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Heißer Kampf um den Chefsessel

Eine Frau und fünf Männer bewerben sich um den Oberbürgermeister-Posten in Neubrandenburg. Der Wahlkampf verspricht spannend zu werden, da nicht nur Vertreter der etablierten Parteien ihren Hut in den Ring werfen.

Torsten Koplin, Diana Kuhk, Michael Nötzel (oben von lins) sowie Manfred Pawlowski, Michael Stieber und Silvo Witt bewerben sich um das Amt des Oberbürgermeisters.
Montage: NK Torsten Koplin, Diana Kuhk, Michael Nötzel (oben von lins) sowie Manfred Pawlowski, Michael Stieber und Silvo Witt bewerben sich um das Amt des Oberbürgermeisters.

Wenn es nach Diana Kuhk geht, könnten sich die Neubrandenburger die Wahl ihres neuen Oberbürgermeisters eigentlich sparen. So spotten zumindest etliche Viertorestädter, nachdem sie Ende 2014 die Anzeige der CDU-Frau in einem Neubrandenburger Anzeigenblatt entdeckt hatten.

In dem Inserat wünscht die christdemokatische OB-Kandidatin den Bürgern ein erfolgreiches neues Jahr. Unmittelbar unter ihrem Namen titelt sie mit „Oberbürgermeisterin“ – deutlich kleiner erfolgt darunter der Hinweis auf die erst noch anstehende Wahl.

Die Anzeige habe für Diskussionen und geteilte Meinungen gesorgt, sagt Diana Kuhk. Die einen hätten ihr applaudiert, die anderen würden die Anzeige eher kritisch sehen. Sie stehe aber zu der Werbung als Auftakt des Oberbürgermeister-Wahlkampfes. Der Hinweis auf die Wahl sei eindeutig. „Die Anzeige soll nicht anmaßend sein, sondern selbstbewusst“, sagt die 44-jährige promovierte Germanistin.

Eine Stichwahl ist sehr wahrscheinlich

Sie ist aber nicht die einzige Kandidatin, die sich am 1. März um den Posten des Oberbürgermeisters in der drittgrößten Stadt von Mecklenburg-Vorpommern bewirbt. Amtsinhaber Paul Krüger (CDU) räumt seinen Stuhl nach 14 Jahren Amtszeit. Aus Altersgründen kann er nicht noch einmal zur Wahl antreten. Neben Kuhk bestätigte der Wahlausschuss am Mittwoch fünf weitere OB-Kandidaten.

Darunter sind alte Polit-Haudegen wie der Landtagsabgeordnete Torsten Koplin (Linke) sowie Michael Nötzel (57 Jahre), der seinen Hut als parteiloser Einzelkandidat in den Ring wirft. Stadtvertreter Nötzel saß für die CDU im Landtag (1994-1998). Der langjährige CDU-Kreisvorsitzende überwarf sich dann aber mit OB Krüger samt seiner Partei und trat Anfang 2008 aus.

Die SPD schickt den Parteivorsitzenden der Mecklenburgischen Seenplatte, Michael Stieber (46), ins Rennen. Zudem treten Manfred Pawlowski (FDP) und der Einzelkandidat Silvio Witt (34) an. Während der 57-jährige, liberale Hausmeister eher als unbeschriebenes Blatt gilt, ist der studierte Betriebswirtschaftler Witt als Kabarettist in Neubrandenburg bekannt wie ein bunter Hund.

Neubrandenburg gilt traditionell als rote Hochburg

Höchstwahrscheinlich wird es nach dem 1. März zu einer Stichwahl kommen. Beobachter gehen davon aus, dass Kuhk und Koplin die besten Chancen haben. Der linke Kandidat war bereits 2001 gegen Krüger angetreten, hatte seinerzeit aber in der Stichwahl klar verloren. Die Frage ist, inwieweit ihm der Wähler seine Vergangenheit als Inoffizieller Stasi-Mitarbeiter (IM) verzeiht, für die er sich aber entschuldigt hat.

Traditionell gilt die Viertorestadt als rote Hochburg. Begünstigend für Koplin: Neubrandenburgs CDU ist seit Jahren gespalten. Auf der einen Seite der eher moderate Flügel, dem neben Kuhk der Ortsvorsitzende und Strippenzieher Frank Benischke zuzurechnen ist. Demgegenüber der konservative Flügel, dessen Kandidat Peter Modemann Diana Kuhk bei der innerparteilichen Nominierung unterlegen war.

Die Chancen der Einzelbewerber

Spannend dürfte die Frage sein, wie sich die beiden Einzelkandidaten positionieren. Nötzel war bereits vor sieben Jahren als OB-Kandidat angetreten, hatte es aber noch nicht einmal in die Stichwahl geschafft. Für Witt dürfte entscheidend sein, inwieweit er potente Geldgeber für sich gewinnen kann, um seinen Wahlkampf zu finanzieren. Seine Kandidatur sei auf jeden Fall ernst gemeint, so der Spaßmacher.

Als jüngster Kandidat könnte er insbesondere bei jüngeren Bürgern punkten. Dass Einzelbewerber in Neubrandenburg nicht chancenlos sind, hatte 2008 Hans-Joachim Schröder bewiesen. Der parteilose Kandidat schaffte es dank eines professionellen und finanziell gut ausgestatteten Wahlkampfs in die Stichwahl und unterlag Amtsinhaber Krüger seinerzeit mit 47,7 Prozent nur knapp.

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