Forschungsprojekt startet:

Heilen mit Körperfett

Im menschlichen Fett steckt medizinisches Potenzial. Eine kleine Schweriner Firma will die Ressource nutzbar machen.

Bernd Lindner ist Geschäftsführer der human med AG in Schwerin. Das Medizintechnikunternehmen entwickelt gemeinsam mit der Universität Rostock weitere Einsatzgebiete für den intelligenten Wasserstrahl. Neben chirurgischen Eingriffen und herkömmlichem Fettabsaugen könnten die Geräte zukünftig auch bei der Wundheilung oder beim Brustaufbau nach Krebsoperationen eingesetzt werden.
Jens Büttner Bernd Lindner ist Geschäftsführer der human med AG in Schwerin. Das Medizintechnikunternehmen entwickelt gemeinsam mit der Universität Rostock weitere Einsatzgebiete für den intelligenten Wasserstrahl. Neben chirurgischen Eingriffen und herkömmlichem Fettabsaugen könnten die Geräte zukünftig auch bei der Wundheilung oder beim Brustaufbau nach Krebsoperationen eingesetzt werden.

Für die Gewinnung und den Einsatz körpereigener Fettzellen in der plastischen Chirurgie und anderen Medizinbereichen werden in Schwerin neue Techniksysteme entwickelt. Sie basieren auf der Wasserstrahltechnik, die bereits seit Längerem bei chirurgischen Eingriffen und bei der herkömmlichen Fettabsaugung zum Einsatz kommt. Bislang sei es vor allem darum gegangen, unerwünschtes Fettgewebe zu entfernen. „Erst in jüngerer Zeit wurde der große klinische Nutzen des abgesaugten Fettgewebes entdeckt“, erläuterte Projektleiterin Inge Matthiesen von der human med AG am Mittwoch in Schwerin den Grund für den Bau neuer Geräte.

Das gemeinsame Forschungsprojekt der human med AG Schwerin und Wissenschaftlern der Universität Rostock wird vom Land mit 1,3 Millionen Euro an EU-Mitteln gefördert. Damit übernimmt der Staat bei Gesamtkosten von knapp 1,7 Millionen Euro den Großteil der Investitionen. Das neue, mobile Medizingerät solle zusätzliche Therapiemöglichkeiten in der Krankenversorgung eröffnen, erklärte Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) bei der Übergabe des Förderbescheides.

Eine natürliche Alternative zu Silikon-Kissen

Mit Hilfe der neuen Gerätegeneration soll das gewonnene Körperfett gleich so aufbereitet werden, dass es sofort wieder zu medizinischen Zwecken eingesetzt werden kann. So gebe es bereits Erfolge bei der Wundheilung bei Diabetikern oder bei der Regeneration von Hautpartien nach Verbrennungen, sagte Matthiesen. Körpereigenes Fettgewebe könne auch beim Brustaufbau nach Krebsoperationen eingesetzt werden und sei so eine natürliche Alternative zu Silikon-Kissen.

Vielversprechend sei auch der Einsatz der im Körperfett in vergleichsweise großer Menge enthaltenen Stammzellen. Doch da seien die Forschungen im Ausland schon deutlich weiter als in Deutschland, erläuterte Matthiesen. Nach Angaben von Firmenchef Bernd Lindner sollen nach erfolgreichen Tests die neuen Geräte voraussichtlich Ende 2014 in Serie gehen und weltweit vertrieben werden.

Glawe äußerte die Gewissheit, dass die seit 2008 gewährte Förderung gemeinsamer Forschungsprojekte mittelständischer Firmen und Hochschulen im Land die Entwicklung neuer, marktfähiger Produkte und Verfahren voranbringt.

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