Polizei vermutet rechtsextremen Hintergrund:

Haus von Neonazi-Gegnern in Jamel angezündet

Seit Jahren ist das Künstlerpaar Lohmeyer im westmecklenburgischen Dörfchen Jamel Anfeindungen durch Rechtsextremisten ausgesetzt. Jetzt brannte ihre Scheune nieder. Bei der Ursachenermittlung ist auch der Staatsschutz einbezogen.

Bei dem Feuer auf dem Hof der Lohmeyers ist die Scheune zerstört worden. Die Polizei geht von Brandstiftung aus.
Horst Lohmeyer Bei dem Feuer auf dem Hof der Lohmeyers ist die Scheune zerstört worden. Die Polizei geht von Brandstiftung aus.

„Wir sind schockiert, machen aber weiter“, sagt Birgit Lohmeyer, dann muss sie zur Zeugenvernehmung. Wenige Stunden zuvor ist auf dem Grundstück der Familie eine leer stehende Scheune bis auf die Grundmauern abgebrannt, nur wenige Meter vom Wohnhaus entfernt. Die Trümmer rauchen noch im kleinen Jamel bei Wismar, Polizei- und Feuerwehrautos säumen die Wege, ein Hubschrauber macht Luftaufnahmen. Verletzt wurde niemand.

„Wir gehen von vorsätzlicher Brandstiftung mit rechtsextremen Hintergrund aus“, sagt Heiko Tesch, Vize-Chef des Polizeireviers Wismar. Und Bernd Lohmeyer ergänzt: „Es handelt sich wohl um eine direkte Reaktion auf die kürzlich bekannt gegebene Verleihung des Georg-Leber-Preises für Zivilcourage an uns“, erklärte er.

Das Paar wird nach eigenen Angaben seit seinem Zuzug 2004 von rechtsextremen Dorfbewohnern gemobbt. Die Auseinandersetzung habe nun aber „eine andere, lebensgefährliche Qualität“ erlangt, so Lohmeyer.

Dass nichts Schlimmeres passierte und die schnell herbeigerufene Feuerwehr ein Übergreifen der Flammen auf das nur etwa sechs Meter entfernte Wohnhaus verhindern konnte, ist wohl nur einem Zufall geschuldet. „Ein Gast, der mit seiner Familie in unserer Ferienwohnung Urlaub macht, war mit seinen Kindern noch spät draußen, um nach Sternschnuppen Ausschau zu halten. Er hat die Flammen bemerkt und Alarm geschlagen“, sagte Lohmeyer.

Der Mann habe kurz zuvor auch einen Unbekannten bemerkt, der zügig das Grundstück verließ. Dass trotz hellen Feuerscheins und lauter Sirenen dann um Mitternacht in keinem der anderen, von Rechtsextremen bewohnten Häusern ein Licht angegangen sei, wertet Birgit Lohmeyer als Indiz dafür, dass man dort von dem Feuer offenbar nicht überrascht wurde.

Als Reaktion auf fortwährende Anfeindungen hatten Birgit und Horst Lohmeyer 2007 in dem von Neonazis dominierten Dorf das Festival für Toleranz und Demokratie „Jamel rockt den Förster“ ins Leben gerufen. Die neunte Auflage der nichtkommerziellen Musikveranstaltung ist für den 28. und 29. August auf dem alten Forsthof geplant. Dann soll auch der mit 10 000 Euro dotierte Georg-Leber-Preis für Zivilcourage der Gewerkschaft IG Bau überreicht werden. Das aus Hamburg stammende Ehepaar Lohmeyer war zuvor bereits mit dem Paul-Spiegel-Zivilcourage-Preis des Zentralrats der Juden in Deutschland und dem Bürgerpreis der deutschen Zeitungen geehrt worden.

Die Polizei hält laut Vize-Revierleiter Tesch seit Langem einen „permanenten Draht“ zu der Familie. Auch er bestätigt fortgesetzte Anfeindungen. „Das ist eine neue Eskalationsstufe.“ Zuvor gab es eine tote Ratte im Briefkasten, Schmähungen, Anzeigen, Nötigungen durch abrupt bremsende Autos auf der Dorfstraße, zerstochene Reifen. Auffällig dabei: Oft war das gerade dann der Fall, wenn eine Preisverleihung ins Haus stand. Die Polizei hat nun nach dem Brand nun sogar eine Ermittlungsgruppe eingesetzt, der Staatsschutz ist eingeschaltet, sagt Tesch, während von den anderen Dorfbewohnern nur wenig zu sehen ist. Ein paar Kinder spielen in den Vorgärten, Hunde bellen.

Die frühere Präsidentin des Zentralrats, Charlotte Knobloch, reagierte unterdessen entsetzt: „Sollte sich diese Tat als eine politisch motivierte Aktion von Rechtsextremisten herausstellen, so wäre das ein erneuter fürchterlicher Beweis dafür, wie brandgefährlich im wahrsten Sinn des Wortes alte und neue Nazis sind.“

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