Keine Hysterie in MV:

Heimische Vermieter lassen den Rauchern ihr Laster

Nase rümpfen ja, aber gleich anklagen? Während andernorts die Streitigkeiten wegen stinkender Glimmstängel Gerichte beschäftigen, setzten Vermieter im Land auf das gesprochene Wort.

Noch vor 30 Jahren war das Rauchen allgegenwärtig. In Kneipen, im Uni-Hörsaal und Zugabteilen qualmten viele. Das hat sich geändert.
Karl-Josef Hildenbrand Noch vor 30 Jahren war das Rauchen allgegenwärtig. In Kneipen, im Uni-Hörsaal und Zugabteilen qualmten viele. Das hat sich geändert.

„Einzelfälle“, „ganz selten“, „höchstens alles zwei bis drei Jahre mal“. Nicht nur die Antworten gleichen sich, sondern auch die Verwunderung, mit der hiesige Vermieter wie Justiziare auf die derzeit für Schlagzeilen sorgenden Gerichtsverfahren zwischen Rauchern und Nichtrauchern schauen. Die Hysterie um die glühenden Stummel lässt den Nordosten bisher scheinbar kalt.  

„Zumindest noch“, gibt Sascha Ott, Direktor des Anklamer Amtsgerichts zu bedenken. „Eigentlich erstaunt mich die Gelassenheit schon ein wenig, ich hätte mir einen größeren Rücklauf nach dem Düsseldorfer Urteil erwartet.“ Dort hatte das Amtsgericht vor wenigen Wochen die fristlose Kündigung der Wohnung eines Rauchers bestätigt, der 40  Jahre lang in seiner Wohnung gelebt – und geraucht hatte. Die Berufungsverhandlung vor dem Düsseldorfer Landgericht wurde am Donnerstag auf den 19. Dezember datiert.

Bei Problemen gibt es individuelle Lösungen

Wie der Fall auch ausgehen mag, eine „Streitsucht wie im Bundesvergleich“ kann Ott für den hiesigen Landstrich nicht ausmachen. „In einem Fall wollte ein Kläger eine Mietminderung erreichen, das war‘s dann aber auch“, so Ott. Bestätigt wird sein Eindruck durch Vertreter größerer Wohnungsbaugenossenschaften. Frank Benischke von der Neubrandenburger Neuwoges spricht von „Einzelfällen, die im Gespräch gelöst werden und nicht vor Gericht gehen.“

Sein Kollege René Gansewig von der Neuwoba meint ebenfalls, es handele sich nicht „um ein vordergründiges Thema“. In den vereinzelt auftretenden Fällen finde man eine individuelle Lösung. Grund für Streitigkeiten sei zudem weniger das Rauchen in den Wohnungen, sondern auf Balkonen. Beides könne und wolle man aber nicht verbieten, „da ist schließlich keine Doktrin anwendbar“.

Wegen Asche auf dem Balkon geklagt

Vor Strafe aber schützt das nur bedingt. Das Amtsgericht München hatte erst kürzlich ein Ehepaar zur Zahlung von 3000 Euro verurteilt, weil dessen Untermieter wegen der auf seinen Balkon entsorgten Asche geklagt hatten. Aktuell läuft vor dem Amtsgericht Rathenow ein ähnlich gelagerter Prozess. Auslöser: aufsteigender Rauch. Durch diesen fühlen sich die Obermieter derart belästigt, dass dem Paar das Rauchen nur noch zu bestimmten Zeiten gestattet werden soll. Das Urteil wird für den 9. September erwartet. 

Genau hinsehen wird dann auch Jonas Falko von der Wohnungsbaugenossenschaft Anklam. Ein Fall wie der in Rathenow verhandelte ist auch ihm bisher nicht untergekommen. Und solange es nicht im Treppenhaus qualmt, gilt für seine Mieter: „Natürlich darf man rauchen.“