kraftfahrer wurde arm trotz Arbeit und rutschte so in Hartz IV. Zunächst während der Zeit ohne Job, später auch mit Beschäftigung als sogenannter Aufstocker. Seine Bilanz: „Man fühlt sich als Bittsteller, wird behandelt wie ein Mensch zweiter Klasse.“ Sein Groll richtet sich dabei nicht gegen den einzelnen Mitarbeiter im Jobcenter. „Die machen auch nur ihre Arbeit“. Müller geht es ums System. „Das Individuum bleibt vollkommen auf der Strecke, sie werden zu einer Nummer und auch der Grundsatz des ‚Fordern und Fördern’ ist eingeschlafen.“

"Es geht gar nicht mehr darum, die Leute zu vermitteln"

Dass hinsichtlich der Wiedereingliederung von Arbeitslosen längst nicht alles zum Besten steht, hatte zuletzt die Arbeitsagentur selbst einräumen müssen. So waren im Jahr 2014 etwa 24 Millionen Euro in die Verwaltung geflossen, die ursprünglich für die Erhöhung der Chancen Arbeitsloser auf eine neue Stelle eingeplant waren. Auch das Sozialministerium des Landes hatte das kritisiert.

Thomas Müller wiederum bestätigen Nachrichten wie diese nur in seiner Meinung: „Es geht gar nicht mehr darum, die Leute zu vermitteln. Es geht in Wirklichkeit darum, ihnen etwas aufs  Auge zu drücken und später dann die Leistung zu kürzen.“ Er selbst habe bereits mehrere Maßnahmen mit Titeln wie „Allianz 50+“ hinter sich gebracht, „für nichts und wieder nichts. Echte Stellen gibt es aber gar nicht, das wird einem nur vorgegaukelt“, wettert er.

Sein neuer Job beweist im Moment zwar das Gegenteil, wenn es ganz schlecht läuft, muss er sich aber bereits im Januar wieder beim Jobcenter melden. Der Strudel Hartz IV, er würde Thomas Müller dann wieder mit ganzer Macht erfassen.

*Name von der Redaktion geändert

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